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Flughafen Wien fordert Aus für 12-Euro-Flugsteuer

Heute, 14:35

Flughafen Wien fordert Aus für 12-Euro-Flugsteuer
12.10.2026 14:00 (Akt. 12.10.2026 14:00)
APA/GEORG HOCHMUTH
Am Flughafen Wien sinken die Passagierzahlen, während Billigfluglinien ihr Angebot verlagern. Flughafen-Vorstand Günther Ofner fordert deshalb das Ende der Flugabgabe. Auch die Politik diskutiert eine mögliche Entlastung.
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Am Flughafen Wien-Schwechat wächst der Druck auf die Politik, die österreichische Flugabgabe abzuschaffen. Flughafen-Vorstand Günther Ofner fordert angesichts rückläufiger Passagierzahlen und steigender Standortkosten ein Ende der Steuer auf Flugtickets. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Zahl der Passagiere um 3,2 Prozent auf 14,3 Millionen.

Besonders die Konkurrenz durch den nahegelegenen Flughafen Bratislava bereitet dem Flughafen Wien Sorgen. Dort seien die Standortkosten nach Angaben Ofners um rund ein Drittel niedriger. Billigfluglinien würden deshalb zunehmend Flugzeuge und Verbindungen aus Wien abziehen.

Darüber berichtete ORF Niederösterreich am 10. Oktober 2026 unter Berufung auf Aussagen Ofners in der „ZiB2“.

Warum der Flughafen Wien die Flugabgabe abschaffen will

In Österreich wird seit 2011 eine Flugabgabe eingehoben. Diese beträgt derzeit grundsätzlich 12 Euro pro Passagier, bei Kurzstrecken bis 350 km sind es 30 Euro.

Für Flughafen-Vorstand Ofner ist die Steuer ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen europäischen Flughäfen.

Er argumentiert, dass Fluggesellschaften ihre Flugzeuge und Verbindungen zunehmend dorthin verlagern, wo die Kosten niedriger sind.

Besonders deutlich zeige sich das beim Wettbewerb mit Bratislava. Der slowakische Flughafen liegt rund 55 km von Schwechat entfernt.

Nach Angaben Ofners seien die Standortkosten dort um ein Drittel niedriger.

Ryanair und Wizz Air verlagern Flugangebot

Der Kostendruck hat laut Flughafen-Vorstand bereits Auswirkungen auf das Flugangebot in Wien.

So zieht sich die Billigfluggesellschaft Wizz Air vom Standort Wien zurück. Ryanair verlagert Flugzeuge nach Bratislava, wo die Betriebskosten niedriger seien.

Ofner sieht darin eine direkte Folge der unterschiedlichen Standortbedingungen.

„Die Ticketabgabe ist ein Schuss ins Knie und ein Arbeitsplatzförderprogramm für Bratislava, denn die zwei Millionen Passagiere, die uns heuer fehlen, hat Bratislava mehr“, erklärte der Flughafen-Vorstand gegenüber der „ZiB2“.

Die genannten zwei Millionen Passagiere sind eine Aussage Ofners zum Wettbewerb der Flughäfen und nicht mit dem statistisch ausgewiesenen Rückgang von 3,2 Prozent im ersten Halbjahr gleichzusetzen.

Staatliche Kosten seit 2019 deutlich gestiegen

Ofner verweist auf eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Infrastrukturministeriums.

Demnach sind die Flughafengebühren in Wien seit 2019 um 22 Prozent gestiegen. Im europäischen Durchschnitt betrug der Anstieg 27 Prozent.

Deutlich stärker entwickelten sich dagegen die staatlichen Kosten für Flugsicherung und Flugabgabe.

Diese stiegen laut Studie um 85 Prozent und damit fast doppelt so stark wie in anderen europäischen Ländern.

Für Ofner ist das ein wesentlicher Grund, warum der Standort Wien im internationalen Wettbewerb unter Druck geraten sei.

Würden Flugtickets ohne Steuer günstiger?

