
Wie leistbarer, nachhaltiger und langfristig funktionierender Wohnbau in Wien gelingen kann, war Thema der ersten NIBRA Zukunftsgespräche am 29. September in der Vienna Grand Gallery.
Vertreter aus Wohnbau, Immobilienwirtschaft, Nachhaltigkeit, Finanzierung und Baupraxis diskutierten dabei darüber, wie sich Green Building, Leistbarkeit und langfristige Qualität verbinden lassen.
Als zentrale Ansatzpunkte nannten die Teilnehmer mehr Investitionen, schnellere Genehmigungsverfahren, langfristigere Finanzierungsmodelle, industrielle Vorfertigung und ein konsequentes Denken über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg.
Claudia Brey, Geschäftsführerin der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, stellte die langfristige Perspektive in den Mittelpunkt. „Stadtentwicklung ist ein Marathon und kein Sprint“, sagte sie.
Entscheidend sei nicht nur, ob ein Quartier bei der Fertigstellung funktioniere. Es müsse auch Jahre später noch den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen.
Auch Nikolaus Brada, Eigentümer und Geschäftsführer von NIBRA sowie Initiator der Veranstaltung, verwies auf die langfristige Perspektive. „Green Building“ dürfe nicht bei der Gebäudehülle aufhören. Entscheidend sei vielmehr, ob ein Gebäude auch im täglichen Betrieb nachhaltig, effizient und leistbar funktioniere.
Michael Gehbauer, Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, forderte mehr Investitionen in den Wohnbau, leistbare Grundstücke und verlässliche Rahmenbedingungen.
„Wir müssen wieder mehr in den Wohnbau investieren“
Michael GehbauerDabei gehe es nicht nur darum, möglichst viele Wohnungen zu errichten. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Projekte müssten langfristig planbar sein.
Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI, lenkte den Blick auf die laufenden Kosten eines Gebäudes.
„Leistbares Wohnen ist nicht nur die Miete, sondern auch die Betriebskosten“, betonte er.
Damit rückt die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes in den Mittelpunkt. Energieverbrauch, Wartung, technische Anlagen und laufende Betriebskosten können laut den Diskutanten wesentlich dazu beitragen, wie wirtschaftlich ein Gebäude langfristig funktioniert.
Foad Ghaemi, Direktor Wealth Management der Alpen Privatbank, sieht den Handlungsbedarf unter anderem bei Genehmigungen, Regulierung und Finanzierung.
Lange Verfahren könnten Wohnbauprojekte verteuern. Gleichzeitig sollten laut Ghaemi stärker langfristige Finanzierungsmodelle diskutiert werden.
Ein schnelleres Verfahren allein würde demnach nicht reichen, wenn die Finanzierung eines Projekts nicht über längere Zeit abgesichert werden kann.
Einen weiteren Hebel sieht Sascha Risavy, Abteilungsleiter Baumanagement beim Österreichischen Siedlungswerk, in der industriellen Vorfertigung.
Der Wohnbau müsse „günstiger, schneller und ökologischer“ werden. Vorfertigung und industrielle Bauprozesse könnten dabei helfen, Abläufe effizienter und besser planbar zu machen
Wie sich verschiedene Ansätze verbinden lassen, zeigt laut Veranstaltern das Wohnprojekt B.R.I.O. im Quartier Neues Landgut.
Dort treffen Holz-Hybrid-Bauweise, ein hoher Vorfertigungsgrad und ein erneuerbares Energiesystem auf Barrierefreiheit, technische Qualität und eine langfristige Nutzung.
NIBRA realisierte bei dem Projekt die Aufzugsanlagen. Aus Sicht des Unternehmens zeigt sich daran auch die Bedeutung des laufenden Gebäudebetriebs: Technische Infrastruktur müsse nicht nur bei der Übergabe funktionieren, sondern über viele Jahre zuverlässig und wirtschaftlich betrieben werden können.
Bei der Veranstaltung wurde erstmals auch das von NIBRA entwickelte „NIBRA Zukunftsbarometer“ eingesetzt. Die Ergebnisse sollen gesondert ausgewertet und in die weitere Entwicklung des Formats einfließen.
Die NIBRA Zukunftsgespräche werden am 2. November 2026 fortgesetzt. Dann geht es unter dem Titel „Ein Tisch, viele Interessen: Der Weg zu mehr Wohnraum“ erneut um Leistbarkeit, Wirtschaftlichkeit und die Umsetzung von Wohnbauprojekten.
(Red)
