Von 22. Juni bis 27. August kann im Unteren Belvedere in Wien die neue Ausstellung "Kolossal. Malerei im Großformat" besucht werden.
Will man sich eine Kleinwohnung an die Wand hängen, muss man äußerst kreativ sein - oder aber über Hans Makarts Monumentalwerk "Venedig huldigt Caterina Cornaro" verfügen. Dieses zehn mal vier Meter große Gemälde ist Teil der neuen Ausstellung "Kolossal. Malerei im Großformat" im Unteren Belvedere. Generaldirektorin Stella Rollig und Kokuratorin Johanna Hofer haben dafür 19 Werke ausgewählt, die vor allem eines sind: überwältigend.
19 große bis gigantische Arbeiten vom Barock bis in die Jetztzeit
Die Schau sei "sehr stark vom Publikum her gedacht", erklärte Rollig am Mittwoch bei einer Presseführung. Immer wieder habe sich gezeigt, dass es gerade großformatige Arbeiten sind, die für Besucherinnen und Besucher in Ausstellungen als "Showstopper" fungieren: man bleibt stehen, verweilt und lässt sich ein auf deren raumgreifenden Eindruck. "Es ist sicherlich eine kühne Entscheidung, eine Ausstellung mit 19 Showstoppern zu machen", so die Museumsleiterin. Wobei sich in der Konzeption schon die Frage gestellt habe: "Ab wann ist ein Bild ein Großformat?"
Im Falle Makarts für die Wiener
Weltausstellung 1873 entstandener Arbeit sei die Antwort leicht
gefallen, "das ist ja ein Bild von der Größe einer Kleinwohnung", so
Rollig. Mit seinen Abmessungen ist es auch das größte Exemplar in der
Präsentation, wobei sich der Rest keineswegs zu verstecken braucht (oder
dazu in der Lage ist). Man habe grundsätzlich beschlossen, sich am
"menschlichen Maß" zu orientieren und Gemälde ausgewählt, "die das
überschreiten". Bei den gezeigten Arbeiten von beispielsweise Gunter
Damisch oder Hermann Nitsch müsse man "zurücktreten, um sie in ihrer
Gesamtheit wahrzunehmen", betonte Rollig. Letztlich ein eher
ungewöhnlicher kuratorischer Zugang, wenn man hauptsächlich nach
formalen Kriterien auswählt. "So sind zum Teil Rendezvous der Giganten
entstanden", resümierte Hofer.
Das wird schon im ersten Raum deutlich, wo die durchdringenden Blicke einer Gruppe von Geiern nicht nur die Betrachter treffen, sondern auch die von Gustav Mahler dirigierten Wiener Philharmoniker: Karl Hucks "Erwachen (Adler)" - ganz offensichtlich mit falscher tierischer Zuordnung durch den Künstler - wurde restauriert und ist erstmals seit 1926 wieder zu sehen. Direkt daneben befindet sich Max Oppenheimers Triptychon "Die Philharmoniker", das die düstere Atmosphäre der nachbarschaftlichen Tier- und Bergwelt mit viel Bewegung und Energie konterkariert.
Schau nur mit "Showstoppern" "eine kühne Entscheidung"
Derartige
Gegenüberstellungen und Querverbindungen ergeben sich immer wieder in
den einzelnen Räumen, in denen man mehrfach Position und Perspektive
wechseln muss, um das Gezeigte in seiner vollen Größe genießen zu
können. Einige in Großformaten oft verhandelte, existenzielle Fragen
stellen beispielsweise Adolf Hirémy-Hirschls "Seelen am Acheron" oder
"Pax" von Emil Jakob Schindler, die sich beide auf höchst
unterschiedliche Weise mit Vergänglichkeit, Abschied und Tod
auseinandersetzen. Das gilt im Übrigen auch für "Der Totentanz von Anno
Neun" von Albin Egger-Lienz, in den man förmlich hineingezogen wird.
"Das ist die Kraft des Großformats, dieses physische Involvieren, das
nur vorm Original funktioniert", unterstrich Hofer.
Letztlich wird eine Brücke geschlagen vom Hochbarock mit der "Ekstase des heiligen Franziskus", deren Urheberschaft nicht restlos geklärt ist, aber an die höchst wahrscheinlich zumindest drei Künstlerinnen oder Künstler Hand angelegt haben, bis zur Jetztzeit. Das jüngste Ausstellungsobjekt ist Elisabeth Planks "Gerahmte Gloriosa" von 2011. So schaffe man Hofer zufolge auch "einen lebendigen Dialog" sowie eine "Reise durch die Sammlung des Belvedere". Die Objekttexte wiederum fokussieren auf je unterschiedliche Facetten, veranschaulichen mal Restaurierungsaspekte, erzählen dann wieder Anekdoten aus dem Leben der Künstler oder geben Auskunft über die Provenienz. Auch große Kunst braucht eben viel Liebe fürs Detail.