
Zwei bekannte Wiener Grätzl-Lokale, zwei Abschiede: In Margareten hat das Café Siebenbrunnen nach mehr als 40 Jahren seinen Betrieb eingestellt. Auch die traditionsreiche Weinschenke Fabigan in Simmering wird nicht als Gasthaus weitergeführt. Stattdessen plant ein Unternehmen auf dem Grundstück Wohnungen und einen neuen Betriebsstandort. Damit verlieren zwei Wiener Bezirke langjährige gastronomische Treffpunkte.
Die Hintergründe sind jedoch unterschiedlich. Während die Gründe für die Schließung des Café Siebenbrunnen noch nicht bekannt sind, scheiterte die Suche nach einem gastronomischen Nachfolger für die Weinschenke Fabigan letztlich an der Finanzierung.
Am Siebenbrunnenplatz in Wien-Margareten ist ein Stück lokaler Gastronomiegeschichte zu Ende gegangen. Mehr als vier Jahrzehnte lang war das Café Siebenbrunnen ein Treffpunkt im fünften Bezirk. Seit dem 16. Oktober ist das Lokal geschlossen. Ein Aushang an der Eingangstür informiert die Gäste über das Ende des Betriebs.
„Liebe Gäste, unser Lokal ist ab 16. Oktober leider geschlossen!“, heißt es darin.
Das Café wurde über viele Jahre von der Familie Holzinger geführt. Bekannt war es unter anderem für seine auffällige Einrichtung. Auch die Trash-TV-Serie „Drunk Dates“ wurde dort gedreht. Mit dem Café hat auch die dazugehörige Pizzeria Maria Rosa geschlossen.
Über die konkreten Gründe für die Schließung liegen bislang keine gesicherten Informationen vor. Die Betreiber verabschiedeten sich mit einer Nachricht an ihre Gäste.
„Wir danken euch von Herzen für eure Treue, die schönen Stunden und die tolle Arbeit. Euer Team von Café Siebenbrunnen“, steht auf dem Aushang.
Ob das Lokal künftig von einem neuen Betreiber übernommen wird, ist derzeit nicht bekannt. Damit bleibt auch offen, wie die Räumlichkeiten am Siebenbrunnenplatz künftig genutzt werden.
Anders stellt sich die Situation bei der Weinschenke Fabigan in Wien-Simmering dar. Die frühere Wirtin Andrea Kraml hatte das traditionsreiche Lokal nach mehr als 40 Jahren aus Altersgründen aufgegeben.
Seit Anfang 2025 suchte sie nach einem Nachfolger, der das Wirtshaus weiterführen sollte. Ihr Wunsch war es, dass die Stammgäste und das Grätzl auch künftig ein Gasthaus an diesem Standort haben. Interessenten gab es laut Medienberichten durchaus. Allerdings stellte die geforderte Ablöse von 600.000 Euro eine erhebliche Hürde dar. Ein gastronomischer Nachfolger fand sich schließlich nicht.
Im Frühjahr 2026 wurde bekannt, dass die RR Electro-Engineering GmbH das Objekt übernimmt. Statt eines neuen Gasthauses sind nun eine Betriebsstätte und Wohnungen geplant. Im Erdgeschoss soll das Unternehmen einen neuen Standort einrichten. Darüber sollen zusätzliche Wohneinheiten entstehen.
Dafür ist eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes um zwei Geschosse einschließlich Dachgeschoss vorgesehen. Auch der bisherige Hofbereich in Richtung Hasenleitengasse soll überbaut werden.
Ganz verschwinden soll das Erscheinungsbild der früheren Weinschenke allerdings nicht. Das Gebäude wurde vor 1945 errichtet und befindet sich in einer Schutzzone. Die Magistratsabteilung 19 für Architektur und Stadtgestaltung verlangt deshalb, dass das historische Erscheinungsbild erhalten bleibt.
Laut der zuständigen Abteilung gilt das Gebäude als das letzte fertiggestellte Haus der Siedlung rund um die Fabiganstraße. Bei einem Lokalaugenschein von MeinBezirk war die frühere Holzüberdachung des Gastgartens bereits entfernt worden. Auch im Inneren waren Umbauarbeiten erkennbar. Die geplante Aufstockung ist allerdings noch nicht endgültig genehmigt.
Die MA 37 bestätigte gegenüber Medien, dass das entsprechende Bewilligungsverfahren noch läuft und die Pläne derzeit überarbeitet werden. Nach Angaben des Unternehmens soll das Projekt bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Voraussetzung dafür ist unter anderem der Abschluss der erforderlichen Verfahren.
(Red)
