Nach den Vorwürfen gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann fordern die Grünen eine Absage der beiden Konzerte im Wiener Ernst-Happel-Stadion Ende Juli.
"Den Veranstaltern muss nach Bekanntwerden dieser schweren Vorwürfe klar sein, dass ein Konzert dieser Band kein sicherer Ort für Frauen ist. Solange die Vorwürfe nicht restlos geklärt sind, müssen diese Konzerte in Wien abgesagt werden", wurde Grünen-Frauensprecherin Viktoria Spielmann in einer Aussendung zitiert.
Mehrere Frauen hatten in den vergangenen Tagen - teilweise anonym - den Vorwurf der sexuellen Übergriffigkeit gegen Rammstein-Frontmann Lindemann erhoben. Die Frauen schilderten Situationen, die sie teils als beängstigend empfunden hätten. Junge Frauen seien während Konzerten ausgewählt und gefragt worden, ob sie zur Aftershowparty kommen wollen. Dabei soll es nach Schilderungen einiger Frauen auch zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Lindemann hat
am Donnerstag die Behauptungen einiger Frauen vehement zurückweisen
lassen, im Umfeld von Konzerten unter Drogen gesetzt worden zu sein, um
sexuelle Handlungen an ihnen vorzunehmen. "Diese Vorwürfe sind
ausnahmslos unwahr", hielten seine Anwälte fest und kündigten rechtliche
Schritte gegen die Vorwürfe an. In einer Rammstein-Stellungnahme von
Samstag hatte es zunächst geheißen, die Vorwürfe hätten die Band sehr
getroffen und man nehme sie außerordentlich ernst. "Wir verurteilen jede
Art von Übergriffigkeit", hieß es darin.
Die Grünen treten
abseits der Absage der beiden Rammstein-Konzerte in Wien dafür ein,
Konzerte generell sicher für Frauen zu gestalten und sexualisierte
Übergriffe zu verunmöglichen. "Reihen Null" sollen nach Ansicht der
Partei gänzlich unterbunden werden. Zudem brauche es verpflichtende Safe
Spaces in Konzertlocations und Awarenessteams vor Ort, an die man sich
im Fall der Fälle wenden kann. "Konzertveranstalterinnen und
-veranstalter sind in der Pflicht, entsprechende Maßnahmen und eine Zero
Tolerance Policy umzusetzen", so Meri Disoski, stv. Grünen-Klubobfrau
und Frauensprecherin.
Auch ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab
meldete sich in dieser Sache unlängst via Twitter zu Wort: "Ich halte
die Debatte in Deutschland über
Möglichkeiten zum besseren Schutz von Frauen bei den Konzerten für
richtig. Die Veranstalter und die Stadt Wien sind im Hinblick auf die
geplanten Rammstein-Konzerte im Juli gefordert, geeignete
Schutz-Konzepte zu erstellen."
Indes wurde eine Petition (https://mein.aufstehn.at/) ins Leben gerufen, die die Konzertveranstalter Arcadia Live und die Betreiber des Ernst-Happel-Stadions auffordert, mutmaßlichen Tätern keine Bühne zu bieten und die Rammstein-Konzerte abzusagen. Sie wurde bisher von rund 3.500 Personen unterzeichnet. Eine APA-Anfrage an Arcadia Live blieb bisher unbeantwortet.