Das kritisiert Michael Ludwig (SPÖ), der Wiener Bürgermeister, am Finanzausgleich, der bis November verhandelt werden soll.
Ludwig versicherte im Interview mit der APA, dass die Landeschefs mit dem Vorschlag des Bundes "überhaupt nicht zufrieden" seien. Dies sei über Fraktionsgrenzen hinweg der Fall. Länder, Städte und Gemeinden seien ganz massiv betroffen von starken Kostensteigerungen.
Das sagt Wiens Bürgermeister Ludwig zum Finanzausgleich
Ludwig verwies auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts, die sehr gut nachweise, "dass die Bereiche in den vergangenen Jahren, die der Bund zu verantworten hat, in der Größenordnung von 52 Prozent angestiegen sind". Bei jenen der Länder seien es mehr als 70 Prozent gewesen. "Das heißt, all das, was aufgrund der Verfassung und der föderalistischen Vereinbarungen von den Bundesländern, Städten und Gemeinden zu verantworten ist, hat eine viel stärkere finanzielle Dynamik aufzuweisen als die Bundesaufgaben."
Ludwig pocht auf Neuaufteilung bei vertikalen Verteilungsschlüssel
Ludwig pochte einmal
mehr auf eine Neuaufteilung beim sogenannten vertikalen
Verteilungsschlüssel, der derzeit bei 68 Prozent Bund, 20 Prozent Länder
und 12 Prozent Gemeinden liegt. Jüngste Vorschläge des Bundes über
zusätzliche Mittel wurden als nicht ausreichend zurückgewiesen. "Wir
glauben, dass es gerechter wäre, diesen Verteilungsschlüssel zugunsten
der Bundesländer und zugunsten der Städte und Gemeinden zu verändern",
zeigte sich Ludwig überzeugt.
Steuern sollen "entsprechend gerecht verteilt werden"
Man könne auch nicht genug betonen,
dass die vom Bund eingenommen Steuermittel, kein Geschenk des Bundes
seien, "sondern der hebt ja nur die Steuern für uns gemeinsam ein, dass
diese auch entsprechend gerecht verteilt werden, gerecht entsprechend
den Aufgaben, die die unterschiedlichen Einheiten des Föderalismus zu
verantworten haben". Ob ein neuer Schlüssel dafür per se unabdingbar
sei? Es müsse jedenfalls ausreichend Mittel geben, betonte der Wiener Bürgermeister. "Wenn das anders finanziert wird, auch gut. Das zeichnet sich aber nicht ab derzeit."
Ludwig: Finanziert gehören vor allem Gesundheit und Bildung
Zu
finanzieren seien vor allem wichtige Bereiche wie Gesundheit, Pflege,
aber auch Bildung - hier insbesondere Elementarpädagogik - und Maßnahmen
gegen den Klimawandel. Die Länder, so versicherte Ludwig, hätten
bereits Reformen im Gesundheitsbereich umgesetzt bzw. auf Schiene
gebracht. In Wien hätte man etwa Erstversorgungsambulanzen in den Wiener Spitälern eingerichtet, um die Krankenhäuser zu entlasten. Auch auf die Primärversorgungszentren verwies der Stadtchef.
Keine Einigung bei Finanzausgleich: Verfassungsklage nicht vom Tisch
"Aber
es wird schwer möglich sein, all jene Reformen, die wir schon längere
Zeit diskutieren, in wenigen Wochen unter Dach und Fach zu bringen, wenn
ich denke, dass der Finanzausgleich jetzt in den nächsten Tagen zu
einem Abschluss geführt werden muss, damit es hier keine Gefährdung des
sogenannten Stabilitätspaktes gibt." Dieser würde ja außer Kraft treten,
wenn es zu keiner neuen Vereinbarungen kommt, warnte er. Sollte es
tatsächlich keine Einigung geben, sei auch eine Verfassungsklage nicht
vom Tisch, bekräftigte Ludwig eine bereits vor einiger Zeit geäußerte
Drohung.