Ein Meilenstein für Brasiliens Industrie: Präsident Lula präsentiert erstmals einen im Land montierten Überschalljet. Milliardeninvestitionen, neue Technologie und große Pläne für den Export stehen dahinter.
Brasilien hat am 25. März 2026 in Gavião Peixoto im Bundesstaat São Paulo erstmals einen im eigenen Land montierten Überschall-Kampfjet vorgestellt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva präsentierte die Maschine vom Typ F-39E Gripen bei einer offiziellen Zeremonie.
Mit dem Projekt steigt Brasilien nach eigenen Angaben in die Gruppe jener Staaten auf, die moderne Kampfflugzeuge selbst produzieren können. Gleichzeitig soll die heimische Industrie langfristig gestärkt werden.
Lula tauft Brasiliens ersten eigenen Kampfjet bei Präsentation
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Milliardenprogramm bis 2033
Die Präsentation ist Teil des Programms FX-2, das Investitionen von umgerechnet rund 28,5 Milliarden Real bis zum Jahr 2033 vorsieht. Etwa 10,5 Milliarden entfallen auf das Infrastrukturprogramm Novo PAC.
Das Projekt umfasst die Beschaffung und Produktion von insgesamt 36 Kampfjets sowie umfangreiche Maßnahmen zur technologischen Entwicklung der brasilianischen Industrie.
Kooperation mit Saab und Embraer
Der F-39E Gripen entsteht in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab, dem brasilianischen Flugzeugbauer Embraer und der Luftwaffe.
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen geht es dabei nicht nur um die Fertigung eines Flugzeugs, sondern um eine langfristige industrielle Partnerschaft. Ziel ist es, technisches Know-how im Land aufzubauen und die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren.
Ein Teil der Komponenten wird bereits in Brasilien produziert, darunter zentrale Strukturteile der Maschine. Zudem wurden Hunderttausende Stunden in Ausbildung und Training investiert.
Embraer stärkt Industrie mit Kampfjet-Produktion
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Hightech-Kampfjet für moderne Einsätze
Der F-39E Gripen gilt als Mehrzweckkampfflugzeug und ist für verschiedene militärische Aufgaben ausgelegt. Dazu zählen die Luftraumüberwachung, Luftverteidigung, Aufklärung und Einsätze gegen Ziele am Boden.
Technisch gehört der Jet zu den modernsten seiner Klasse. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu Mach 2, also rund 2400 Kilometer pro Stunde.
Die Maschine ist etwa 15 Meter lang, hat eine Spannweite von 8,6 Metern und ein maximales Startgewicht von rund 16,5 Tonnen. An zehn Aufhängungspunkten kann sie unterschiedliche Waffen, Sensoren und Zusatztanks tragen.
Zu den wichtigsten Systemen zählen ein modernes AESA-Radar, ein Infrarotsuchsystem sowie Technologien für elektronische Kriegsführung und Kommunikation.
Gruppenfoto bei Premiere von Brasiliens erstem Kampfjet
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Vernetzte Kriegsführung als Schlüssel
Ein zentrales Merkmal des Gripen ist die digitale Vernetzung. Mehrere Flugzeuge können ihre Sensordaten in Echtzeit austauschen und so gemeinsam operieren.
Dabei kann ein Jet aktiv sein Radar nutzen, während andere Maschinen im Hintergrund bleiben und schwerer zu orten sind. Dieses Zusammenspiel soll taktische Vorteile im Luftkampf schaffen und die Reaktionsfähigkeit erhöhen.
Brasilien will auch Exportnation werden
Neben militärischen Zielen verfolgt Brasilien auch wirtschaftliche Ambitionen. Die Produktion im eigenen Land soll dazu beitragen, das Land als künftigen Exportstandort für moderne Kampfflugzeuge zu etablieren.
Saab betonte in diesem Zusammenhang, dass die Partnerschaft langfristig angelegt sei und die industrielle Entwicklung Brasiliens stärken solle. Auch Embraer sieht im Projekt einen wichtigen Schritt, um eigene Kompetenzen im Bereich hochkomplexer Luftfahrttechnik aufzubauen.
Brasiliens erster selbst gebauter Jet präsentiert
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Strategische Bedeutung für die Region
Mit dem F-39E verfügt Brasilien über eine modernere Version des Gripen als einige andere Nutzerstaaten, die weiterhin ältere Modelle einsetzen.
Damit unterstreicht das Land seinen Anspruch, technologisch aufzuholen und seine Position in der internationalen Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie auszubauen.