
Von der gravierenden Sicherheitslücke in Computerchips sind so gut wie alle Nutzer, die einen Computer (PC, Notebook etc.), ein Tablet (auch iPad) oder ein Smartphone (auch iPhone) haben, betroffen. Weltweit sind also Milliarden Geräte nur unzureichend geschützt. Dadurch können auf breiter Front vertrauliche Daten abgeschöpft werden: zum Beispiel Passwörter, Kreditkartendaten, Krypto-Schlüssel oder Informationen aus sensiblen Programmen. Da die komplexe Sicherheitslücke von Forschern bereits vor rund einem halben Jahr entdeckt worden ist, aber erst jetzt publik gemacht wurde, konnten viele Hersteller in den letzten Wochen reagieren.
Deshalb sollten Nutzer alle aktuellen Updates, die derzeit ausgespielt werden, so schnell wie möglich installieren. Das gilt sowohl für die Betriebssysteme als auch für die Internet-Browser. Google und Microsoft haben die Lücke für ihre Programme (Windows, Internet Explorer, Edge, Android, Chrome, etc.) bereits geschlossen. Hier stehen die Aktualisierungen bereits bereit bzw. wurden schon in den letzten Tagen ausgerollt. Apple arbeitet derzeit mit Hochdruck an einem und den Browser Safari. Die Aktualisierungen sollen für Apple-User in den nächsten Tagen bereitgestellt werden. Privatanwender, die auf ihren Geräten automatische Updates für Betriebssystem und sonstige Software erhalten, sollten also weitgehend geschützt sein. Erhöhte Aufmerksamkeit sollte jedoch den Veröffentlichungen der Browser-Hersteller gewidmet werden. Windows-Anwendern raten die heimischen Sicherheitsexperten von CERT.at, die Hinweise von Microsoft zu Kompatibilitätsproblemen mit manchen Antivirenlösungen zu beachten, um sicherzustellen, dass sie die Sicherheitsupdates auch tatsächlich erhalten.
Die Software-Maßnahmen gegen die Sicherheitslücken dürften zwar die Leistung der Prozessoren beeinträchtigen, räumte u.a. Intel ein. In den meisten Fällen werde der Leistungsabfall aber bei maximal zwei Prozent liegen. In ersten Berichten war noch von bis zu 30 Prozent die Rede. Hier kommt es auf das Alter der Geräte an. Bei älteren Rechnern könnte der Performance-Verlust deutlich spürbar werden, während es bei neuen Geräten kaum zu Einbußen kommen dürfte. Aufgrund der vielen aktuellen Updates könnte sich in den kommenden Tagen sogar das weltweit das Internet verlangsamen.
Ob die Software-Updates das Problem aber völlig lösen, wird von einigen Experten bezweifelt. Laut ihnen kann es nur durch einen Austausch der Prozessoren behoben werden. Die IT-Sicherheitsstelle der US-Regierung, CERT, zeigte sich kategorisch, was eine Lösung des Problems angeht: "Die Prozessor-Hardware ersetzen." Die Sicherheitslücke gehe auf Design-Entscheidungen bei der Chip-Architektur zurück. "Um die Schwachstelle komplett zu entfernen, muss die anfällige Prozessor-Hardware ausgetauscht werden."
Die Schwachstelle liegt in einem Verfahren, bei dem Chips möglicherweise später benötigte Informationen schon im Voraus abrufen, um Verzögerungen zu vermeiden. Diese als "speculative execution" bekannte Technik wird seit rund zwei Jahrzehnten branchenweit eingesetzt. Zunächst schien nur Intel betroffen zu sein. Doch mittlerweile steht fest, dass die Lücke auch Chips von ARM und AMD betrifft. Die Forscher beschrieben zwei Attacken auf Basis der Schwachstelle:
Sie wüssten nicht, ob die Sicherheitslücke bereits ausgenutzt worden sei, erklärten die Forscher. Das sei wahrscheinlich auch nicht feststellbar, denn die Attacken hinterließen keine Spuren in traditionellen Log-Dateien. Auch deshalb wird die Lücke von vielen Experten bereits als der totale IT-Super-GAU bezeichnet.
Besonders brenzlig werden könnte das Problem zumindest theoretisch in Server-Chips, auf denen sich die Wege vieler Daten kreuzen. In den vergangenen Jahren hatten die Tech-Unternehmen ihre Geräte und Dienste unter anderem mit Verschlüsselung geschützt - gingen dabei jedoch davon aus, dass von den Prozessoren selbst keine Gefahr droht.
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