Am Montag haben die Wiener Linien eine erste Bilanz zu ihrem "Fünf-Punkte-Programm" zur Stabilisierung der Intervalle und Lösung der heiklen Personalsituation gezogen.
Die Aufgabe der Intervall-Verdichtung wurde bewältigt und wird mit dem Herbstfahrplan ab 4. September abgeschlossen. "Eine gute Nachricht" ist das, sagte der zuständige Stadtrat Peter Hanke (SPÖ). Insgesamt sei "eine schöne Zwischenbilanz" auf dem Weg "zurück zu den alten Qualitäten" erreicht worden.
Wiener Linien liefern erste "Fünf-Punkte"-Bilanz zum Herbstplan
Im Winter des Vorjahres waren die Verkehrsbetriebe mit massiven Personalproblemen und vielen kurzfristigen Ausfällen konfrontiert. Schon mit dem Startschuss zur Umsetzung des "Fünf-Punkte-Programms" konnten demnach rund 99 Prozent der vorgesehenen Fahrten wieder plangemäß durchgeführt werden. Im weiteren Verlauf des Jahres konnte dann die Drop-out-Rate im Ausbildungsbereich reduziert und die Zahl der Schulungseinheiten massiv erhöht werden, erläuterte Hanke. Zum Beispiel sank die Dropout-Rate in den Straßenbahnschulen im ersten Quartal 2022 um 50 Prozent.
Credit: Alexandra Gritsevskaja
Wiener Linien wollen bis Ende 2023 rund 340 Bim-Fahrer ausbilden
Am
Ziel seien die Verkehrsbetriebe insgesamt jedoch noch nicht, denn "das
ist ein Marathon", und dieser werde 2024 teilweise noch einmal
intensiviert angegangen. 2021 gab es noch 257 Ausbildungsplätze im
Straßenbahn-Betrieb, heuer sollen bis Jahresende 340 neue Fahrer und
Fahrerinnen ausgebildet werden, 2024 sollen es dann 490 sein. Bis 2031
wird von einem zusätzlichen Personalbedarf von rund 7.000 Kräften in
allen Fachbereichen ausgegangen. In diesem Jahr wurde neues Personal mit
"Großinfotagen" gesucht, die rasche Bewerbungen ermöglichen, nannte
Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien,
ein Beispiel zu neuen Recruitingmaßnahmen. Die Bilanz aus insgesamt
sieben Terminen waren 740 eingeladene Bewerber von denen fast die Hälfte
auch genommen wurde.
Hürden bleiben Fachrkäftemangel und Pensionierungen
Als Hürden bleiben Fachkräftemangel und eine Babyboomergeneration im Pensionsalter. Die Wiener Linien
stünden vor denselben Problemen wie viele Unternehmen. Die Aufgabe
hieße daher "auf die bestehenden Mitarbeiter zu achten und neue zu
gewinnen". Dazu müsse anders kommuniziert werden, denn "die Einstellung
zur Arbeit verändert sich" - und vor allem müssten die eigenen
Qualitäten immer wieder hinterfragt werden. Und am Ende gebe es bei der
Personalsuche inzwischen einen "Beauty-Contest der Unternehmen".
Wiener Linien setzt unter anderem in Ausbildung und Deutschkurse
Daher wurde unter anderem in der Ausbildung angesetzt, zum
Beispiel mit einem Deutschkurs-Angebot für Personen ohne ausreichende
Sprachkenntnisse. Beim Verdienst wurden die Zulagen und die Prämie
angehoben. Im Bereich der Arbeitszeit wurde bei Unterbrecherdiensten
eine Reduktion auf rund 30 Prozent erreicht - hier handelt es sich um
Dienste, die mit der Morgenspitze beginnen, von einer Pause bis zum Abend unterbrochen werden, um dann in der Rush Hour weiter zu gehen. "Es war Sand im Getriebe", blickte Reinagl auf die Zeit zum
Jahreswechsel zurück, die Intervallausdehnung war aus Sicht der
Geschäftsführerin dabei "das Schmerzhafteste", jedoch werde mit dem
neuen Fahrplan wieder das Niveau vom Herbst 2022 erreicht - jedoch mit
Intervallen, die aufgrund sich ändernder Nachfrage bei manchen Linien verkürzt und bei wieder anderen auch verlängert worden sind.
Wiener Linien wollen in Zukunft investieren
An Geld für die zahlreichen Erneuerung soll es den Wiener Linien
auch in der Zukunft nicht mangeln: "wir werden nicht müde, weiter zu
investieren", sagte Hanke. Es gebe kaum eine Großstadt, die so viel in
den öffentlichen Verkehr investiert. Laut einer Analyse durch den
externen Partner S·for·T Management Consultants haben die Wiener Linien
in den Jahren 2019 bis 2021 im Durchschnitt 129,85 Euro je 1.000
Einwohnerinnen im Bediengebiet investiert, in Berlin investierte der
dortige BVG im gleichen Zeitraum nur 88,74 Euro.