Derzeit sorgen Widmungen in einem Kleingartenverein in Wien-Donaustadt für Debatten. Es sollen noch weitere SPÖ-Politiker profitiert haben.
Zuletzt war SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy vorgeworfen worden, von einer Umwidmung profitiert zu haben. Nun sind auch Parteigenossinen ins Visier geraten, wie eine gemeinsame Recherche des Ö1-Morgenjournals und der Wiener Zeitung (WZ) ergeben hat. Sie sollen ebenfalls Grundstücke in der Anlage in Breitenlee gekauft haben.
Umwidmungen in Wien-Donaustadt: Vorwürfe gegen Nevrivy
Laut dem Bericht hatte eine Widmung im Jahr 2021 aus den Schrebergärten des Kleingartenvereins vollwertige Baugründe gemacht. Dies habe für eine Wertsteigerung der betreffenden Flächen gesorgt. Nevrivy soll vor der Umwidmung eine Parzelle gekauft haben. Erworben hat der Lokalpolitiker das 385 Quadratmeter große Grundstück demnach am 30. Juli 2020. Laut dem Kaufvertrag, der der WZ vorliegt, zahlte Nevrivy 161.700 Euro. Heute soll es mindestens das Doppelte wert sein.
Auch
andere rote Parteikolleginnen haben dort - bereits vor Nevrivy -
zugeschlagen, wie nun bekannt wurde. Verwiesen wurde dabei auf
entsprechende Grundbuchauszüge. Genannt wurden die
Nationalratsabgeordnete Petra Bayr, die Gemeinderätin Astrid Rompold und
die stellvertretende Bezirksvorsteherin von Mariahilf, Julia Lessacher.
Letztere soll bei den Verhandlungen mit den zuständigen Behörden dabei
gewesen sein. Auf Anfrage erläuterte sie, dass sie dem Vereinsobmann
"für den Laien schwer verständliche Mitteilungen der
Magistratsdienststellen erläutert und ihm mit Formulierungen geholfen"
habe.
Weitere SPÖ-Politiker sollen von Umwidmungen profitiert haben
Astrid Rompold wiederum war am 25. November 2021, als die
Umwidmung beschlossen wurde, als Gemeinderätin anwesend. Da sich die
Parteien schon im zuständigen Planungsausschuss einig gewesen seien, sei
über die Widmung im Gemeinderat nicht mehr abgestimmt worden, teilte
sie in einer Stellungnahme mit. Eine Offenlegung, dass sie eine Parzelle
besitzt, sei darum nicht mehr nötig gewesen. Bayr - die zwei Käufe
getätigt haben soll - verwies darauf, dass sie auf politischer Ebene
keinen Einfluss genommen hätte. Der Nationalrat sei in Widmungsverfahren
nicht eingebunden, hielt sie fest.
Die drei Politikerinnen sollen vor dem Kauf keine Pächterinnen gewesen sein. Die Möglichkeit der Umwidmung war ihnen laut dem Bericht bekannt. In den Kaufverträgen soll ein "mögliches, derzeit noch nicht eingeleitetes Umwidmungsverfahren" erwähnt worden sein.
NEOS zeigten sich "stark irritiert"
"Stark irritiert" über die Causa zeigte man sich am Freitag beim
Koalitionspartner NEOS. Klubobfrau Bettina Emmerling betonte, die
Grundstückskäufe wirkten "problematisch", Politiker müssten sowohl
beruflich als auch privat besonders hohe ethische Kriterien bei ihren
eigenen Handlungen anlegen. "Jetzt gilt es, alle Vorgänge lückenlos auf
den Tisch zu legen und aufzuklären, ob Verfehlungen oder gar
strafrechtliche Handlungen vorliegen. In dem Fall haben die Beteiligten
selbstverständlich Konsequenzen zu ziehen." Außerdem müsse
sichergestellt sein, dass für die Zukunft etwaige Lücken geschlossen
würden.
Für FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss sind die betreffenden Mandatare indes schon jetzt rücktrittsreif. "Die SPÖ widmet Grundstücke, damit Parteigenossen reich werden. Das ist ein Bilderbuch-Skandal, der nicht ohne Folgen bleiben darf." Die betreffenden Grundstückskäufe müssten rückabgewickelt werden, so Krauss per Aussendung. Außerdem forderte er Aufklärung darüber, was Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) über die Umwidmungen gewusst habe.