
Wiens Dompfarrer Toni Faber bereitet sich auf einen ungewöhnlichen nächsten Lebensabschnitt vor. Der Geistliche, der seit 1997 die Dompfarre St. Stephan leitet, soll mit Ende August 2027 in Pension gehen. Doch ganz verschwinden wird er möglicherweise nicht: Ein digitales Ebenbild von Faber soll künftig als KI-Trauerredner bei Bestattungen zum Einsatz kommen.
Das Projekt trägt den Namen „Fabertar“ und wurde am Dienstag gemeinsam mit dem Grazer Start-up Lebensstimmen vorgestellt. Der digitale Trauerredner soll bereits im ersten Quartal 2027 verfügbar sein.
Hinter dem Projekt steht die Lebensstimmen GmbH aus Graz. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform, über die Menschen persönliche Abschiedsbotschaften für Angehörige hinterlegen können.
Die Botschaften sollen bereits zu Lebzeiten vorbereitet und später im Rahmen einer Trauerfeier wiedergegeben werden können. Eine besondere Rolle übernimmt dabei der digitale Toni Faber.
Sein KI-generierter Avatar soll unter dem Namen „Fabertar“ als Trauerredner auftreten und hinterlegte Botschaften vortragen.
Das Unternehmen beschreibt die Plattform als digitales Vorsorgeangebot für persönliche Abschiedsworte.
Wie der Avatar technisch genau funktioniert und welche Möglichkeiten Nutzerinnen und Nutzer bei der Gestaltung der Trauerfeier haben werden, geht aus den bisher veröffentlichten Informationen nicht näher hervor.
Ein besonderer Vorteil des Projekts liegt nach Angaben von Faber in der Mehrsprachigkeit.
Der Wiener Dompfarrer erklärte auf Instagram, dass er selbst nur begrenzte Fremdsprachenkenntnisse habe. Mit künstlicher Intelligenz könne er hingegen Menschen in 30 verschiedenen Sprachen erreichen.
„Ich gehe nächstes Jahr in Pension. Aber als KI-Priester mache ich weiter!“, erklärte Faber in seinem Instagram-Beitrag.
Die Technologie eröffnet aus seiner Sicht neue Möglichkeiten, Menschen anzusprechen, die er persönlich bislang nicht erreichen konnte.
Faber betonte außerdem, dass er der künstlichen Intelligenz zunächst mit großem Respekt begegnet sei. Durch die nähere Beschäftigung mit der Technik sehe er inzwischen auch deren Chancen.
Der geplante Einsatz künstlicher Intelligenz bei Bestattungen wirft auch Fragen nach der Rolle menschlicher Trauerbegleitung auf.
Das Start-up betont deshalb ausdrücklich, dass der digitale Trauerredner keine persönliche Seelsorge ersetzen soll.
Vielmehr soll er eine zusätzliche Möglichkeit bieten, Abschiedsworte zu übermitteln, etwa wenn dies ausdrücklich gewünscht wird oder kein Trauerredner verfügbar ist.
Ob und unter welchen Voraussetzungen der „Fabertar“ auch bei kirchlichen Begräbnisfeiern eingesetzt werden kann, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Ebenso ist nicht bekannt, ob die Plattform bereits konkrete Vereinbarungen mit Bestattungsunternehmen getroffen hat.
Für Faber steht unabhängig vom KI-Projekt ein großer beruflicher Einschnitt bevor. Seit 1997 ist er Dompfarrer des Wiener Stephansdoms und damit eine bekannte Persönlichkeit des kirchlichen Lebens in Österreich. Mit 31. August 2027 soll seine Tätigkeit als Dompfarrer enden.
Der digitale Trauerredner ist allerdings bereits für das erste Quartal 2027 angekündigt und könnte damit noch vor Fabers Pensionierung verfügbar werden. Ob der Starttermin eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten.
Noch offen sind wesentliche praktische Fragen rund um das neue Angebot. Aus dem bisherigen Bericht geht nicht hervor, welche Kosten für die Nutzung des KI-Trauerredners entstehen werden.
Auch Details zur Buchung, zu möglichen Vertragslaufzeiten oder zur Speicherung persönlicher Abschiedsbotschaften wurden nicht näher erläutert.
Das Unternehmen erklärt, dass die Plattform eine transparente und rechtskonforme Digitalisierung ermöglichen soll. Unabhängige Informationen zur konkreten datenschutzrechtlichen Umsetzung liegen im vorliegenden Bericht allerdings nicht vor.
Fest steht: Mit dem „Fabertar“ will Toni Faber auch nach seiner Pensionierung auf ungewöhnliche Weise präsent bleiben – zumindest in digitaler Form.
(Red)
