Die Red Hot Chili Peppers rockten Freitagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit einem kompakten, teils überraschenden Set.
Gewisse Rezepte kann man nicht verbessern. Ganz egal, wie sehr man daran herumdoktert, der ursprüngliche Geschmack ist eben doch am besten. Das gilt auch für die Red Hot Chili Peppers: Die kalifornische Gruppe, die seit 40 Jahren ihre Musik unter die Leute bringt, hat sich mit einer gefälligen Mischung aus Rock, Funk und Pop in die Herzen der Fans gespielt.
Red Hot Chili Peppers in Wien
Red Hot Chili Peppers spielten in Wien
Anlass der seit Mitte vergangenen Jahres laufenden Welttournee ist letztlich die immer noch vorhandene Produktivität der Band: Sänger Anthony Kiedis, Bassist Flea, Drummer Chad Smith und der 2019 wieder dazugestoßene Gitarrist John Frusciante sind eben nicht nur die perfekte Version dieser über die Jahre teils vielgestaltigen Formation, sondern hatten sich nach längerer Auszeit offenbar viel zu sagen - jedenfalls auf kreativer Ebene. Mit "Unlimited Love" und "Return of the Dream Canteen" gab es im Vorjahr nämlich gleich zwei neue Platten zu bestaunen.
Und diese zeigen die Chili Peppers nach wie vor in
Form: Das vibrierende Rhythmusfundament von Flea und Smith ist auf
Tonträger wie live das Um und Auf, während sich Freigeist Frusciante in
melodiöse Höhen soliert. Die unbändige Spielfreude wurde schon beim
eingangs gesetzten Jam an den Tag gelegt, bevor mit "Around the World"
ein Klassiker die rund 45.000 Besucherinnen und Besucher erstmals
wirklich abholen sollte. Wer sich aber auf einen Greatest-Hits-Abend
eingestellt hat, wurde wohl etwas enttäuscht. Stattdessen gab es eine
kunterbunte Mischung aus alten Perlen, neueren Stücken und so manchem
Albumgeheimtipp.
Musik-fokussierter Zugang der Red Hot Chili Peppers
Auffallend ist bei den Red Hot Chili Peppers
aber nach wie vor der sehr auf die Musik fokussierte Zugang. Das drückte
sich einerseits in etlichen Intros oder zwischendurch gesetzten Jams
aus, die bewiesen, wie eingespielt das Trio Frusciante-Flea-Smith ist.
Andererseits in einer Bühnenshow, die zwar optisch aufgrund einer von
oben nach unten verlaufenden und an einen Wasserfall gemahnenden
Videowall zu beeindrucken wusste, aber dabei keineswegs auf plumpe
Effekthascherei setzte. Die Songs wurden zwar unterstützt (vielleicht am
gelungensten der jüngste Hit "Black Summer" mit einer kleinen
Supernova), aber nicht an den Rand gedrängt. Und Publikumsinteraktion
muss man bei den Chili Peppers ohnehin mit der Lupe suchen.
Ein solcher war natürlich das knackige "I Like
Dirt" von der 1999er-Großtat "Californication", die den Status der Band
als eine der wichtigsten im globalen Rockzirkus eindrucksvoll
einzementierte. Aber bereits davor konnten sich Fans der frühen Stunde
ordentlich abreagieren, als das mächtige "Blood Sugar Sex Magik" mehr
als 30 Jahre in die Vergangenheit führte. Was aber keineswegs bedeutete,
dass die Ohrwurmschmeichler ganz außen vor gelassen wurden. Der
gemeinschaftliche Chor wurde schließlich nicht nur bei "Snow ((Hey Oh))"
reichlich bedient.
Flea: "You motherfuckers make us happy!"
Immerhin
ließ sich Flea recht früh zu einem "You motherfuckers make us happy!"
hinreißen, während ein kurzer Plausch zwischen ihm und Sänger Kiedis
wohl nur für Eingeweihte verständlich war. Womit man auch beim
üblicherweise auftretenden Manko eines Konzerts der Red Hot Chili
Peppers angelangt wäre: So charismatisch Kiedis mit seiner einnehmenden
Stimme auch wirken mag, live ist er nicht unbedingt einer der Besten
seines Fachs. Immerhin schlug er mittels Teleprompter den sonst gerne
auftretenden Textaussetzer ein Schnippchen. Und stimmlich war Kiedis
diesmal solide unterwegs. Nur: Ein Entertainer ist an ihm nicht verloren
gegangen.
Letztlich gab es eine Show zu erleben, die musikalisch durchaus scharf gewürzt war, aber eben auf klassische Zutaten setzte. Große Hits wie "Californication" oder "By The Way" waren die typischen Erfolgsgaranten, dazwischen gab es mit Stücken wie "Reach Out" den Beweis, dass die Band auch heute noch Relevanz besitzt. Und wer instrumentale Finesse schätzt, ist hier ohnehin gut aufgehoben. Ein Auftritt der alten Schule in neuen Gewändern, die dann doch irgendwie ziemlich bekannt wirkten. Geschmeckt hat es, trotz der eher knappen Spielzeit von unter zwei Stunden, aber sehr.