
Wien gehört zu den international bedeutendsten Städten, doch bei der Lebensqualität schneiden zwei andere österreichische Landeshauptstädte besser ab. Das zeigt der neue Global Cities Index 2026 des britischen Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics, für den weltweit 1000 Städte und Ballungsräume untersucht wurden.
Während Wien im Gesamtranking einen beachtlichen 35. Platz erreicht, liegt die Bundeshauptstadt in der Kategorie Lebensqualität lediglich auf Rang 85. Linz schafft es in dieser Kategorie sogar auf Platz 12, Graz auf Rang 46.
Das Ergebnis ist bemerkenswert, weil Wien in anderen internationalen Städtevergleichen regelmäßig Spitzenplätze bei der Lebensqualität erreicht. Der Oxford-Economics-Index verwendet allerdings eigene Kriterien und berücksichtigt unter anderem Einkommen, Wohnkosten, Lebenserwartung, Kriminalität und Freizeitangebote.
Besonders gut bewertet Oxford Economics die wirtschaftliche Stabilität und Vielfalt Wiens. Die Hauptstadt verfügt über einen breiten Branchenmix aus Unternehmensdienstleistungen, Handel, öffentlichem Sektor und Industrie.
Im Wirtschaftsvergleich liegt Wien auf Platz 48, beim Humankapital auf Rang 57. Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Bildung, Universitäten, die Bevölkerungsstruktur und die Attraktivität für qualifizierte Arbeitskräfte.
Schwächer fällt das Ergebnis im Umweltbereich aus. Hier landet Wien lediglich auf Platz 272. Ausschlaggebend sind laut Report unter anderem Temperaturabweichungen und Naturgefahren.
Ein wesentliches Thema sind die Wohnkosten. Oxford Economics nennt hohe Ausgaben für Wohnen ausdrücklich als Schwäche der österreichischen Hauptstadt.
Dabei unterscheidet der Bericht zwischen günstigeren, häufig älteren städtischen Wohnungen, die schwerer zugänglich sind, und dem meist deutlich teureren privaten Wohnungsmarkt.
Gleichzeitig hebt das Institut mehrere Vorteile hervor, von denen die Wiener Bevölkerung profitiert: kostenlose ganztägige Kindergartenangebote, vergleichsweise günstige und zuverlässige öffentliche Verkehrsmittel sowie hochwertiges Trinkwasser aus den Alpen.
Auch die lange Lebenserwartung, das kulturelle Angebot und vergleichsweise hohe Durchschnittseinkommen tragen zum Ergebnis bei.
Unter den drei österreichischen Städten im Index erreicht Linz bei der Lebensqualität die beste Platzierung. Die oberösterreichische Landeshauptstadt liegt weltweit auf Rang 12, Graz auf Platz 46 und Wien auf Platz 85.
Im Gesamtranking ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Dort ist Wien mit Platz 35 die bestplatzierte österreichische Stadt. Linz folgt auf Rang 99, Graz auf Platz 105.
Die Ergebnisse zeigen, dass wirtschaftliche Bedeutung und Lebensqualität im Index nicht automatisch Hand in Hand gehen.
Oxford Economics beschreibt Wien als kulturell bedeutende Stadt und verweist ausdrücklich auf die Wiener Staatsoper und Schloss Schönbrunn.
Auch die Hochschulen und die Forschung im Bereich der Lebenswissenschaften werden als Stärken hervorgehoben. Wien profitiert demnach von qualifizierten Zuwanderern und der Nähe zur slowakischen Hauptstadt Bratislava, die zusätzliche Arbeitskräfte für die Region bereitstellt.
Bei der politischen und institutionellen Stabilität erreicht Wien Platz 79. Das Institut verweist dabei auch auf Österreichs Institutionen und Unterstützungsangebote für neu zugewanderte Menschen.
Neben dem Wohnungsmarkt sieht der Report auch ökologische Herausforderungen. Wien liegt an der Donau und ist grundsätzlich Hochwasserrisiken ausgesetzt. Gleichzeitig hebt Oxford Economics die bestehenden Hochwasserschutzanlagen hervor.
Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Dazu gehören unter anderem der Ausstieg aus fossilen Heizsystemen, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und zusätzliche Baumpflanzungen.
Ob Wien künftig im internationalen Ranking besser abschneiden kann, hängt laut Oxford Economics unter anderem von der Umsetzung dieser Klimaziele und der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Der Global Cities Index ist allerdings kein direktes Urteil darüber, wie zufrieden Wienerinnen und Wiener mit ihrem Leben sind. Er kombiniert statistische Kennzahlen und Prognosen. Das erklärt auch, warum die Ergebnisse von anderen bekannten Lebensqualitätsrankings abweichen können.
(Red.)
