Wer an Gründonnerstag denkt, denkt oft an Spinat, stille Kirchen oder das letzte Abendmahl. Doch ein Detail sorgt immer wieder für Irritation: Waschen sich Christen an diesem Tag tatsächlich die Füße?

Wer an Gründonnerstag denkt, denkt oft an Spinat, stille Kirchen oder das letzte Abendmahl. Doch ein Detail sorgt immer wieder für Irritation: Waschen sich Christen an diesem Tag tatsächlich die Füße?
In manchen Kirchen gehört die Fußwaschung fest zum Ablauf des Gottesdienstes am Gründonnerstag. Priester oder Geistliche waschen dabei einzelnen Gläubigen symbolisch die Füße.
Warum also gibt es diesen Brauch überhaupt?
Die Fußwaschung geht direkt auf eine Szene aus der Bibel zurück. Am Abend vor seiner Kreuzigung soll Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen haben.
Das war ungewöhnlich. Denn damals war das eigentlich eine Aufgabe für Diener, nicht für einen Lehrer oder Anführer – genau darin liegt die Botschaft.
Mit der Fußwaschung wollte Jesus zeigen, worauf es wirklich ankommt: Demut, Respekt und der Dienst am Nächsten.
Er stellte sich bewusst auf die gleiche Ebene wie seine Jünger oder sogar darunter. Die Botschaft: Niemand ist wichtiger als der andere.
Dieses Zeichen gilt bis heute als eines der stärksten Symbole für Nächstenliebe im Christentum.
Auch heute gibt es dieses Ritual noch, oft in leicht veränderter Form.
Besonders bekannt: der Papst in Rom. Er wäscht am Gründonnerstag traditionell Menschen die Füße – darunter Gefangene, Geflüchtete oder Menschen unterschiedlicher Religionen.
Damit wird die ursprüngliche Botschaft bewusst modern interpretiert: Es geht nicht um ein starres Ritual, sondern um gelebte Menschlichkeit.
Die Fußwaschung am Gründonnerstag ist kein Muss, sondern ein starkes Zeichen.
Wer sie sieht oder selbst erlebt, merkt schnell: Es geht nicht um Füße. Es geht um Haltung.
Und genau deshalb wirkt dieses alte Ritual bis heute nach.
(Red.)
