Die Debatte um die Fernwärmepreise ist zuletzt neu aufgeflammt - vor allem in Wien.
Die Opposition wettert weiterhin gegen "astronomische" Vorschreibungen bzw. Rechnungen. Am Freitag haben etwa die Grünen Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) aufgefordert, rasch die sinkende Marktpreise weiterzugeben. Als Vorbild wurde Oberösterreich und das Vorgehen des dortigen Konsumentenschutz-Landesrates Stefan Kaineder (Grüne) genannt.
Opposition fordert Preissenkung bei Fernwärme in Wien
Ludwig habe eine 92-prozentige Erhöhung der Fernwärmepreise bei der Wien Energie einfach durchgewunken, kritisierte Wiens Grünen-Chef Peter Kraus. "Es entscheidet alleine der Bürgermeister - und der hat die Preise in Wien um das Doppelte hinaufschnalzen lassen. Es ist überfällig, dass die hohen Gewinne der Wien
Energie und die sinkenden Marktpreise an die Menschen weitergegeben
werden, anstatt sie mit einer Verdopplung der Preise weiter zu
belasten", forderte er.
Dass es auch anders gehe, zeige ein Blick
nach Oberösterreich, versicherte er. Ursprünglich hätten die
oberösterreichischen Energieversorger eine Preiserhöhung um bis zu 106
Prozent angestrebt. Kaineder habe dem einen Riegel vorgeschoben. Man
habe sich auf 8 Prozent geeinigt. Dass sich die Bundes-SPÖ in den
Verhandlungen um das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) gegen eine
Fernwärmpreis-Kontrolle durch die unabhängige Behörde E-Control wehre,
passe nur ins Bild, befand Kraus.
Wien Energie laut ÖVP weiter bestrebt "Profit zu maximieren"
Auch die ÖVP hat bereits gemutmaßt, dass die SPÖ und die Wien
Energie weiterhin bestrebt sind, "den Profit zu maximieren, anstatt die
Bevölkerung zu entlasten", wie Klubobmann Markus Wölbitsch kürzlich in
einer Aussendung meinte. In Wien sei die Gemeinde selbst der Prüfer und diese gleichzeitig Eigentümerin der Wien
Energie und der Fernwärme. "Es kann nicht sein, dass man sich dieser
Kontrolle entziehen will und somit möglicherweise überhöhte Preise an
die Kundinnen und Kunden weitergibt. Hier ist volle Transparenz
gefordert", forderte Wölbitsch.
Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ)
hat im Frühjahr einen Fernwärme-Rabatt angekündigt. Konkret gibt es 20
Prozent Nachlass auf den Grundpreis. Die Opposition hat damals schon
kundgetan, dass ihr dies zu wenig ist. FPÖ-Chef Dominik Nepp sprach etwa
von einer "Verhöhnung".
SPÖ wies in einer Reaktion Kritik am Vorgehen zurück
Die SPÖ wies in einer Reaktion Kritik am
Vorgehen im Zusammenhang mit den EAG-Verhandlungen zurück. Das Gesetz
sei von den beiden Regierungsparteien sowie von SPÖ und NEOS im
Parlament beschlossen worden. Darin sei seit Juli 2021 eindeutig
festgelegt, dass die zuständige grüne Ministerin Leonore Gewessler für
die Umsetzung der Preistransparenz bei der Fernwärme zuständig sei, hieß
es in einer der APA übermittelten Stellungnahme: "Gewessler kommt ihrer
Verantwortung jedoch nicht nach und ist seit mehr als zwei Jahren
säumig bei der Umsetzung und Vollziehung ihres eigenen Gesetzes."
Das
Ansinnen, das Gesetz nun wegen der Unfähigkeit der Ministerin zu
ändern, sei "pure Anlassgesetzgebung". Die Ministerin solle endlich ihre
Arbeit machen, anstatt auf eine Gesetzesänderung zu drängen und die
Verantwortung dadurch abzuschieben, befand die SPÖ - die darauf verwies,
dass sie schon seit längerem für einen bundesweiten Gas- und
Wärmepreisdeckel eintrete. Vorbild sei hier Deutschland, betonte man.