
Die Folgen des Klimawandels verändern den Bergsport spürbar. Bei den Internationalen Bergtagen Wien warnten der Verband alpiner Vereine Österreichs, der Alpenverein und die Naturfreunde deshalb vor neuen Risiken für Bergsteiger:innen und vor wachsenden Problemen bei Wegen und Hütten.
Eine Zahl zeigt die Entwicklung besonders deutlich: Zwischen 1. Mai und 13. September 2026 wurden in Österreich 19 Gletscherspaltenstürze registriert. Im Zehnjahresmittel waren es sieben. Einer der Unfälle endete tödlich.
Als Gründe nennen die alpinen Vereine unter anderem langanhaltende Plusgrade in Höhen über 3.000 Metern, instabile Schneebrücken und größere Blankeisflächen.
Dadurch können sich selbst bekannte Hochtouren verändern. Firnfelder werden zu Blankeis, Randklüfte öffnen sich und bisher verlässliche Übergänge können schwieriger werden. Auch auftauender Permafrost erhöht die Gefahr von Steinschlag.
Damit verlieren ältere Tourenbeschreibungen teilweise an Aussagekraft. Die Vereine fordern deshalb aktuelle Informationen zu Wegen und Routen, damit sich Bergsportler:innen bereits bei der Planung auf die tatsächlichen Bedingungen einstellen können.
Nicht nur die Gletscherspaltenstürze liegen über dem langjährigen Vergleich. Bei Wandern, Hochtouren, Klettern und Klettersteig verunfallten bis Mitte September 2026 insgesamt 2.742 Menschen. Das Zehnjahresmittel liegt bei 2.351.
Gleichzeitig gab es in diesen vier Bereichen mit 62 Todesopfern sogar den niedrigsten Wert des Zehnjahresvergleichs, dessen Mittel bei 80 liegt.
Bei den Bergungen zeigt sich zudem, dass nicht immer ein klassischer Unfall die Ursache ist. Häufig kommen Menschen nicht mehr weiter. Bei den unverletzt Geretteten waren Erschöpfung mit 28 Prozent und Verirren beziehungsweise Versteigen mit 26 Prozent die häufigsten Gründe.
Besonders deutlich ist der Wandel am Dachstein. Seit 1850 ist die Gletscherfläche dort laut den vorgelegten Messungen um rund 70 Prozent zurückgegangen.
Allein zwischen 2006 und 2025 verloren der Hallstätter, Schladminger und Große Gosaugletscher zusammen rund 116 Millionen Kubikmeter Eis. Das entspricht 63 Prozent ihres ursprünglichen Volumens.
Für den Alpenverein hat das unmittelbare Folgen: Wege und Zustiege müssen neu angelegt, gesichert oder teilweise aufgegeben werden. Bis 2050 wird für die drei untersuchten Gletscher eine weitere Reduktion um rund 95 Prozent erwartet.
Auch bei den Schutzhütten wird der Klimawandel zum praktischen Problem. Längere Trockenperioden, geringere Niederschläge sowie der Rückgang von Schnee- und Gletscherflächen erschweren die Wasserversorgung in hohen Lagen.
Im Sommer 2026 mussten laut den alpinen Vereinen einzelne Hütten wegen Wasserknappheit zeitweise schließen. Neue Quellenfassungen, größere Zisternen oder Regenwassernutzung können Abhilfe schaffen, verursachen aber hohe Kosten.
Parallel steigen die Anforderungen an das Wegenetz. Österreichs alpine Vereine halten rund 50.000 Kilometer Wege instand. Gleichzeitig sind die Baukosten laut den Vereinen in den vergangenen zehn Jahren um 48,6 Prozent gestiegen.
Die alpinen Organisationen verweisen deshalb auf den wachsenden Finanzierungsbedarf. Für die Jahre 2026 und 2027 wurden die Fördermittel laut Aussendung auf insgesamt 15,44 Millionen Euro erhöht.
Der Verband alpiner Vereine Österreichs fordert darüber hinaus 95 Millionen Euro über fünf Jahre. Der erhobene Investitionsbedarf liege sogar bei 125 Millionen Euro.
Die Forderung nach langfristiger Planungssicherheit dürfte damit zu den zentralen Themen der Internationalen Bergtage Wien zählen.
Die Internationalen Bergtage Wien finden heuer erstmals von 25. bis 27. September statt. Unter dem Titel „Alpinismus im Wandel“ geht es dort unter anderem um Klimawandel, Risikomanagement, nachhaltige Mobilität und die Zukunft der alpinen Infrastruktur.
Für Bergsportler:innen bedeutet der Wandel vor allem eines: Bedingungen, die vor einigen Jahren noch als verlässlich galten, können sich deutlich schneller verändern. Aktuelle Informationen, realistische Tourenplanung und die Bereitschaft zur Umkehr gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.
(Red)
