
Die junge Tirolerin war am 7. August gegen 3:30 Uhr mit einem Nachtbus auf dem Weg nach Hause. Beim Aussteigen in Meidling bemerkte sie einen Mann, der ebenfalls im letzten Moment den Bus verließ.
Der 40-Jährige sei der Frau zu nahe gekommen und habe sie nach Feuer gefragt. Als sie nicht reagiert habe, habe er sie zu Boden geschubst, versucht, sich auf sie zu legen, und begonnen, sie zu würgen. Die Frau berichtete vor einem Schöffensenat, dass ihr dabei „ganz schwarz vor Augen“ geworden sei.
„Jetzt ist es aus, jetzt stirb i“, sagte sie bei ihrer Zeugenaussage.
Immer wieder habe sie um Hilfe gerufen. Neben „Hilfe“ habe sie auch „Feuer“ geschrien, weil sie gehofft habe, dass Menschen darauf eher reagieren. Laut ihrer Aussage hielt der Mann ihr deshalb auch den Mund zu.
Als die Frau mit ihrem Handy wiederholt auf den Kopf des Mannes schlug, entriss er ihr das Telefon und flüchtete.
Der 40-Jährige bestritt bei der Verhandlung den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung. „Ich hatte keine schlechten Absichten“, sagte der Angeklagte.
Den ebenfalls angeklagten Raub des Mobiltelefons räumte er ein. Mit dem Erlös habe er sich eine Fahrkarte in seine Heimat kaufen wollen. „In meiner Verzweiflung habe ich so gehandelt“, sagte er.
Der Mann war drei Monate vor der Tat nach Österreich gekommen, um hier schwarz zu arbeiten. Er lebte nach eigenen Angaben bei seinem Auftraggeber in Neunkirchen. Einen Tag vor dem Übergriff habe er den Mann verlassen, weil dieser ihm das verdiente Geld nicht ausbezahlt habe. Anschließend sei er nach Wien gegangen und habe dort ohne Unterkunft gelebt.
Auf die Frage eines Beisitzers, warum er für den Raub keinen unauffälligeren Diebstahl begangen habe, antwortete der Angeklagte: „Damit habe ich mich nicht beschäftigt.“
Bei der Verhandlung wurde bekannt, dass die Verletzungen der Frau schwerer waren als zunächst angenommen. Durch das Würgen erlitt sie massive blaue Flecken am Hals, einen Abbruch am Halswirbel und eine Absplitterung des Knochens am Daumen.
Bis zur Vorwoche habe sie einen Gips beziehungsweise eine Halskrause getragen. Nach wie vor leide sie unter Kopfschmerzen und müsse Schmerzmittel nehmen. Die Beweglichkeit des Daumens sei weiterhin eingeschränkt.
Die Verhandlung wurde vertagt. Zunächst soll ein medizinisches Gutachten zur Schwere der Verletzungen eingeholt werden. Zudem soll die Krankenakte beigezogen werden. Der nächste Verhandlungstermin ist für Dezember vorgesehen.
Auch psychisch beschäftigt die Frau der Vorfall weiterhin. Sie könne bis heute nicht im Dunkeln nach draußen gehen und bekomme Panik bei Männern, „die ich nicht kenne“. Sie wolle deshalb psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Die Frage der Verteidigerin, ob der Angeklagte möglicherweise nur das Handy habe rauben wollen, verneinte die Frau. „Nein, er wollte auf mich drauf.“ Er hätte ihr Telefon ihrer Ansicht nach schon früher entreißen können.
Sie habe während des Angriffs sogar daran gedacht, für den Fall ihres Todes DNA-Spuren zu sichern. „Ich wollte ihn sogar kratzen, damit ich DNA unter den Fingernägeln hab, falls am nächsten Tag meine Leiche gefunden wird.“
Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.
(APA)
