Im Wiener Tiergarten Schönbrunn finden geschmuggelte Reptilien und Amphibien ab dem Frühjahr 2024 eine neue Heimat. Dabei will der Zoo auch zeigen, wie groß der Aufwand ist, gesunde Populationen außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes nachhaltig zu halten und zu züchten.
"Wir wollen hier künftig stark gefährdete Reptilien und Amphibien zeigen, die vom Zoll beschlagnahmt und an uns übergeben wurden, wie etwa Chamäleons, Schildkröten und Frösche. Damit soll die Problematik des Tierschmuggels in den Fokus rücken", sagte der Direktor des Wiener Tiergarten Schönbrunn Stephan Hering-Hagenbeck am Donnerstag.
Der neue Eingangsbereich soll optisch an einen Flughafen erinnern, denn dort werde der Großteil der geschmuggelten Tiere aufgegriffen. Zuletzt waren im Mai dieses Jahres dort 89 Geckos, Schlangen und Skorpione aus Namibia entdeckt worden. "Von uns ist sehr schnelles Handeln gefragt. Wir bekommen einen Anruf und müssen sofort die gesamte Infrastruktur mit passenden Terrarien und ein geschultes Tierpflegerteam bereitstellen", erklärt der zuständige zoologische Abteilungsleiter Anton Weissenbacher. Zunächst müssten die Zuständigen dann die geschmuggelten Tiere aus für diese völlig unpassenden Behältern - wie Eisschachteln und Pralinen-Verpackungen - retten, medizinisch versorgen und wieder aufpäppeln.
Nach erfolgreicher Übersiedlung
in den Zoo kommt die nächste Stufe: Die Züchtung der seltenen Arten. "85
Prozent aller Arten, die wir aufgenommen haben, konnten wir bereits
erfolgreich nachzüchten. Darunter sind viele von der Ausrottung bedrohte
Arten wie das Nguru-Zwergchamäleon", so Weissenbacher.
Der Artenschutz außerhalb des natürlichen Lebensraums der Tiere werde laut den Experten immer wichtiger, da die Ökosysteme global zunehmend zerstört würden. Im neu gestalteten Haus im Tiergarten werde es deshalb auch ein großes Terrarium für Krokodil-Tejus geben, wo Besucherinnen und Besucher eine der größten Echsen Südamerikas erleben können.