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Vom Tanzverbot bis zu geheimnisvollen Eiern: Karfreitag erklärt

Heute, 07:00

Keine Musik, geheimnisvolle Eier und Kinder mit Holzratschen: Rund um Karfreitag gibt es in Österreich erstaunliche Traditionen. Einige wirken heute fast unglaublich, und viele kennen sie gar nicht mehr.

Karfreitag ist für viele einfach ein stiller Tag vor Ostern. Doch hinter dem Datum steckt eine überraschende Vielfalt an Bräuchen, die heute oft vergessen sind.

Manche wirken kurios, andere fast wie Aberglaube. Und einige gibt es nur noch in wenigen Regionen.

Wenn Glocken "nach Rom fliegen"

In vielen katholischen Gegenden verstummen ab Gründonnerstag die Kirchenglocken. Der Volksglaube sagt: Sie "fliegen nach Rom", um dort geweiht zu werden.

Ihre Aufgabe übernehmen Kinder mit Holzratschen. Sie ziehen durch die Orte und machen Lärm statt Glockenklang.

Kinder mit Holzratschen.
Kinder mit Holzratschen ©Zellhofer Hans

Laut einer Studie waren noch 2006 in rund 70 Prozent der steirischen Pfarren solche Ratschenkinder unterwegs.

Karfreitagseier gegen Feuer?

Besonders ungewöhnlich ist der Brauch rund um sogenannte Karfreitagseier.

Das sind Eier, die rund um Karfreitag gelegt werden. Ihnen werden besondere Kräfte zugeschrieben:

  • Sie sollen Häuser vor Feuer schützen
  • Sie wurden früher sogar in Dachbalken aufgehängt
  • Manchmal warf man sie direkt ins Feuer

In Teilen Österreichs gelten diese Eier auch als Glücksbringer für Ernte und Tiere.

Karfreitagseier (Symbolbild)
Karfreitagseier (Symbolbild) ©Canva

Küssen für den "Ablass"

In der Region rund um Vorau gibt es einen selten gewordenen Brauch.

An einem Wegkreuz hängt ein Nagel. Wer das Kreuz küsst, dem soll laut Überlieferung Ablass gewährt werden.

Heute ist diese Tradition kaum noch verbreitet.

Arbeiten verboten? Das sagt der Volksglaube

Am Land halten sich bis heute einzelne Regeln, die viele überraschen dürften:

  • Nicht in der Erde graben
  • Kein Hämmern oder Nageln
  • Keine lauten Arbeiten

Der Hintergrund: Diese Tätigkeiten sollen symbolisch mit der Kreuzigung in Verbindung stehen und daher Unglück bringen.

Kein Hämmern oder Nageln (Symbolbild)
Kein Hämmern oder Nageln (Symbolbild) ©Canva

Strenger Fasttag bleibt bestehen

Auch wenn viele Bräuche verschwinden, hält sich eine Regel bis heute erstaunlich stark.

Karfreitag ist ein strenger Fasttag. Laut Einschätzungen halten sich noch etwa 50 Prozent der Menschen daran, kein Fleisch zu essen.

Typisch sind daher Fischgerichte oder einfache Speisen.

Speisen mit Fisch statt Fleisch (Symbolbild)
Speisen mit Fisch statt Fleisch (Symbolbild) ©Canva

Prozessionen werden immer seltener

Früher gehörten Karfreitagsprozessionen fest zum Bild vieler Gemeinden.

Heute finden sie nur noch vereinzelt statt. Vor allem in ländlichen Regionen werden sie noch gepflegt.

Tanzen verboten?

In einigen Ländern gilt Karfreitag als sogenannter "stiller Feiertag". Öffentliche Feiern und Tanzveranstaltungen sind dort eingeschränkt.

In Österreich gibt es kein generelles Tanzverbot. Dennoch gilt der Tag traditionell als ruhig und zurückhaltend.

Warum viele Bräuche verschwinden

Expertinnen und Experten sehen einen klaren Trend.

Mit der sinkenden Bedeutung religiöser Traditionen verschwinden auch viele Bräuche. Was früher selbstverständlich war, ist heute oft nur noch Erinnerung.

Gleichzeitig bleiben einzelne Rituale bestehen – vor allem dort, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben werden.

(Red.)

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