Felix Neureuther wählt große Worte. "Faszinierend, berührend, aber auch alarmierend" nennt er die Winterspiele von Mailand und Cortina. Und dann wird er deutlich.

Felix Neureuther wählt große Worte. "Faszinierend, berührend, aber auch alarmierend" nennt er die Winterspiele von Mailand und Cortina. Und dann wird er deutlich.
"Wenn man den Eiskanal mal ausgrenzt und den Medaillenspiegel betrachtet, dann spielen wir international einfach keine Rolle mehr."
Ein Satz, der in Deutschland nachhallt.
Rang fünf im Medaillenspiegel. Acht Goldmedaillen. 26 Medaillen insgesamt.
Das Ziel des DOSB war die Top drei.
Neureuther spricht nicht über einzelne Rennen. Er spricht über Strukturen. Über Fördersysteme. Über den Stellenwert des Sports in Schule, Politik und Gesellschaft. "Wir müssen unbedingt bei den Kindern ansetzen", fordert der frühere Slalom-Star.
Was ihn besonders stört: Die Abhängigkeit vom Eiskanal. Ein Großteil der deutschen Medaillen stammt aus Bob, Rodeln und Skeleton. Außerhalb dieser Disziplinen bleibt die Bilanz überschaubar.
Für eine Nation mit globalem Anspruch ist das zu wenig.
Deutschland misst sich an Dominanz.
An Podestplätzen.
An historischer Führungsrolle.
Rang fünf wird deshalb nicht als Erfolg, sondern als Warnsignal gelesen.
Die Debatte ist grundsätzlicher Natur: Nachwuchs, Strukturen, gesellschaftliche Prioritäten. Der Leistungssport wird zur Systemfrage.
18 Medaillen. Fünf Gold. Rang neun.
Kein Alarm. Keine Reformrufe. Ziel exakt erreicht.
Mailand/Cortina reiht sich als viertbeste Winterspiele in der österreichischen Geschichte ein. Zum elften Mal in Folge landet das ÖOC-Team unter den Top Ten.
Die Medaillen verteilen sich breit: Snowboard stark, Rodeln konstant, Skeleton mit historischem Gold, Beiträge aus Skispringen und Nordischer Kombination.
Doch auch hier lohnt der zweite Blick.
Ski Alpin – die Traditionssparte – war diesmal nicht dominierend.
Nur Cornelia Hütter (Bronze im Super-G) und Fabio Gstrein (Silber im Slalom) holten Edelmetall in klassischen Einzeldisziplinen. Die restlichen alpinen Medaillen kamen aus dem Teambewerb.
Gold für Ariane Rädler und Katharina Huber.
Silber für Vincent Kriechmayr und Manuel Feller.
Erfolgreich – aber anders als früher.
Keine Serien-Olympiasieger. Keine prägende Einzelfigur. Keine alpine Übermacht.
(VIENNA.AT)
