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"Gratis": Studenten sollen per Chat zu Gruppenvergewaltigung eingeladen haben

Gestern, 08:05

"Gratis": Studenten sollen per Chat zu Gruppenvergewaltigung eingeladen haben
30.09.2026 09:30 (Akt. 30.09.2026 09:30)
Sieben Studenten beschuldigt: Cornell-Fall wird strafrechtlich neu geprüft SPENCER PLATT / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP
Eine ehemalige Studentin wirft sieben Mitgliedern der Cornell-Verbindung Chi Phi vor, sie unter Drogeneinfluss stundenlang vergewaltigt zu haben. Ein Gruppenchat soll weitere Männer zum sexuellen Missbrauch eingeladen haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut.
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Es ist ein Fall, der in den USA für massive Empörung sorgt. Eine ehemalige Studentin der renommierten Cornell University wirft sieben Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi vor, sie im Oktober 2024 in einem Verbindungshaus in Ithaca im Bundesstaat New York unter Drogen gesetzt, sexuell missbraucht und von mehreren Männern vergewaltigt worden zu sein.

Die Frau tritt in ihrer Klage unter dem Pseudonym Jane Doe auf. Sie war damals 20 Jahre alt. Anfang September 2026 reichte sie eine Zivilklage gegen die sieben Männer, Cornell University und weitere Beteiligte ein. Danach wurde der Fall auch strafrechtlich wieder aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft von Tompkins County prüft nun erneut, ob Anklage erhoben werden kann.

Sie soll unter Druck Ketamin genommen haben

Nach Darstellung der Klägerin begann der Abend mit einem Treffen mit Freundinnen. Später ging sie zum Haus der Studentenverbindung Chi Phi. Dort soll sie zunächst einen Dreier abgelehnt haben.

In der Klage schildert die Frau anschließend, zum Konsum von Ketamin, Marihuana und hochprozentigem Alkohol gedrängt worden zu sein. Danach sollen zwei Männer sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben, obwohl sie dem laut Klage nicht zugestimmt habe. Im weiteren Verlauf sollen weitere Mitglieder der Verbindung in den Raum gekommen sein.

Die Klägerin sagt, sie sei schließlich nicht mehr in der Lage gewesen, sich zu wehren. Der mutmaßliche Übergriff soll sich über mehrere Stunden hingezogen haben. Nach dem Vorfall habe sie ihr Studium an der Cornell University abgebrochen.

Gruppenchat soll weitere Männer angelockt haben

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe gegen einen Snapchat-Gruppenchat der Verbindung. Laut der Zivilklage soll während der Nacht eine Nachricht verschickt worden sein, die weitere Mitglieder auf eine Frau aufmerksam machen sollte.

Ein Screenshot des Gruppenchats kursiert derzeit im Internet. Es sollen sich 57 Männer in der Gruppe befunden haben. Keiner von ihnen soll die Polizei verständigt oder eingegriffen haben.

In dem Chat soll unter anderem gefragt worden sein: „Shop still open?“ Die Klägerin und ihr Anwalt verstehen die Nachrichten als Aufforderung an weitere Männer, zum Zimmer zu kommen und sich an dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch zu beteiligen. CBS News veröffentlichte Aufnahmen und Screenshots des Chats, wies aber darauf hin, dass das Material nicht unabhängig überprüft werden konnte.

Der Anwalt der Frau, Thomas Giuffra, sagt, seine Mandantin habe den Gruppenchat bereits den Behörden vorgelegt. Für ihn sei darin ein entscheidendes Beweismittel enthalten gewesen. Er kritisiert, dass es danach keine ausreichende strafrechtliche Untersuchung gegeben habe.

Staatsanwalt: Aussage von 2024 unterscheide sich

Warum 2024 keine strafrechtliche Anklage erhoben wurde, erklärt Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten mit der damaligen Aussage der Frau.

Nach seiner Darstellung habe Jane Doe gegenüber den Behörden damals angegeben, Drogen und Alkohol freiwillig konsumiert zu haben. Sie habe zu diesem Zeitpunkt nicht erklärt, gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt worden zu sein oder während des Geschehens bewusstlos beziehungsweise körperlich hilflos gewesen zu sein.

