Schallforscher der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wollen eine markante Forschungslücke zum "Meidlinger L" schließen. Man hofft auf große Beteiligung am Fragebogen. Mitmachen können dabei nicht nur Bürger aus dem 12. Wiener Gemeindebezirk.
Spricht man in manchen Bereichen der Stadt quasi omnipräsente Wörter wie "leiwand" ohne den vermutlich von tschechischen Zuwanderern prominenter im Stadtideom verankerten markanten Zungenschlag aus, kann es durchaus sein, dass man da und dort in fragend-ungläubige Gesichter blickt. Das "Meidlinger L" ist nicht nur ein beliebtes Vehikel in der Kabarettwelt, sondern durchaus auch (noch) Teil des phonetischen Stadtbildes.
Das Team um Eva Reinisch vom ÖAW-Institut für Schallforschung will in einem von der Stadt Wien und des ÖAW geförderten einjährigen Projekt nun herausfinden, wie das charakteristische "Äjl" beim Hören wahrgenommen wird. So gilt es etwa zu analysieren, ob es tatsächlich stimmt, dass das zum Beispiel von Kultfiguren wie Edmund "Mundl" Sackbauer oder "Kurt Ostbahn", Fußballlegenden wie Toni Polster, Peter Pacult oder Hans Krankl sowie der Wiener Rockband Alkbottle auch weit über die Stadtgrenzen hinausgetragene Sprachjuwel, mehr oder weniger umfassend bekannt ist.
"Daten, ob das auf verschiedene Altersgruppen, sozioökonomische Gruppen, Leute mit einem anderen sprachlichen Hintergrund als Deutsch oder Zugezogene aus den Bundesländern auch zutrifft, fehlen jedoch. Unsere Studie soll diese Lücke schließen", so Reinisch am Mittwoch in einer Aussendung der ÖAW.
Im Rahmen eines frei zugänglichen, kurzen Online-Experiments kann man Angaben zu Hörbeispielen machen, in denen die sprachliche Eigenart unterschiedlich ausgeprägt ist. Zusätzlich werden Teilnehmer dazu angehalten, Angaben zum eigenen sprachlichen Hintergrund zu machen. Dezidiert auch zum Mitmachen aufgerufen sind Personen, denen das "Meidlinger L" wenig bis gar nicht geläufig ist.