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Europas größter Eisenfund aus der La-Tène-Zeit in der Donau entdeckt

Gestern, 05:15

Europas größter Eisenfund aus der La-Tène-Zeit in der Donau entdeckt
Archäologische Taucher untersuchten die Fundstelle. Copyright: Heinz Gruber, Bundesdenkmalamt
Bei Kiesarbeiten in Deinham wurde 2019 rund eine Tonne Eisen aus der La-Tène-Zeit entdeckt. Forschende der Universität Innsbruck identifizierten mindestens 500 Eisenbarren.
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Bei Kiesabbauarbeiten in Deinham in Oberösterreich ist 2019 ein außergewöhnlicher archäologischer Fund entdeckt worden. Forschende der Universität Innsbruck haben die verrosteten Eisenobjekte nun als den derzeit größten bekannten Massenfund von Eisenbarren aus der La-Tène-Zeit in Europa identifiziert.

Der Fund umfasst mindestens 500 Eisenhalbfabrikate mit einem Gesamtgewicht von mehr als einer Tonne. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden im britischen Fachjournal Antiquity veröffentlicht.

Eine Tonne Eisen aus der Eisenzeit

Die doppelspitzigen Eisenobjekte wurden bei den Arbeiten entlang der Donau entdeckt. Archäologische Analysen und Radiokarbondatierungen führten zu dem Ergebnis, dass die Barren aus der La-Tène-Zeit stammen. Diese Epoche reicht von der Mitte des 5. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus.

Nach Angaben der Universität Innsbruck handelt es sich um den umfangreichsten derzeit bekannten Fundkomplex dieser Art aus der europäischen Eisenzeit. Die Barren waren noch nicht zu fertigen Gegenständen verarbeitet worden und gelten daher als Halbfabrikate.

Eine Auswahl an Eisenbarren aus Deinham, die für eine Weiterverarbeitung bestimmt war. Andreas Blaickner/Markus Staudt/Universität Innsbruck

Der Hauptautor der Studie, der Innsbrucker Archäologe Peter Trebsche, betonte die besondere Bedeutung des Fundes. Dass die Objekte nicht als Altmetall weitergegeben, sondern dem Bundesdenkmalamt gemeldet wurden, sei für die Forschung besonders wichtig gewesen.

Eisen für rund 500 Schwerter

Die Gesamtmenge des gefundenen Materials hätte laut der Universität Innsbruck ausgereicht, um ungefähr 500 Schwerter herzustellen. Dabei wurde ein durchschnittliches Schwertgewicht von 1,5 bis 2 Kilogramm zugrunde gelegt.

Der Fund liefert damit Hinweise auf eine deutlich größere Dimension der Eisenproduktion und des Eisenhandels in der späten Eisenzeit, als bisher anhand vergleichbarer Funde nachvollziehbar war.

Forschende gehen davon aus, dass Eisen in spezialisierten Produktionszentren hergestellt und anschließend über größere Entfernungen gehandelt wurde. Die Eisenbarren aus Deinham könnten einen weiteren Beleg für solche Handelswege darstellen.

Schiffsunglück als mögliche Erklärung

Wie die große Menge Eisen an den Fundort gelangte, ist nicht abschließend geklärt. Die Forschenden vermuten, dass die Barren auf der Donau flussabwärts transportiert wurden und bei einem Schiffsunglück verloren gingen.

Eine eindeutige Bestimmung des eigentlichen Zielortes der Ladung ist bislang nicht möglich. Nach Angaben der Universität Innsbruck könnten die Barren in Bayern hergestellt worden sein. Dort wurden bei mehreren eisenzeitlichen Oppida Produktionsstätten nachgewiesen.

Der mögliche Fund eines verlorenen Schiffsfrachtguts wäre zugleich ein Hinweis auf die Leistungsfähigkeit der Binnenschifffahrt in Mitteleuropa während der späten Urgeschichte.

Hoher wirtschaftlicher Wert

Die Forschenden gehen davon aus, dass die Ladung einen erheblichen wirtschaftlichen Wert besaß. Das gefundene Eisen hätte ausgereicht, um eine größere Gruppe von Kriegern mit Waffen auszustatten.

Zum Vergleich verweist die Studie auf bedeutende Goldmünzenfunde aus der La-Tène-Zeit. Im bayerischen Oppidum Manching wurden beispielsweise 443 Münzen mit einem Gesamtgewicht von 3,7 Kilogramm Gold entdeckt.

Manching liegt zudem in der Nähe eines bedeutenden Eisenerzabbaugebiets. Die Forschenden halten es deshalb für möglich, dass das Eisen für die Barren aus dieser Region stammte. Der konkrete Handelsweg und das ursprüngliche Ziel der Ladung bleiben jedoch offen.

Fund zeigt größere Produktionsmengen

Die Untersuchungen der Universität Innsbruck und der Université de Technologie de Belfort Montbéliard liefern nach Angaben der Forschenden neue Erkenntnisse über die Eisenwirtschaft der La-Tène-Zeit.

Besonders die Entwicklungen im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus sprechen demnach für deutlich gestiegene Kapazitäten der Eisenproduktion im Donauraum. Der Fund aus Deinham macht zugleich sichtbar, dass größere Mengen an Eisen als Handelsware über die Donau bewegt werden konnten.

Die Studie von Peter Trebsche und Marion Berranger trägt den Titel A sunken ship cargo of 500 bipyramidal bars? Implications for La Tène period iron production and trade along the Danube und ist 2026 in Antiquity erschienen.

(VIENNA.AT)

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