Van Houten bezeichnet die Darstellung in der nun eingereichten Zivilklage deshalb als „dramatically different“, also als dramatisch anders als die ursprüngliche Aussage. Seine Behörde habe sich bei der damaligen Entscheidung zudem wesentlich auf die Ermittlungen der Cornell University Police gestützt.

Der Staatsanwalt betont zugleich, dass die nun bekannt gewordenen Angaben erneut geprüft werden sollen. Seine Behörde will den Fall einer Grand Jury vorlegen. Diese soll entscheiden, ob genügend Beweise für strafbares Verhalten vorliegen.

Anwalt widerspricht den Behörden

Giuffra widerspricht der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Er sagt, seine Mandantin habe den Vorfall bereits damals gemeldet und der Polizei auch den Gruppenchat gezeigt. Die Ermittler hätten sie anschließend jedoch nicht ausreichend zu den Vorgängen befragt.

Auch die Frage, wie die ursprüngliche Aussage der Frau zustande kam, ist inzwischen Teil der Auseinandersetzung. Ihr Anwalt erklärt, sie sei nach dem mutmaßlichen Übergriff traumatisiert gewesen und habe versucht, überhaupt herauszufinden, was in jener Nacht passiert sei.

Van Houten hält dagegen, die damalige Aussage sei von einem erfahrenen Ermittler aufgenommen worden, der für Fälle sexualisierter Gewalt geschult gewesen sei.

Zwei Studenten ausgeschlossen, weitere Sanktionen

Auch Cornell steht wegen des Umgangs mit dem Fall in der Kritik. Die Universität führte nach den Vorwürfen ein eigenes Verfahren nach den geltenden Hochschulregeln durch.

Nach Angaben des Anwalts der Klägerin wurden zwei der sieben beschuldigten Studenten von der Universität ausgeschlossen. Gegen andere seien geringere Disziplinarmaßnahmen verhängt worden. In Berichten ist dabei unter anderem von Suspendierungen, Workshops und dem Schreiben von Aufsätzen die Rede.

Cornell bestätigt, dass Disziplinarmaßnahmen verhängt wurden, veröffentlicht wegen gesetzlicher Datenschutzvorgaben aber keine individuellen Sanktionen. Die Universität erklärt, die Vorwürfe seien untersucht und anschließend in einem eigenen Verfahren behandelt worden. Die Chi-Phi-Verbindung bleibt vom Campus ausgeschlossen.

Beschuldigte weisen Vorwürfe zurück

Nicht alle Beschuldigten akzeptieren die Darstellung der Klägerin. Der Anwalt von Scott Kretzschmar weist die Vorwürfe zurück und erklärte gegenüber ABC News, sein Mandant habe die Frau weder sexuell angegriffen noch überhaupt berührt.

Auch Scott Norris bestreitet eine Beteiligung an sexuellen Handlungen oder Drogenkonsum. Er räumt allerdings ein, eine Nachricht im Snapchat-Chat verschickt zu haben. Nach seiner Darstellung habe er den Raum nur kurz betreten und sei nicht an dem dort geschehenen mutmaßlichen Fehlverhalten beteiligt gewesen.

Bislang wurde keiner der sieben Männer im Zusammenhang mit dem Vorfall strafrechtlich angeklagt. Die neuerliche Prüfung durch die Staatsanwaltschaft läuft.

New York fordert unabhängige Prüfung

Der Fall hat inzwischen auch die Politik erreicht. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul forderte eine unabhängige Untersuchung der Reaktion der Cornell University auf die Vorwürfe. Sie will unter anderem prüfen lassen, ob die Universität ihre Verpflichtungen zum Schutz der Studierenden und bei der Aufklärung des Falls erfüllt hat.

Ob es tatsächlich zu strafrechtlichen Anklagen kommt, ist offen. Die Grand Jury soll nun die Aussagen der Klägerin und mögliche neue Beweise prüfen.

(VIENNA.AT)

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