Die Kosten in der Grundversorgung von Flüchtlingen werden neu aufgeteilt. Umgestellt werden soll auf ein so genanntes Realkosten-Modell, das zunächst in Wien erprobt wird.
Das teilten Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und der zuständige Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. Mehr Geld soll das Projekt nicht kosten, jedoch übernimmt der Bund einen größeren Teil der Aufwendungen.
Asyl: Neues Realkosten-Modell soll Länder entlasten
Seit Jahren beklagen die Länder, dass die vom Bund geleisteten Zahlungen nicht die realen Kosten bei der Beherbergung und Betreuung von Flüchtlingen abdecken. Nun haben sich Bund und Wien zusammengesetzt und ein gemeinsames Modell entwickelt, das die Bundeshauptstadt und die Hilfsorganisationen bei der Unterbringung und auch der Betreuung entlasten soll.
Für besonders vulnerable Gruppen - also z.B. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Pflegebedürftige - wird das Realkosten-Modell sogar schon für das Jahr 2023, rückwirkend mit Jahresanfang gelten. 2024 kommen dann alle anderen Personen dazu, die in organisierten Quartieren untergebracht sind. Der Mehraufwand für den Bund wird im ersten Jahr mit sieben Millionen geschätzt. Allerdings werden auch die anderen Länder eingeladen, sich dem Modell anzuschließen. Entsprechende Gespräche sollen bereits kommende Woche beginnen.
Kosten in der Grundversorgung aktuell pauschal abgerechnet
Aktuell werden die Kosten noch pauschal
abgerechnet. So gibt es 95 Euro am Tag für Kinder und Jugendliche, 48
Euro für Menschen mit Pflegebedarf und 25 Euro für Personen in
organisierten Quartieren. Waren die Kosten real aber höher, mussten die
entweder vom Fonds Soziales Wien
oder der betreuenden NGO berappt werden. Angelegt ist das Pilotprojekt
auf vier Jahre, Mitte kommenden Jahres erfolgt die Evaluierung.
Es sei intensiv verhandelt worden. Nun habe man jedoch ein Realkosten-Modell entworfen, dass auch die Kritik des Rechnungshofs berücksichtigte, betonte Karner. Das Modell sei transparenter und würde auf die Aufteilung tatsächlicher Kosten abzielen. Er bekräftigte, dass die Maßnahme nicht dafür sorgen solle, dass die Ausgaben mehr werden. "Die Kosten sind auch bisher schon angefallen", gab er zu bedenken.
Innenministerium startet mit Wien Pilotprojekt
Nun
werde nach dem Motto "Was es wiegt, das hat es" vorgegangen. Das Modell
ermögliche zudem eine bessere Betreuung, etwa von Jugendlichen.
Obdachlosigkeit und damit Kriminalität könne verhindert werden, weil es
möglich sei, in den Unterkünften eine verbesserte Tagesstruktur
vorzugeben.
Stadtrat Hacker verwies darauf, dass die Vereinbarung zur Grundversorgung vor knapp 20 Jahren abgeschlossen worden sei und diese fortgesetzt werde. Jedoch: "Die Kosten haben sich anders entwickelt." Es sei klar, dass es nicht sein könne, dass in diversen Einrichtungen die Stadt oder die Betreiber dazu zahlen müssten - zusätzlich zu den anteiligen Kosten, die die Länder laut Vereinbarung ohnehin tragen.
Die Non-Profit-Organisiationen könnten nicht gezwungen worden, sich die notwendigen Aufwände selbst zu zahlen. Das Realkosten-Modell trage dazu bei, dass Integrations- und Sicherheitsarbeit intensiviert werden könne, zeigte sich auch der Stadtrat überzeugt. Es könne auch dazu führen, dass bundesweit wieder mehr Einrichtungen Betreuung übernehmen - mit der Folge, dass die Bundesbetreuungsagentur weniger Quartiere bereitstellen müsse. Letztere seien oft teuer, das neue Modell könne somit sogar dazu führen, dass Kosten reduziert würden, meinte Hacker.
Karner verwies auf Rückgang bei Asylanträgen
Innenminister Karner
verwies heute auch auf die aktuellen Zahlen in Sachen Fluchtbewegung.
Österreich sehe sich seit Beginn des Ukraine-Krieges mit großen
Herausforderungen konfrontiert, da Schlepper die vorübergehende Aufnahme
von Kriegsvertriebenen für ihre Zwecke missbraucht habe. Das habe im
Vorjahr zu einem starken Anstieg der Asylanträge geführt, hielt er fest.
Durch
Maßnahmen wie Grenzkontrollen, schnelle Asylverfahren und Abschiebungen
sei es gelungen, dass sich der Trend umgekehrt habe. Die Zahl der
Anträge ist laut Karner seit Jahresbeginn um ein Drittel zurückgegangen.
"Das ist kein Grund zum Jubeln, sondern ein klarer Arbeitsauftrag."
Angesichts der großen Anzahl der Ankünfte derzeit in Italien müsse man
etwa klar sagen: "Das schaffen wir nicht. Das schafft Europa nicht."
Er
habe bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass man auf
europäischer Ebene Maßnahmen setzen müsse. Österreich sei im vergangene
Jahr schon über der Grenze der Belastbarkeit gewesen. Der europäische
Asyl- und Migrationspakt müsse mit Leben erfüllt werden. Das bedeute,
dass man für sicheren Grenzschutz sorgen und Vereinbarungen mit
Drittländern wie Tunesien auch umsetzen müsse.