
Für Kinder und Jugendliche mit einer Krebserkrankung bedeutet ein Klinikaufenthalt oft eine große Belastung – für die jungen Patient:innen ebenso wie für ihre Familien. Im St. Anna Kinderspital in Wien können viele Behandlungen inzwischen tagesklinisch durchgeführt werden. Rund 10 bis 15 Kinder und Jugendliche pro Tag werden in der onkologischen Tagesklinik behandelt und können anschließend wieder in ihr vertrautes Zuhause zurückkehren.
Damit verbindet die Tagesklinik medizinische Versorgung mit einem möglichst kurzen Aufenthalt im Spital. Gleichzeitig bleiben stationäre Kapazitäten für jene Kinder frei, die eine besonders intensive Behandlung benötigen.
Sobald es der Gesundheitszustand erlaubt, können Patient:innen von der stationären Behandlung in die tagesklinische Weiterbetreuung wechseln.
Die onkologische Tagesklinik verfügt über sieben Betten, die für Kinder reserviert sind, die für ihre Behandlung liegen müssen. Weitere Patient:innen erhalten ihre Therapien in anderen Bereichen der Tagesklinik oder in ärztlichen Untersuchungsräumen.
Je nach Therapie verbringen die Kinder mehrere Stunden im Spital und können danach wieder nach Hause.
„Für unsere jungen Patient:innen und ihre Familien macht es einen großen Unterschied, ob eine Behandlung einen längeren Krankenhausaufenthalt bedeutet oder ob sie am Nachmittag wieder nach Hause in ihr vertrautes Umfeld können“, sagt Tanja Anzengruber, pflegerische Leitung der Tagesklinik.
Das Behandlungsspektrum ist breit. In der onkologischen Tagesklinik werden unter anderem Chemotherapien, Blut- und Plasmaprodukte sowie Antikörper- und Antibiotikatherapien verabreicht.
Dazu kommen Schmerztherapien, Knochenmark- und Lumbalpunktionen, klinische Begutachtungen und regelmäßige Laborkontrollen.
Welche Behandlung möglich ist, hängt vom jeweiligen Gesundheitszustand und von der Therapie ab.
Dass mehr Therapien ohne längeren stationären Aufenthalt durchgeführt werden können, hängt laut St. Anna Kinderspital auch mit den Fortschritten in der Kinderkrebsforschung zusammen.
Neue und besser verträgliche Behandlungsmöglichkeiten haben das Spektrum der tagesklinischen Versorgung erweitert. Therapien, für die früher teilweise eine stationäre Aufnahme notwendig war, können heute in bestimmten Fällen ambulant beziehungsweise tagesklinisch erfolgen.
Dabei arbeitet das St. Anna Kinderspital eng mit der St. Anna Kinderkrebsforschung zusammen.
Die Behandlung beschränkt sich dabei nicht auf die medizinische Therapie. Ärzt:innen und Pflege arbeiten mit psychosozialer Betreuung, Pädagogik und weiteren therapeutischen Berufsgruppen zusammen.
Pflegedirektorin Susanne Wieczorek beschreibt das Ziel als Kombination aus bestmöglicher medizinischer und pflegerischer Versorgung und möglichst viel Zeit zuhause.
Gerade weil viele Familien über einen längeren Zeitraum regelmäßig in die Tagesklinik kommen, entsteht dabei auch ein eigenes Miteinander.
Kinder und Eltern treffen bei ihren wiederkehrenden Besuchen immer wieder auf dieselben Familien. Dadurch entstehen laut dem Spital auch Freundschaften und gegenseitige Unterstützung.
„Wir möchten, dass sich die Kinder bei uns wohlfühlen – manche sagen, die Tagesklinik sei ihr zweites Zuhause“, erzählt Anzengruber.
Auch während der Behandlungen soll möglichst viel Normalität erhalten bleiben. Es wird gemeinsam Pizza gebacken oder UNO gespielt, während Familien bei wichtigen Untersuchungsergebnissen miteinander mitfiebern.
Die Erkrankung soll dadurch zumindest für kurze Momente in den Hintergrund rücken.
Zur kinderonkologischen Versorgung des St. Anna Kinderspitals gehört auch die Palliativbetreuung von Kindern und Jugendlichen mit nicht heilbaren Erkrankungen.
Auch diese Betreuung kann unter bestimmten Umständen in der onkologischen Tagesklinik erfolgen.
Der September steht international im Zeichen von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. In Österreich erhalten laut den Angaben des St. Anna Kinderspitals jährlich rund 300 Kinder und Jugendliche eine Krebsdiagnose.
Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Heute überleben demnach rund 80 bis 85 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen ihre Krebserkrankung.
Das St. Anna Kinderspital ist auf Kinder- und Jugendmedizin sowie insbesondere auf pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Immunologie spezialisiert.
Im Jahr 2025 verzeichneten die onkologischen Spezialambulanzen, internen Schwerpunktambulanzen und die Allgemeine Ambulanz gemeinsam mehr als 50.000 Besuche.
Das Spital ist eine eigenständige Krankenanstalt, an das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien angebunden und erfüllt darüber hinaus auch Aufgaben in der Akut- und Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen in Wien.
(Red)
