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Babler muss (noch) bleiben

9-01-2026, 08:44

Gastkommentar von Johannes Huber. Der SPÖ-Vorsitzende ist politisch erledigt. Für eine Ablöse ist es jedoch zu früh.

An Ambitionen hat es Andreas Babler nicht gefehlt. Vor Übernahme des SPÖ-Vorsitzes vor zweieinhalb Jahren zeigte er sich überzeugt, die Partei bei Nationalratswahlen auf 40 Prozent führen zu können. Geworden sind es beim Urnengang vor etwas mehr als einem Jahr 21 Prozent, und mittlerweile betragen die Umfragewerte gerade einmal rund 18 Prozent. 

Dafür gibt es Gründe: Für eine Regierungspartei sind die Zeiten grundsätzlich schwierig, für die SPÖ trifft das ganze besonders zu. Sie steht für das Versprechen, dass es auch weniger Privilegierten gutgeht. Aufgrund der Teuerung und der Wirtschaftskrise kann davon jedoch keine Rede sein. 

Zweitens: Babler wird niedergeschrieben. Boulevardmedien stellen ihn als Totalversager dar. Er ist aber nicht nur Opfer. Genauer: Das könnte ihm egal sein, wenn er unabhängig davon eine Bewegung zu seinen Gunsten zustande gebracht hätte. 

Das hat er jedoch nicht. Am erfolgreichsten war er bis zu seiner Wahl zum SPÖ-Vorsitzenden im Juni 2023. Da hat er Linke für sich begeistert. Eine große Masse ist daraus jedoch nie geworden und umso verhängnisvoller ist, dass er von maßgeblichen Kräften in der Partei eher nur geduldet als unterstützt wird. 

Das müssen auch jene bedenken, die glauben, es sei allein der Boulevard, der Babler fertig mache. In den eigenen Reihen hat er keinen Landesparteivorsitzenden mehr klar hinter sich. Hans Peter Doskozil (Burgenland) ist von allem Anfang an sein Widersacher gewesen. Michael Ludwig (Wien) hat ihm einst zwar geholfen, Vorsitzender zu werden, das aber nur zur Verhinderung von Doskozil. 

Mittlerweile macht ihm auch Ludwig das Leben schwer. Allein durch die Gebührenerhöhungen in Wien beispielsweise, die seine Bemühungen konterkarieren, die Teuerung zu bekämpfen. 

Dass Babler der SPÖ noch einmal das Kanzleramt zurückerobern könnte, ist unvorstellbar: Er müsste nicht nur von vorne beginnen, sondern auch all jene wieder umstimmen, die im Laufe der Zeit zum Schluss gekommen sind, dass er’s nicht kann. Wichtiger: Eine Voraussetzung dafür wäre eine Mehrheit links der Mitte, sodass er zum Beispiel Vermögensteuern durchsetzen könnte. Rot-Grün kommt aber nur auf rund 30 Prozent und mit ÖVP und Neos ist das nicht zu machen.

Die ÖVP würde abgesehen davon wohl kaum je den Juniorpartner in einer Regierung unter seiner Führung machen. Echte Türkise, die dem Geist von Sebastian Kurz treu geblieben sind, würden einem Kanzler Herbert Kickl (FPÖ) jedenfalls den Vorzug geben.

Insofern ist Babler politisch erledigt. Heute über eine Ablöse oder einen Nachfolger wie Christian Kern zu spekulieren ist jedoch müßig: Er muss aus Sicht der Sozialdemokratie noch bleiben. Jedenfalls 2026 und vielleicht auch 2027: Kein Nachfolger hätte in Zeiten der Teuerung und von unpopulären Sparpaketen etwas zu gewinnen, jeder würde verlieren und so geschwächt in die nächste Nationalratswahl gehen, die voraussichtlich erst 2029 stattfinden wird.

Johannes Huber betreibt den Blog  – Analysen und Hintergründe zur Politik 

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