Seit 25 Jahren existiert Wikipedia. Das Online-Lexikon steht vor wachsender Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz (KI). Ein Rückblick in die Geschichte und ein Ausblick auf die Zukunft der Enzyklopädie.
Am 15. Januar vor 25 Jahren riefen der Internetunternehmer Jimmy Wales und der Philosoph sowie Autor Larry Sanger in den Vereinigten Staaten Wikipedia ins Leben. Die Enzyklopädie entwickelte sich rasch zu einer der zehn meistbesuchten Webseiten weltweit und behauptet diese Position bis heute. Der Ausdruck "wiki" hat seinen Ursprung in Hawaii und bedeutet "schnell".
Wie viele Wikipedia-Artikel gibt es?
Nach Angaben von Wikipedia gibt es rund 65 Millionen enzyklopädische Artikel in mehr als 300 Sprachen. Mehr als 7,1 Millionen Einträge sind auf Englisch verfasst, deutsche Artikel kommen mit fast 3,1 Millionen auf den zweiten Platz.
Wie funktioniert Wikipedia?
Wikipedia basiert auf dem Prinzip der Schwarmintelligenz und ist typisch für das interaktive Web 2.0. Das Online-Lexikon lebt von fast 250.000 Freiwilligen, die Wikipedia aktualisieren und Zitate und Quellen einfügen. Die Zahl der fest Beschäftigten ist dagegen verschwindend gering: Der Verein Wikimedia Deutschland etwa hatte zuletzt nach eigenen Angaben nur rund 180 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wie finanziert sich Wikipedia?
Fast ausschließlich über Spenden. Mit der jüngsten Kampagne nahm die gemeinnützige Wikimedia-Stiftung im Dezember rund acht Millionen Euro ein. Daneben gibt es ein kommerzielles Produkt namens Wikimedia Enterprise, das Unternehmen maßgeschneiderte Daten liefert. Es erzeugt jedoch nur vergleichsweise geringe Einnahmen.
Was sind die meistgelesenen Artikel?
Am häufigsten aufgerufen wurde 2025 der englischsprachige Artikel über den ermordeten US-Aktivisten Charlie Kirk, er kam laut der Wikimedia-Stiftung auf fast 15 Millionen Klicks. Präsident Donald Trump kam auf Platz vier, der neue Papst Leo XIV. auf Platz fünf.
Wie zuverlässig ist Wikipedia?
Das wird hinterfragt, seit es Wikipedia gibt. Das Online-Lexikon gibt sich selbstkritisch: "Da Wikipedia nicht als verlässliche Quelle gelten kann, wird die Verwendung von Wikipedia in vielen Schulen und Hochschulen beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten nicht akzeptiert", heißt es darin.
Warum sind Wikipedia-Einträge umstritten?
Inhaltliche Fehler, "Vandalismus" durch Nutzer und veraltete Informationen lauten die Hauptvorwürfe. Mehr als jede dritte Seite sei deshalb problematisch, hieß es im Juli in einer Untersuchung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die tausend Einträge auf Deutsch unter die Lupe nahm. Die Wikipedia-Macher argumentieren, solche Fehler würden in der Regel sofort von aufmerksamen Nutzern korrigiert.
Ist Wikipedia politisch voreingenommen?
Das behauptet der reichste Mann der Welt, der US-Tech-Milliardär Elon Musk. Er schmähte Wikipedia als "woke" und von "Linksaußen-Aktivisten" dominiert. Allerdings verfolgt Musk eigene Ziele, denn der Inhaber der Onlineplattform X baut mit "Grokipedia" derzeit ein Konkurrenzlexikon auf, das Musk allerdings von seinem KI-Chatbot Grok verfassen lässt.
Was sagt Wikipedia zu den Vorwürfen?
Die Plattform sieht sich als Gegenmodell zu Falschinformationen und politischem Druck. Mitgründer Wales räumte im November allerdings ein, bei politisch heiklen Themen mangele es Artikeln zuweilen an Ausgewogenheit. Scharfe Kritik rief etwa der Eintrag zu Israel auf der englischen Wiki-Seite hervor. Darin hieß es, nach dem Großangriff der Hamas im Oktober 2023 habe Israel mit einem "Völkermord" an den Palästinensern im Gazastreifen begonnen.
Wie sieht Wikipedia-Gründer Wales die KI-Konkurrenz?
Zum 25. Jahrestag des Wikipedia-Bestehens sagte Wales Bloomberg TV, er glaube an das Fortbestehen des Online-Lexikons. Denn Menschen seien nach wie vor "sehr daran interessiert, qualitativ hochwertige Informationen zu finden" und Quellen, "denen sie vertrauen können". KI-Chatbots verbreiteten noch viel zu viele Fehler - sogenannte Halluzinationen, sagte er über ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Grok.
Kann Wikipedia der KI auf Dauer trotzen?
Darüber diskutieren die Mitarbeiter bereits seit Jahren. In der englischsprachigen Wikipedia gibt es ein Team Ehrenamtlicher, das KI-erzeugte Inhalte aufspürt, korrigiert oder notfalls sogar löscht. Solche Artikel sind laut Wikipedia allerdings noch in der Minderheit. Ein größeres Problem ist laut Wales, dass Chatbots Wikipedia für ihre Antworten auf Nutzerfragen ausschlachten, ohne die Quelle zu kennzeichnen oder dafür zu zahlen. Bisher gebe es keine Pläne, dagegen zu klagen, sagte der Ko-Gründer Bloomberg TV. "Wir sind da vielleicht zu nett."