
Die Wiener Polizei soll in den kommenden Jahren personell verstärkt werden. Mit dem neuen Ausbildungsmodell „Wien auf Zeit“ starten bereits im Dezember 2026 die ersten 50 angehenden Polizistinnen und Polizisten ihre Ausbildung in der Bundeshauptstadt. Nach insgesamt fünf Jahren können sie garantiert in ihr Heimatbundesland wechseln. Das kündigte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Mittwoch bei einem Pressegespräch an.
Hintergrund ist der Personalbedarf bei der Wiener Polizei. Obwohl sich heuer rund 4000 Menschen für den Polizeidienst in Wien beworben haben, schafften nur 650 das Aufnahmeverfahren.
Das neue Ausbildungsmodell richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber aus den Bundesländern, die den Aufnahmetest bestanden haben, aber aufgrund begrenzter Ausbildungskapazitäten in ihrer Heimat nicht aufgenommen werden konnten.
Mit „Wien auf Zeit“ erhalten sie nun die Möglichkeit, ihre Polizeikarriere in der Bundeshauptstadt zu beginnen. Das Modell sieht zunächst eine zweijährige Polizeiausbildung in Wien vor. Anschließend müssen die Absolventinnen und Absolventen ihre ersten drei Berufsjahre ebenfalls in Wien absolvieren. Im Gegenzug wird ihnen garantiert, dass sie danach ihre weitere Laufbahn im Heimatbundesland fortsetzen können.
Die gesamte Verpflichtung in Wien beträgt damit fünf Jahre.
Für den ersten Ausbildungsdurchgang gibt es laut Innenministerium bereits 50 Interessentinnen und Interessenten. Die Ausbildung soll im Dezember 2026 beginnen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen nach Angaben Karners vor allem aus Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland.
Innenminister Karner bezeichnete das Modell als „eine klassische Win-win-Situation“. Wien bekomme zusätzliches Polizeipersonal, während die Bewerberinnen und Bewerber ihre Ausbildung beginnen könnten, obwohl in ihrem Heimatbundesland derzeit nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen.
Wie groß der Personalbedarf ist, zeigen die Zahlen der Wiener Polizei. Im Jahr 2026 bewarben sich rund 4000 Personen für den Polizeidienst in der Bundeshauptstadt. Davon schafften 650 das Aufnahmeverfahren. Ursprünglich hatte die Wiener Polizei mit rund 800 Neuaufnahmen gerechnet.
„Es hätten mehr sein können“, räumte Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl bei dem Pressegespräch ein. Das neue Modell soll nun dazu beitragen, die Lücke teilweise zu schließen. „Das Modell ‚Wien auf Zeit‘ kommt uns sehr gelegen“, erklärte Pürstl.
Auch österreichweit soll die Zahl der Polizeineuaufnahmen steigen. Im Jahr 2026 wurden laut Innenminister Karner insgesamt 1500 Personen neu aufgenommen. Das seien mehr gewesen als ursprünglich geplant. Für 2027 kündigte der Innenminister eine deutliche Steigerung an.
Im kommenden Jahr sollen österreichweit 2000 neue Polizistinnen und Polizisten aufgenommen werden. Das entspricht einem geplanten Anstieg um rund ein Drittel gegenüber 2026. Wie viele davon konkret für Wien vorgesehen sind, wurde bei dem Pressegespräch nicht bekannt gegeben.
Neben der Personaloffensive stellte Karner auch Anpassungen beim neuen Dienstzeitmanagement (DZM) vor. Dieses wird seit September 2026 in fünf österreichischen Testregionen erprobt. Die geplanten Änderungen hatten laut dem Innenminister bei Polizeibediensteten Sorgen und Unsicherheiten ausgelöst.
Deshalb wurden mehrere Regelungen angepasst. Ab November sollen auf freiwilliger Basis wieder bis zu vier 24-Stunden-Dienste pro Monat möglich sein. Die vorgesehenen Plandienststunden am Wochenende wurden von ursprünglich 48 auf 40 reduziert. Auch die Wochenruhe wurde entsprechend angepasst.
Zusätzlich können Bedienstete künftig mindestens 16 Stunden Journaldienst leisten, ohne diesen zwingend mit Nachtdiensten verbinden zu müssen.
Weitere Änderungen betreffen die Dienstplanung und die finanzielle Abgeltung. Der Vorplanungszeitraum wird von drei Monaten auf einen Monat verkürzt. Außerdem muss die Dienstplanung für den Folgemonat künftig erst bis zum 25. eines Monats abgeschlossen sein. Bisher war dafür der 17. vorgesehen. Ab dem 1. Jänner 2027 werden die Zulagen für Wochenend- und Nachtdienste verdoppelt.
Zusätzlich erhalten alle Bediensteten in den fünf Testregionen eine einmalige Sonderzahlung von 600 Euro. Betroffen sind die Testregionen Bregenz, Leibnitz, Linz, Gänserndorf und Wien-Brigittenau.
Beim Pressegespräch ging es auch um die Sicherheitsvorkehrungen für das bevorstehende Halloween-Wochenende. Laut Karner und Pürstl beobachtet die Polizei Aufrufe zu möglichen Ausschreitungen in sozialen Netzwerken. Der Wiener Polizeipräsident sprach von einzelnen Aufrufen, betonte aber, dass derzeit keine konkreten Hinweise auf organisierte Gewalt vorliegen.
Für den Bedarfsfall könnten in Wien mehrere hundert Polizeibedienstete zur Gefahrenabwehr eingesetzt werden. Karner verwies auf die sogenannte 3D-Strategie der Polizei: Dialog, Deeskalation und Durchsetzung, falls die Deeskalation scheitert.
Mit dem neuen Modell „Wien auf Zeit“ will das Innenministerium zusätzliche Bewerberinnen und Bewerber für den Polizeidienst in Wien gewinnen. Die ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beginnen bereits im Dezember ihre Ausbildung.
Bis sie nach der zweijährigen Ausbildung regulär als ausgebildete Polizistinnen und Polizisten eingesetzt werden können, wird allerdings noch Zeit vergehen. Für die Wiener Polizei soll das Modell langfristig zu einer personellen Verstärkung beitragen.
(APA/Red)
