Die Stadt Wien investiert im Kampf gegen urbane Hotspots Millionen in Anti-Hitze-Maßnahmen.
Mit den präsentierten Plänen für das Wiener Museumsquartier ein weiterer kleiner Puzzlestein hinzu. Die rot-pinke Rathauskoalition will mit Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen die Stadt hitzeresistenter machen. Dafür wurde ein eigener Fördertopf namens "Lebenswerte Klimamusterstadt" aufgelegt, der für die gesamte Legislaturperiode bis 2025 100 Mio. Euro vorsieht. Ausgeschöpft sind die Mittel noch nicht.
Motto "Raus aus dem Asphalt": Summe für einzelne Wiener Bezirke gedacht
Die Summe ist unter dem Motto "Raus aus dem Asphalt" vor allem als Unterstützung für die einzelnen Bezirke gedacht, die mit ihren Budgets tendenziell streng haushalten müssen. Mit dem Geld "werden Umbau-Maßnahmen gefördert, die das Mikroklima positiv verändern und die Aufenthaltsqualität steigern", heißt es dazu im offiziellen Webauftritt der Stadt Wien (www.wien.gv.at). Darunter fallen "Entsiegelung von Flächen durch Schaffung von Grünraum und Wasserflächen, Brunnen oder Wasserspielen als lokale Kühlzonen", Baumpflanzungen, Parkstreifenbegrünungen oder der Einsatz des Schwammstadtprinzips, das die Versorgung von Bäumen durch Versickern von Regenwasser ermöglicht.
Im
Büro von Ulli Sima (SPÖ), zuständig für Stadtplanung, kann man auf
APA-Anfrage derzeit nicht beziffern, wie viel Geld von den 100 Mio. Euro
bereits abgerufen bzw. verplant wurden. Ausgeschöpft sei die Summe
jedoch noch nicht, die Legislaturperiode laufe ja noch bis 2025. Es sei
aber bereits viel passiert bzw. gerade in Arbeit, betonte ein Sprecher.
Als Beleg führt das Ressort eine Reihe von Projekten auf, die sich über
das ganze Stadtgebiet verteilen. Umgesetzt sind demnach bereits die
Neugestaltung des innerstädtischen Neuen Marktes, der Praterstern, die
Zollergasse im 7. Bezirk, der Langauerplatz hinter dem Westbahnhof oder
die "Nachbegrünung" der Fußgängerzone Seeparkquartier in der Seestadt
Aspern. "XL-Bäume",
Staudenbeete, Grünstreifen und Wasserelemente wurden dabei in
unterschiedlicher Zahl installiert. Am Praterstern als einem der größten
Vorhaben wurden die Bäume
auf über 100 Stück und die Grünflächen auf mehr als 8.000 Quadratmeter
jeweils verdoppelt, dazu ein "Gräser-Ring" auf 1.400 Quadratmetern
bepflanzt. Die Thaliastraße wurde u.a. mit rund 180 neuen Bäumen und knapp 40 Nebelstelen bestückt.
Wiener Michaelerplatz ist noch in der Planung
Noch in der Pipeline ist etwa der Michaelerplatz mit neun XL-Bäumen,
einer Handvoll Hochtrögen sowie einem Wasserspiel vor dem Looshaus.
Baubeginn ist 2024. Angeführt werden außerdem die Praterstraße
(breiterer Radweg, Wegnahme einer Fahrspur, begrünter Mittelstreifen)
samt angrenzendem Nestroyplatz (Pflasterung, mehrere Bäume), die Argentinierstraße (Umwandlung in eine Fahrradstraße, 60 neue Bäume, Entsiegelung von 1.000 Quadratmetern Asphalt - Baustart Jahresende), ein Teil der Reinprechtsdorfer Straße (32 neue Bäume,
zwei Wasserspiele, Grünbeete - Fertigstellung im Frühjahr 2024), die
Errichtung eines 60.000 Quadratmeter großen Parks anstelle der nie in
Betrieb gegangenen Autobahnausfahrt Simmering (Fertigstellung Sommer
2024) oder das Grätzl um den Währinger Kutschkermarkt (Entsiegelung rund
um die Schulgasse, 35 neue Bäume,
Pflanzbeete - Fertigstellung im Herbst) genannt. Entsiegelt wird bis
Anfang 2024 auch die 200 Meter lange Schleifgasse in Floridsdorf, 18 Bäume und 450 Quadratmeter zusätzliches Grün sind vorgesehen.
Keine aktuellen Pläne für versiegelte Plätze in Wien
Keine
aktuellen Pläne gibt es derzeit für große versiegelte Plätze, die sich
an Hitzetagen besonders aufheizen. Darunter fallen etwa der Vorplatz
beim Hauptbahnhof, der Schwarzenbergplatz oder der Schwedenplatz.
Was
speziell Baumpflanzungen anbelangt, ist dafür das Ressort für Klima-
und Umweltpolitik unter Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) zuständig.
Demnach wurden bzw. werden zwischen 2021 und 2025 jährlich rund 4.500 Bäume gepflanzt - wobei allerdings ein Großteil als Ersatz für alte Exemplare dient. Laut Aufstellung der Wiener Stadtgärten wurden im Vorjahr 2.943 Bäume
"durch anpassungsfähige Jungbäume" ersetzt und zugleich 1.352 Stück an
neuen Standorten gesetzt. Im Jahr davor waren es 4.296 Ersatzpflanzungen
und 873 Ausbringungen an neuen Stellen. Insgesamt kümmern sich die
Stadtgärten um mehr als 500.000 Bäume.
Im Büro von Czernohorszky betont man, dass 53 Prozent der Fläche Wiens Grünraum ist. Darunter fallen Wälder genauso wie die Lobau, die Donauinsel, Parks, Wasserläufe oder Seen. Unter dem Schlagwort "Grünraum-Offensive" sollen bis 2025 400.000 Quadratmeter neue Parkflächen entstehen. Zum Vergleich: Der Rathauspark misst 39.000 Quadratmeter.