Eine Abschaffung der Flugabgabe könnte grundsätzlich die Kostenbelastung der Fluggesellschaften reduzieren.

Ob die Airlines diese Entlastung vollständig an ihre Passagiere weitergeben würden, ist allerdings offen.

Der Ticketpreis hängt neben Steuern und Abgaben auch von Nachfrage, Flugstrecke, Buchungszeitpunkt und der Preisgestaltung der jeweiligen Fluggesellschaft ab.

Eine Abschaffung der Flugabgabe würde daher nicht automatisch bedeuten, dass jedes Flugticket um genau 12 beziehungsweise 30 Euro günstiger wird.

Für den Flughafen Wien steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob geringere Kosten wieder mehr Flugverbindungen und Passagiere nach Schwechat bringen könnten.

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Die Flugabgabe brachte dem österreichischen Staat im Jahr 2025 rund 180 Millionen Euro ein.

Trotzdem argumentiert Ofner, dass eine Abschaffung oder deutliche Senkung langfristig sogar höhere staatliche Einnahmen ermöglichen könnte.

Seiner Einschätzung nach könnten mehr Flugverbindungen zusätzliche Passagiere nach Österreich bringen.

Diese würden wiederum Geld für Übernachtungen, Gastronomie, Handel und andere Dienstleistungen ausgeben.

Ofner spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Umwegrentabilität.

Ob die dadurch entstehenden zusätzlichen Steuereinnahmen den Wegfall der Flugabgabe tatsächlich ausgleichen würden, ist jedoch nicht belegt.

Politik diskutiert mögliche Entlastung

Auch in der Politik wird die Zukunft der Flugabgabe diskutiert.

Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) erklärte, dass man prüfen müsse, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verbessern lasse.

Dazu gehöre auch die Frage einer möglichen Entlastung bei der Flugabgabe. Gleichzeitig müssten die budgetären Möglichkeiten berücksichtigt werden.

Der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer (FPÖ) fordert hingegen ausdrücklich die vollständige Abschaffung der Steuer.

Er sieht darin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Bratislava.

Eine konkrete Entscheidung der Bundesregierung über eine Abschaffung oder Senkung der Flugabgabe liegt laut dem vorliegenden Bericht nicht vor.

Auch nachhaltiger Flugkraftstoff sorgt für Kritik

Neben der Flugabgabe kritisiert Flughafen-Vorstand Ofner auch die europäischen Vorgaben für nachhaltigen Flugkraftstoff, sogenanntes Sustainable Aviation Fuel (SAF).

Die EU schreibt eine schrittweise Beimischung solcher Kraftstoffe vor, um die Klimabelastung des Luftverkehrs zu reduzieren.

Ofner bemängelt insbesondere, dass bestimmte außerhalb der EU produzierte, günstigere Kraftstoffe nach den geltenden Regeln nicht angerechnet werden könnten.

Dadurch könnten Flugverbindungen über Flughäfen außerhalb der EU aus seiner Sicht wirtschaftlich attraktiver werden.

Die europäischen Vorgaben verfolgen allerdings das Ziel, den Luftverkehr langfristig klimafreundlicher zu gestalten. Die Kritik des Flughafen-Vorstands richtet sich vor allem gegen die wirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen.

Was bedeutet der Streit für Reisende ab Wien?

Für Passagiere ändert sich durch die aktuelle Diskussion zunächst nichts an der bestehenden Flugabgabe.

Die Steuer gilt weiterhin, solange keine entsprechende gesetzliche Änderung beschlossen wird.

Ob die Bundesregierung eine Senkung oder Abschaffung tatsächlich umsetzt, bleibt abzuwarten.

Für Reisende könnten mögliche Änderungen langfristig Auswirkungen auf Flugpreise und das Angebot an Verbindungen ab Wien haben. Konkrete Preissenkungen oder neue Flugverbindungen lassen sich daraus derzeit aber nicht ableiten.

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(Red.)

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