Am Dienstag gab es im Wiener Rathaus den Auftakt zur zweitägigen Debatte des Wiener Rechnungsabschlusses für das Jahr 2022.
Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) präsentierte zu Beginn der Gemeinderatssitzung das Zahlenwerk und beteuerte, dass die Prognosen aus dem Budgetvoranschlag nicht eingetroffen sind. Dieser hatte ein Defizit vorgesehen. Am Ende stehe nun ein Plus, betonte er. Verantwortlich dafür sind unter anderem sprudelnde Steuereinnahmen.
Hanke präsentierte Zahlenwerk im Wiener Rathaus
Laut Hanke wurde statt dem budgetierten Defizit von 1,4 Mrd. Euro ein positiver Nettofinanzierungssaldo von 305 Mio. Euro erzielt. 245 Mio. Euro flossen in die Darlehenstilgung. Der aktuelle Schuldenstand beträgt 8,8 Mrd. Euro, die Schuldenquote 8,7 Prozent. Die Rücklagen der Stadt belaufen sich laut Rechnungsabschluss auf 1,9 Mrd. Euro.
Der
Stadtrat hob in seiner Rede hervor, dass auch 2022 "alles andere als
ein leicht" war. Die vergangenen Jahre seien seit Beginn der
Corona-Pandemie im
Zeichen mehrerer Krisen gestanden. Man habe jedoch nicht abgewartet und
gezaudert, sondern auf die Situation reagiert. "Never let a good crisis
go to waste" zitierte Hanke an dieser Stelle einen Satz, der Winston
Churhill zugeschrieben wird. Man habe die Krise nicht ungenutzt
verstreichen lassen.
Die Erfahrungswerte, die man bei der
Krisenbekämpfung gewonnen habe, werde man wohl weiter brauchen,
prophezeite der Stadtrat - mit Verweis auf den Angriffskrieg Russlands
auf die Ukraine bzw. die Situation in Russland nach der jüngsten
Revolte. Es sei möglich, dass hier "noch einiges mehr" bevorstehe, wenn
man sich die Entwicklung der vergangenen Tage ansehe.
Hanke: "Erwartungen wurden klar übertroffen
Der Rechnungsabschluss
zeige, wie schnell sich die Welt drehen könne. Man habe das noch
während des Lockdowns beschlossene erste Doppelbudget der
Stadtgeschichte vorsichtig strukturiert. "Die Erwartungen wurden klar
übertroffen", freute sich Hanke. Die anziehende Konjunktur habe zu
Einnahmen auf neuem Niveau geführt. Laut dem Stadtrat trugen vor allem
Geldflüsse aus dem allgemeinen Steuertopf - also die Ertragsanteile -
mit einem Plus von einer knappen Milliarde Euro zur Entwicklung bei.
Doch auch bei der Kommunalsteuer wurde ein Zuwachs von 94 Mio. Euro
verzeichnet.
Hanke warnte aber auch vor überzogenen Erwartungen.
2022 seid das erste Inflationsjahr für den öffentlichen Haushalts
gewesen - mit hohen Einnahmen. Die erhöhten Ausgaben würden erst später
kommen, bedingt etwa durch hohe Lohnabschlüsse oder teurere Energie. Die
"Ausgabendynamik" werde eine andere werden, vor allem in Bereichen wie
Gesundheit, Pflege, Bildung oder Soziales. Darauf müsse etwa auch der
neue Finanzausgleich reagieren, forderte er.
Geplante weitere Unterstützung und Preisreduktion
Verwiesen wurde aber auch auf geplante weitere Unterstützungen bzw. Preisreduktionen. Man werde etwa die Wien
Energie "nicht aus ihrer Pflicht herauslassen". Die Ergebnisse dort
seien sehr gut, man werde darum für Kundinnen und Kunden ein
Entlastungspaket auflegen.
Auch NEOS-Klubchefin Bettina Emmerling
erinnerte daran, dass man mitten in der Corona-Pandemie budgetiert habe.
Die Erwartungen seien durch die Erholung der Konjunktur übertroffen
worden. Man habe "souverän durch diese Phase manövriert", hielt sie
fest. Zugleich seien viele Unterstützungsleistungen für die Wienerinnen
und Wiener auf den Weg gebracht worden. Emmerling verwies etwa auf das kostenlose Mittagessen in Ganztagesschulen.
Die
Entwicklung des Budgets biete Spielraum für Entlastungsmaßnahmen. Denn
die Teuerung sei die größte Herausforderung gewesen, "und wird sie
leider in den nächsten Jahren noch sein", mutmaßte Emmerling.
Opposition teilte Freude über Rechnungsabschluss nicht
Die Opposition teilte die Freude über den Rechnungsabschluss
nicht. FPÖ-Chef Dominik Nepp ortete etwa eine "Märchenstunde" des
Stadtrats. Der Nettofinanzierungssaldo sei nämlich nicht der Gewinn,
erläuterte er. Stelle man Einnahmen und Ausgaben gegenüber, ergebe sich
ein Minus von 4,8 Mrd. Euro. In der Privatwirtschaft würde man sich bei
einer solchen Präsentation fragen, welcher "Volltrottel" das ist, der
solche Zahlen referiere, vermutete Nepp.
Grünen-Chef Peter Kraus
konstatierte, dass in der Stadt vieles "unglaublich gut" laufe. Dies sei
ein Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die großartiges
leisten würden. Es stelle sich aber auch die Frage, was bei den
Wienerinnen und Wienern
von den Ausgaben ankomme. Auch wenn so viel investiert worden sei wie
noch nie zuvor, seien zu Beginn des Schuljahres in manchen Klassen keine
Lehrer gestanden.
Auch die "ausgedünnten" Intervalle bei den
Öffis und der Personalmangel in den Spitälern deute darauf hin, dass
hier etwas nicht in Ordnung sei. "Nur Geld ausgeben allein reicht
nicht." Es werde auch weiterhin zu viel in fossile Projekte investiert,
befand Kraus. Zudem habe die Wien
Energie die Preise mehr als verdoppelt, in Oberösterreich sei das nicht
gemacht worden, gab er zu bedenken. Dort hat Landesrat Stefan Kaineder
(Grüne) betont, Anträge zu Preiserhöhungen für Fernwärme über der
Inflationsrate ablehnen zu wollen.
Rechnungsabschluss in einem Satzu zusammengefasst
ÖVP-Landesparteiobmann Karl Mahrer befand, man könne den Rechnungsabschluss
in einem Satz zusammenfassen: "Trotz Rekordeinnahmen haben es SPÖ und
NEOS nicht geschafft, vernünftig zu wirtschaften." Es werde weiter
sorglos mit Steuergeld umgegangen, kritisierte er. Die Wien Energie sei dafür ein gutes Beispiel. Mahrer verwies auf deren Liquiditätskrise im vergangenen Sommer. Wenn die Wien Energie das Geschäftsmodell nicht ändere, sei die Versorgungssicherheit durchaus in Gefahr, so seine Prognose.
Zerpflückt wurde auch der Schuldenstand. Dieser ist laut Mahrer in den vergangenen Jahren massiv angestiegen - vor allem wenn man die Unternehmungen der Stadt dazuzählt. 2010 seien etwa noch 5,9 Mio. Euro hier verzeichnet worden. Inzwischen würden die Schulden 11,5 Mrd. Euro betragen. Dies sei der Beweis, dass die Stadt nicht wirtschaften könne, zeigte sich der VP-Chef überzeugt.