Vor der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer waren erneut Querelen aufgeflammt.
An sich handelt es sich um eine Routinesitzung. Doch die internen Querelen der vergangenen Monate dürften dort erneut Thema sein, wie bereits im Vorfeld klar geworden ist. Denn am Vormittag sorgten einige Fraktionen mit einer Aussendung für Staunen. Der Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte, Erik Randall Huber, wird sich aus seiner Funktion zurückziehen, hieß es darin. Dieser zeigte sich erbost.
Querelen bei Wiener Ärztekammer wieder aufgeflammt
Huber wird bei einer Kuriensitzung am 27. Juni seinen Rücktritt erklären, ließen die Kammerfraktionen "Wahlgemeinschaft - Ärzte:innen für Arzt:innen - Wiener Mittelbau", "Team Szekeres" und "Wahlärzte Wien" wissen. Huber hatte die Vorwürfe gegen die Beschaffungsplattform Equip4Ordi (E4O) ans Licht gebracht. Bei dieser handelt es sich um eine ausgelagerte Tochtergesellschaft der Kurie niedergelassene Ärzte. Was folgte war ein Konflikt mit Kammerpräsident Johannes Steinhart, der sich ebenfalls gegen Vorwürfe wehren musste.
Verdacht der Untreue, Begünstigung und des schweren Betrugs
Bei den mutmaßlichen
Missständen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der
Untreue, Begünstigung und des schweren Betrugs. Die Vorwürfe richten
sich gegen die beiden Ex-Geschäftsführer der Einkaufsplattform und einen
Mitarbeiter der Wiener
Kammer. Alle drei Beschuldigten behaupten, sie hätten auf Weisung bzw.
Genehmigung von Steinhart, der damals Obmann der Niedergelassenen-Kurie
war, gehandelt. Steinhart hat dies stets zurückgewiesen.
Misstrauensantrag gegen Huber von Vertrauten Steinharts
Ein in
diesem Zusammenhang eingebrachter Misstrauensantrag der Vertrauten
Steinharts gegen Huber hatte in einer Kuriensitzung nicht die
erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht. Allerdings hatte Huber
anschließend anklingen lassen, sich aus der Funktion zurückziehen zu
wollen. Laut der Aussendung der drei Fraktionen ist es demnächst nun so
weit. Man bedanke sich darum bei "Kollegen Huber".
Huber: "Das klingt für mich wie der 1. April"
Huber selbst
dementierte umgehend. "Das klingt für mich wie der 1. April. Ich finde
es unverschämt, etwas zu behaupten, ohne mit mir Rücksprache zu halten",
sagte er im Gespräch mit der APA. Dass er sich als Obmann zurückziehen
wird, ist jedoch tatsächlich nicht völlig ausgeschlossen. Abhängig mache
er dies aber von einem Antrag, der heute bei der Vollversammlung zu
Abstimmung komme, erläuterte der Kurienobmann. In diesem werde er
aufgefordert, seinen Rückzug zu überdenken. Erhalte der Antrag eine
Mehrheit, werde er bleiben, andernfalls nicht. "Ich werde mich der
Mehrheitsentscheidung fügen."
Sitzung der Wiener Ärztekammer beginnt um 14 Uhr
Offizielles Thema der Sitzung, die
um 14.00 Uhr beginnt, ist unter anderem der Beschluss der Bilanz für
2022. Der erkrankte Kammerpräsident Steinhart wird bei dieser Sitzung
nicht anwesend sein. Diskutiert werden aber auch weitere brisante
Anträge. Gefordert werden unter anderem Neuwahlen. Allerdings bräuchte
ein derartiges Begehr eine Zweidrittelmehrheit.
Forderung nach Neuwahl in der Wiener Ärztekammer
Der Forderung nach einer Neuwahl in der Wiener
Ärztekammer hat sich laut "Presse" auch der ehemalige
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres angeschlossen, der den Kurs seines
Nachfolgers Steinhart harsch kritisiert. Das Standing der Kammer sei "so
schlecht wie noch nie" soll Szekeres in einem internen Mail beklagt
haben.