
Die Stadt Wien will einen bedeutenden Teil des literarischen Archivs von Elfriede Jelinek sichern. Der erhaltene Teilvorlass der Literaturnobelpreisträgerin und Wiener Ehrenbürgerin soll von der Wienbibliothek im Rathaus übernommen, wissenschaftlich erschlossen und später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ein entsprechender Antrag über den Ankauf wird am 6. Oktober 2026 im zuständigen Gemeinderatsausschuss behandelt. Für den Ankauf sind 600.000 Euro vorgesehen.
Der Bestand umfasst das erhaltene literarische Archiv Jelineks von ihren publizistischen Anfängen bis in die 2000er Jahre.
Dazu gehören unter anderem:
Damit erhält die Wienbibliothek umfangreiches analoges Material aus mehreren Jahrzehnten des Schaffens der Autorin.
Die Wienbibliothek trat nach eigenen Angaben bereits 2025 an Elfriede Jelinek heran, um den langfristigen Erhalt ihres literarischen Archivs zu ermöglichen.
Nach mehreren Gesprächen signalisierte die Autorin im Februar 2026 ihre Bereitschaft, Verkaufsverhandlungen aufzunehmen. Die konkreten Verhandlungen starteten Ende Juli 2026.
Grundlage für den Kaufpreis von 600.000 Euro waren zwei Gutachten. Neben einem internen Schätzgutachten wurde ein externes Gutachten eines unabhängigen Experten eingeholt.
Die Wienbibliothek im Rathaus verwahrt bereits seit rund 150 Jahren Nachlässe bedeutender Schriftsteller:innen.
In den Beständen finden sich unter anderem Materialien von Franz Grillparzer, Marie von Ebner-Eschenbach, Karl Kraus und Friederike Mayröcker.
Direktorin Anita Eichinger bezeichnete die geplante Übernahme des Jelinek-Bestands als besonderen Höhepunkt dieser Sammlungsgeschichte.
Nach dem Ankauf soll die Wienbibliothek das Material zunächst aufarbeiten und wissenschaftlich erschließen.
Anschließend soll der Teilvorlass – wie andere Vor- und Nachlässe der Wienbibliothek – für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Für Wien bedeutet der geplante Ankauf damit nicht nur die Sicherung historischer Originalmaterialien, sondern auch die Möglichkeit, Jelineks Arbeitsprozesse und ihr literarisches Umfeld künftig anhand ihrer eigenen Dokumente zu erforschen.
(Red)
