Sicherheitsforschende und Anwohnende beobachten Mount Spurr mit besonderer Aufmerksamkeit. Trotz abklingender seismischer Aktivität in den letzten Wochen hat sich die Erdbebenrate in den vergangenen zwei Wochen wieder auf das Niveau des März erhöht. Damit wachsen die Sorgen rund um Alaskas aktiven Vulkan, der in unmittelbarer Nähe zu größeren Bevölkerungszentren liegt.
Die Seismik unter dem 3.364 Meter hohen Mount Spurr ist seit Mitte März zunächst zurückgegangen. Wissenschaftliche Fachleute gingen davon aus, dass sich die Gefahr eines Ausbruchs damit verringert. Doch in den letzten zwei Wochen registriert das Alaska Volcano Observatory wieder rund 100 flache Erdbeben pro Woche, die vergleichbar mit dem Höhepunkt der Aktivität im März sind. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Eruption als „wahrscheinlich“ innerhalb weniger Wochen oder Monate angesehen.
Obwohl das Risiko aktuell als geringer eingeschätzt wird, bleibt der Vulkan in einem erhöhten Zustand der Unruhe. Laut der Vulkanologin Kristy Wallace scheint der Magmaintrusion unter dem Berg zu einem Stillstand gekommen zu sein. Es kommen kaum noch Erdbeben vor, die auf aktive Magmabewegungen hindeuten, und auch Deformationen des Berges sind derzeit nicht zu beobachten. Dennoch wurde die Alarmstufe auf „Gelb“ belassen – ein Zeichen für fortgesetzte Unruhe.
Mount Spurr hat in der Vergangenheit bereits mehrfach für erhebliche Störungen gesorgt. Die beiden letzten größeren Ausbrüche ereigneten sich 1953 und 1992. Besonders die Eruption am Krater Peak im Jahr 1992 führte dazu, dass der Flughafen von Anchorage für 20 Stunden geschlossen werden musste. In Süd-Zentralalaska verteilte sich eine rund einen halben Zentimeter dicke Ascheschicht, die zu erheblichen Problemen im Luftverkehr und in der Landwirtschaft führte. Die Kosten für die Beseitigung der Asche beliefen sich auf etwa zwei Millionen US-Dollar.
Gasemissionen und Hinweise auf kommende Aktivität
Die aktuell gemessenen Gasemissionen liegen weiterhin über den üblichen Hintergrundwerten, sind aber seit März leicht zurückgegangen. Innerhalb des Kraters ist ein kleiner Kratersee entstanden, der kontinuierlich Wasserdampf abstößt. Solche Beobachtungen sind typisch für Vulkanaktivität und werden von Forschenden genau beobachtet.
Fachleute halten es für möglich, dass ein Ausbruch durch weiter steigende Gasemissionen, verstärkte Bodenbewegungen und eine Zunahme flacher Erdbeben angekündigt wird. Erfahrungen mit dem Ausbruch von 1992 zeigen, dass seismische Signale oft schon mehrere Wochen vor einer explosiven Eruption einsetzen.
„Noch immer gibt es regelmäßig Erdbeben am Mount Spurr“, sagt Matt Haney vom Alaska Volcano Observatory. „Wir sind keineswegs außer Gefahr.“ Seit Beginn der Unruhen vor rund zehn Monaten wurden bereits über 2.700 Erdbeben registriert.
Mount Spurr bleibt ein aktiver Vulkan, der sorgfältig beobachtet wird. Zwar konnte das Risiko eines Ausbruchs seit März als geringer eingeschätzt werden, aber die Situation ist nach wie vor angespannt. Die Geschichte zeigt, dass ein erneuter Ausbruch erhebliche Konsequenzen für die Region haben könnte.