Nach der Zeitumstellung klagen viele Menschen über Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein seltsames Gefühl: Die Zeit scheint plötzlich schneller zu vergehen. Dahinter steckt mehr als nur eine verlorene Stunde.

Nach der Zeitumstellung klagen viele Menschen über Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein seltsames Gefühl: Die Zeit scheint plötzlich schneller zu vergehen. Dahinter steckt mehr als nur eine verlorene Stunde.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren von 2:00 auf 3.00 Uhr vorgestellt. Der Effekt ist bekannt: weniger Schlaf, ein "Mini-Jetlag" und ein müder Start in die Woche.
Der menschliche Biorhythmus reagiert empfindlich auf solche Eingriffe. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigt der Körper pro Stunde Zeitverschiebung etwa einen Tag, um sich anzupassen. Die meisten Menschen sind daher bereits nach kurzer Zeit wieder im Gleichgewicht.
Unabhängig von der Zeitumstellung berichten viele Menschen, dass Jahre mit zunehmendem Alter schneller vergehen. Der Grund liegt laut Forschung vor allem im Gedächtnis.
Der Psychologe und Neurowissenschaftler Marc Wittmann erklärt, dass das Zeitempfinden stark davon abhängt, wie viele neue Eindrücke das Gehirn speichert. In jungen Jahren sind diese besonders zahlreich: neue Erfahrungen, Orte und Begegnungen.
Im Erwachsenenalter hingegen dominieren Routinen. Wiederkehrende Abläufe führen dazu, dass weniger neue Erinnerungen entstehen. Rückblickend wirkt die Zeit dadurch "komprimiert".
Ein weiterer Faktor ist die biologische Entwicklung: Die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses erreicht etwa um das 30. Lebensjahr ihren Höhepunkt und nimmt danach langsam ab.
Das bedeutet: Neue Eindrücke werden weniger intensiv verarbeitet und gespeichert. Auch das trägt dazu bei, dass Zeit subjektiv schneller vergeht.
Dem Effekt ist man jedoch nicht ausgeliefert. Laut Forschung lässt sich das Zeitempfinden aktiv beeinflussen.
Entscheidend ist Abwechslung im Alltag:
Je mehr neue Erfahrungen das Gehirn verarbeitet, desto "länger" erscheint ein Zeitraum im Rückblick.
Auch interessant: In Situationen des Wartens, etwa an einem Bahnsteig, vergeht Zeit oft langsamer. Der Grund ist eine intensivere Selbstwahrnehmung. Ablenkung kann hier helfen, das Zeitgefühl zu verkürzen.
Die Umstellung auf die Sommerzeit zeigt, wie sensibel unser Zeitgefühl ist. Es hängt nicht nur von der Uhr ab, sondern von Wahrnehmung, Erinnerungen und Gewohnheiten.
Wer das Gefühl hat, dass die Zeit "davonläuft", kann aktiv gegensteuern, mit neuen Erfahrungen und bewusster Gestaltung des Alltags.
(Red.)
