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Google-Schock für Bitcoin: Quantencomputer könnten Schlüssel in Minuten knacken

31-03-2026, 16:06

Ein brisantes Google-Whitepaper sorgt weltweit für Alarm: Quantencomputer könnten die Verschlüsselung von Bitcoin viel schneller brechen als gedacht. Millionen Coins gelten laut Studie als potenziell verwundbar.

Es ist eine der brisantesten Veröffentlichungen für die globale Krypto-Branche: Google Quantum AI hat am Montag ein 57-seitiges Whitepaper veröffentlicht, das die Sicherheitsgrundlagen von Bitcoin, Ethereum und vielen anderen Kryptowährungen infrage stellt.

Google hält die Ergebnisse teilweise zurück

Besonders auffällig ist der Umgang mit den eigenen Forschungsergebnissen. Das Team um Ryan Babbush, Direktor für Quantenalgorithmen bei Google, veröffentlicht zentrale Teile der entwickelten Schaltkreise nicht.

Stattdessen setzt Google auf sogenannte Zero-Knowledge-Proofs, ein Verfahren, das belegt, dass eine Lösung existiert, ohne sie offenzulegen. In der Quantenforschung ist das ein Novum.

Damit behandelt Google seine Erkenntnisse ähnlich wie kritische Sicherheitslücken in Software, die als zu sensibel für eine vollständige Veröffentlichung gelten.

Aus der Krypto-Szene kommen deutliche Reaktionen: Branchenvertreter betonen, dass Blockchains rasch Strategien für eine Migration zu quantensicheren Verfahren entwickeln müssen.

Was genau hat Google herausgefunden?

Im Zentrum der Studie stehen neue Varianten von Shors Algorithmus, angewendet auf das sogenannte Elliptic Curve Discrete Logarithm Problem (ECDLP). Dieses mathematische Problem bildet die Grundlage der Kryptografie von Bitcoin und Ethereum.

Die wichtigsten Zahlen:

  • Weniger als 1.200 logische Qubits (Variante 1)
  • Weniger als 1.450 logische Qubits (Variante 2)
  • Umsetzung auf unter 500.000 physische Qubits möglich

Damit reduziert Google die bisher angenommene technische Hürde um den Faktor 20.

Warum 9 Minuten alles ändern

Ein besonders kritischer Punkt: Laut Studie könnte ein Quantencomputer in rund neun Minuten einen privaten Schlüssel aus einem öffentlichen Schlüssel berechnen.

Das liegt nahe an der durchschnittlichen Bitcoin-Blockzeit von etwa zehn Minuten.

Das Szenario:
Ein Angreifer könnte eine Transaktion im Mempool abfangen, den privaten Schlüssel berechnen und eine eigene Transaktion mit höherer Gebühr einschleusen, bevor die ursprüngliche bestätigt wird.

Google bezeichnet das als "On-Spend-Angriff".

Die geschätzten Erfolgswahrscheinlichkeiten:

  • Bitcoin: rund 41 Prozent
  • Litecoin: unter 3 Prozent
  • Zcash: unter 0,08 Prozent

6,9 Millionen Bitcoin verwundbar

Die Studie quantifiziert erstmals das potenzielle Risiko:

  • Rund 6,9 Millionen BTC gelten als angreifbar
  • 1,7 Millionen BTC liegen in besonders exponierten P2PK-Adressen
  • Weitere 5,2 Millionen BTC sind durch Adress-Wiederverwendung gefährdet

Besonders kritisch sind ältere Bestände, bei denen öffentliche Schlüssel direkt sichtbar sind, darunter auch Coins aus der frühen Bitcoin-Phase.

Ethereum: Fünf Angriffsvektoren

Für Ethereum identifiziert die Studie mehrere Schwachstellen:

  • Account-Verwundbarkeit: große Wallets potenziell kompromittierbar
  • Admin-Schlüssel: Milliardenwerte in Smart Contracts betroffen
  • Layer-2-Protokolle: Risiken bei Systemen wie Arbitrum oder Optimism
  • Konsensmechanismus: Angriff auf Proof-of-Stake möglich
  • Datenverfügbarkeit: einmaliger Angriff kann dauerhaft ausgenutzt werden

Insgesamt betreffen die Risiken laut Studie zweistellige Millionenbeträge an ETH sowie große Volumina an Stablecoins und tokenisierten Vermögenswerten.

Google gibt der Branche eine Deadline: 2029

Parallel kündigt Google an, die eigene Infrastruktur bis spätestens 2029 auf Post-Quanten-Kryptografie umzustellen.

Das Unternehmen hält es für realistisch, dass leistungsfähige Quantencomputer noch in diesem Jahrzehnt verfügbar sein könnten.

Die Forscher betonen ausdrücklich: Es gehe nicht mehr um das "Ob", sondern um das "Wann".

Satoshis Coins: Verbrennen, Bergen oder Nichts tun?

Ein besonders sensibler Punkt betrifft sogenannte "schlafende" Bitcoin-Bestände, also Coins, deren Besitzer keinen Zugriff mehr haben.

Diskutiert werden mehrere Optionen:

  • Keine Maßnahmen
  • Dauerhaftes Unbrauchbarmachen ("Verbrennen")
  • Begrenzte Freigabe (Hourglass-Modell)

Google bringt zusätzlich eine vierte Idee ins Spiel: eine spezielle "Bad Sidechain", auf der Coins durch Nachweise neuen Eigentümern zugeordnet werden könnten.

Auch staatliche Eingriffe werden als mögliches Szenario genannt.

Es gibt auch gute Nachrichten

Nicht alle Bereiche sind betroffen:

  • Bitcoins Mining (SHA-256) gilt weiterhin als sicher
  • Quantencomputer bieten aktuell keinen praktischen Vorteil beim Mining

Zudem existieren bereits erste quantensichere Ansätze:

  • Quantum Resistant Ledger (seit 2018)
  • Algorand mit PQC-Transaktionen (2025)
  • Forschungsprojekte bei Ethereum und Solana

Was das für Krypto-Anleger bedeutet

Aktuell besteht keine unmittelbare Gefahr: Der leistungsfähigste Google-Quantenchip verfügt über rund 105 Qubits – weit entfernt von den benötigten 500.000.

Die Studie zeigt jedoch klar:
Die Migration zu quantensicherer Kryptografie wird zunehmend dringlich.

Ein entscheidender Hinweis der Forscher:
Es ist möglich, dass erste erfolgreiche Quantenangriffe nicht angekündigt werden, sondern erst durch ungewöhnliche Blockchain-Aktivitäten auffallen.

(Red.)

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