Mitten in Europa ruft ein 21-jähriger Australier an der Donau seinen eigenen Staat aus. 400 Menschen gelten bereits als Bürger. Doch Kroatien verhängt ein lebenslanges Einreiseverbot gegen den Gründer.
Ein 21-jähriger Australier sorgt mit einer ungewöhnlichen Idee für internationale Aufmerksamkeit: Daniel Jackson hat zwischen Kroatien und Serbien an der Donau die "Freie Republik Verdis" ausgerufen – einen eigenen Staat auf rund 0,5 Quadratkilometern Fläche. Das Gebiet entspricht etwa der Größe von 75 Fußballfeldern.
International anerkannt ist Verdis nicht und Kroatien geht aktiv gegen das Projekt vor.
Ein "Staat" mit Flagge, Pässen und Regierung
Nach Berichten der britischen Zeitung "The Sun" bezeichnet sich Jackson selbst als Präsident von Verdis. Das Gebiet liegt auf einem schmalen Waldstreifen entlang der Donau. Auf manchen Karten wird es als "Pocket-3" geführt.
Laut Jackson sei das Areal von keinem Staat eindeutig beansprucht worden. Auf dieser Grundlage erklärte er das Gebiet am 30. Mai 2019 zur "Freien Republik Verdis".
Verdis gibt sich staatsähnlich – mit:
- eigener Flagge und Wappen
- Pässen mit Sicherheitsmerkmalen
- Regierung und Botschaftern
- offiziellen Sprachen (Englisch, Kroatisch, Serbisch)
- Euro als offizieller Währung
Nach eigenen Angaben haben sich rund 2.800 Menschen um eine Staatsbürgerschaft beworben. Mehr als 400 gelten bereits als "Verdisianer".
Wer Bürger werden will, muss mindestens 350 Euro zahlen, ein sauberes Vorstrafenregister vorweisen und ein Vorstellungsgespräch absolvieren.
Der Gründer lebt derzeit im südostenglischen Dover. Gegenüber "The Sun" sagte er: "Letztendlich muss man völlig verrückt sein, um ein Land auf dem Balkan zu regieren." Kritik störe ihn nicht.
Siedlungsversuch gestoppt – Kroatien greift ein
2023 versuchte Jackson gemeinsam mit Unterstützern, auf dem Gebiet eine dauerhafte Siedlung zu errichten. Kroatische Behörden griffen ein. Mehrere Beteiligte wurden vorübergehend festgenommen und ausgewiesen.
Gegen Jackson selbst verhängte Kroatien ein lebenslanges Einreiseverbot. Laut Behörden stelle er eine mögliche Bedrohung für die innere Sicherheit dar.
Das kroatische Außenministerium bezeichnete das Projekt als "provokative Aktion ohne jegliche Rechtsgrundlage". Kroatien übe effektive Kontrolle über das Gebiet aus. Der Grenzverlauf entlang der Donau sei jedoch weiterhin nicht abschließend geklärt.
Völkerrechtlerin: "Kein Staat im rechtlichen Sinn"
Auch aus völkerrechtlicher Sicht gilt Verdis nicht als Staat. Die Völkerrechtlerin Stephanie Schiedermair von der Universität Leipzig erklärte gegenüber dem "Deutschlandfunk", ein souveräner Staat benötige ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und eine funktionierende Staatsgewalt. Zudem spiele die Anerkennung durch andere Staaten eine "enorm wichtige Rolle".
Das Konzept eines echten "Niemandslands" existiere im modernen Völkerrecht praktisch nicht, so die Expertin.
Jackson hingegen spricht von einem Verstoß gegen internationales Recht und kündigte an, juristisch gegen Kroatien vorgehen zu wollen.
Hintergrund: Grenzstreit an der Donau
Das Gebiet entstand im Zuge eines langjährigen Grenzstreits zwischen Kroatien und Serbien entlang der Donau. Laut Darstellung von Verdis sei das Areal seit dem Kroatischen Unabhängigkeitskrieg von keinem der beiden Staaten offiziell beansprucht worden.
Kroatien widerspricht dieser Darstellung und betont die eigene Aufsicht und Kontrolle über das Gebiet.
Kann man einfach einen Staat gründen?
Solche sogenannten Mikronationen entstehen immer wieder – internationale Anerkennung erhalten sie jedoch kaum.
Internationale Anerkennung gibt es für Verdis bislang keine. Und ohne sie bleibt das Projekt politisch bedeutungslos – auch wenn sich bereits Hunderte Menschen als Bürger verstehen.