
Wien bekommt zahlreiche neue Straßen-, Platz- und Parknamen. Die heute beschlossenen Benennungen würdigen Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft sowie Menschen, deren Lebenswege von NS-Verfolgung, Exil oder Widerstand geprägt waren.
Besonders viele neue Namen entstehen in der Donaustadt. Dort finden sich künftig unter anderem Jane Goodall, Tina Turner, Otto Schenk und Peter Simonischek im Wiener Stadtplan wieder.
Im Stadtquartier Eibengasse werden mehrere neue Namen an bekannte Persönlichkeiten aus der österreichischen Kultur erinnern.
Ein Platz wird nach dem Schauspieler, Theater- und Opernregisseur Otto Schenk benannt. Eine Gasse trägt künftig den Namen der Burgtheater-Doyenne Elisabeth Orth.
An den langjährigen Burgtheater-Schauspieler Peter Simonischek erinnert künftig eine Allee. Eine weitere Gasse wird nach der Film- und Theaterlegende Waltraut Haas benannt.
Auch Entertainer und Moderator Peter Rapp erhält einen eigenen Weg.
International bekannte Namen kommen ebenfalls hinzu.
In der Seestadt Aspern wurde die Benennung einer Straße nach der Verhaltens- und Primatenforscherin sowie Tier- und Naturaktivistin Jane Goodall beschlossen.
Eine Promenade wird künftig den Namen der Sängerin, Songwriterin und Schauspielerin Tina Turner tragen.
Damit werden zwei weltweit bekannte Persönlichkeiten künftig auch im Wiener Stadtplan sichtbar.
Neben bekannten Namen setzt die Stadt bei den neuen Benennungen bewusst auf Persönlichkeiten, deren Geschichten bisher weniger präsent im öffentlichen Raum waren.
In Floridsdorf wird ein Park nach dem Schauspieler und Regisseur Gerald Pichowetz benannt, der das Gloria-Theater gegründet hat.
In der Josefstadt soll die bisher umgangssprachlich als Hamerlingpark bezeichnete Parkanlage künftig an die in Wien geborene Exil-Schriftstellerin und Übersetzerin Lore Segal erinnern.
In der Leopoldstadt wird mit dem Soshanaplatz die 1927 in Wien geborene Malerin Soshana gewürdigt, die vom NS-Regime vertrieben wurde.
Mehrere der neuen Benennungen beschäftigen sich ausdrücklich mit der Geschichte des Nationalsozialismus.
In Liesing erinnert künftig der Käthe-Sasso-Weg an die Widerstandskämpferin und Zeitzeugin Käthe Sasso. Sie setzte sich über viele Jahre für die Erinnerung an Widerstand und Verfolgung ein und starb 2024.
In der Leopoldstadt entstehen gleich mehrere solche Erinnerungsorte.
Ein Park wird nach der vom NS-Regime verfolgten Wiener Leistungsschwimmerin Ruth Langer benannt. Der Anna-Peczenik-Park erinnert an eine Kindergärtnerin, Spanienkämpferin und Widerstandskämpferin, die 1944 vom NS-Regime ermordet wurde.
Mit dem Amalia-Carneri-Park wird an die Sängerin Amalia Carneri erinnert, die 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde.
In Penzing wird ein Park künftig den Namen Emilie-Tolnay-Park tragen. Die Widerstandskämpferin wurde 1944 vom NS-Regime im Wiener Landesgericht hingerichtet.
In der Donaustadt wird außerdem ein Weg nach David Josef Bach benannt. Der Musikschriftsteller und Volksbildner des Roten Wien wurde 1939 ins Exil vertrieben.
Damit sollen auch Geschichten von Verfolgung, Widerstand und Vertreibung dauerhaft im Wiener Stadtbild verankert werden.
Nicht jede neue Benennung bezieht sich auf eine einzelne Person.
Der bisher als Wiental-Steg bekannte Übergang zwischen Margareten und Mariahilf soll künftig Regenbogensteg heißen.
Der Name soll laut Stadt ein Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung setzen und zugleich auf die historische Bedeutung der LGBTIQ-Community in den beiden Bezirken verweisen.
Am Vorplatz des ÖFB-Campus in der Donaustadt wurde außerdem der Name Platz des Fußballs beschlossen.
Im Stadtentwicklungsgebiet Biotop Wildquell in Liesing werden zudem historische Bezeichnungen aufgegriffen.
Dort wurden die Namen Am Nussbrunnenfeld und Am Wildquell beschlossen. Beide gehen auf historische Flurnamen des Gebiets zurück.
Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler betonte, dass Straßennamen nicht nur der Orientierung dienen, sondern auch Geschichte im Alltag sichtbar machen.
(Red)
