
Rund 1500 Flaschen Bier und Radler kostenlos abholen – und dafür lediglich das Pfand bezahlen: Mit einer ungewöhnlichen Aktion machte die Lebensmittelrettung in Wien-Floridsdorf auf ihre Arbeit aufmerksam. Der Verein bewahrt seit 2015 Lebensmittel vor der Vernichtung und gibt überschüssige Waren kostenlos weiter.
Wie „Heute“ am 15. Oktober 2026 berichtete, standen in der Zentrale auf der Prager Straße 142 rund 1500 Flaschen zur Abholung bereit. Für die Getränke selbst wurde kein Geld verlangt. Bezahlt werden musste nur das Pfand für Flaschen und gegebenenfalls Kisten.
Die Lebensmittelrettung hat ihren Standort in der Prager Straße 142 im 21. Wiener Gemeindebezirk. Interessierte hatten die Möglichkeit, dort zwischen acht und 16:30 Uhr überschüssige Lebensmittel abzuholen. Bereits knapp vor 10:00 kündigte der Verein auf Instagram jedoch an, dass die Aktion bereits beendet werden musste, da kein Bier mehr vorhanden war.
Ganz ohne Geld funktioniert die Abholung nicht. Für die Mehrwegverpackungen fiel Pfand an, also 27 Cent pro Flasche und drei Euro pro Kiste. Für 20 Flaschen ergibt sich damit beispielsweise ein Flaschenpfand von 5,40 Euro. Wurde zusätzlich eine Kiste benötigt, betrug das gesamte Pfand 8,40 Euro.
Zusätzlich konnten Besucherinnen und Besucher freiwillig für die Arbeit des Vereins spenden.
Hinter der Aktion steckt eine Organisation, die sich seit mehr als zehn Jahren gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Seit 2015 werden Lebensmittel übernommen, die andernfalls möglicherweise entsorgt würden.
Ein großer Teil der geretteten Waren wird an Sozialmärkte weitergegeben. Überschüssige Mengen können Interessierte direkt beim Verein abholen. Die Arbeit wird überwiegend von Ehrenamtlichen getragen. Freiwillige übernehmen die Abholung, Lagerung und Verteilung der Lebensmittel. Dafür erhalten sie nach Angaben des Vereins keine Bezahlung.
Finanziert wird die Tätigkeit unter anderem durch Spenden.
Die Lebensmittelrettung erhält immer wieder außergewöhnlich große Warenmengen, darunter bereits 20 Tonnen Sauerkraut oder 1500 Kilogramm Ketchup.
Solche Lieferungen treffen teilweise kurzfristig ein. Deshalb muss der Verein rasch Abnehmer finden, damit die Lebensmittel rechtzeitig weitergegeben werden können. Dafür nutzt die Organisation insbesondere soziale Netzwerke.
Über Instagram informiert sie darüber, welche Waren aktuell verfügbar sind und wann diese abgeholt werden können.
Nicht jedes Lebensmittel, das aus dem regulären Handel genommen wird, ist automatisch verdorben. Nach Angaben der Lebensmittelrettung stammen die übernommenen Produkte häufig aus Überproduktionen oder weisen optische Mängel auf.
Auch ein nahendes Mindesthaltbarkeitsdatum kann dazu führen, dass Waren nicht mehr regulär verkauft werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Produkt danach ungenießbar ist.
Bei der Weitergabe müssen dennoch die jeweiligen Lagerbedingungen und die Lebensmittelsicherheit berücksichtigt werden.
Neben Instagram setzt die Organisation inzwischen auf eine eigene digitale Lösung. Die sogenannte „Retterapp“ soll Menschen miteinander verbinden, die überschüssige Lebensmittel anbieten oder kostenlos abholen möchten.
Nach Angaben des Vereins nutzen bereits mehr als 1000 Personen die Anwendung. Das Prinzip erinnert an bekannte Plattformen zur Rettung überschüssiger Lebensmittel, soll aber bewusst ohne kommerzielles Geschäftsmodell funktionieren.
Während andere Anbieter für die Vermittlung beziehungsweise die Lebensmittel selbst Geld verlangen, möchte die Lebensmittelrettung eine kostenlose Alternative schaffen. Grundsätzlich sollen Nutzerinnen und Nutzer sowohl Lebensmittel anbieten als auch selbst Waren übernehmen können.
(Red.)
