Die Wiener Ärztekammer ist gegen das Vorhaben von Gesundheitsminister Johannes Rauch, die Wahlarztpraxen weniger attraktiv zu machen, um mehr Kassenärzte zu bekommen.
Der Obmann der Niedergelassenen Kurie in der Wiener Kammer, Erik Randall Huber, fordert stattdessen einen einheitlichen Leistungskatalog für den niedergelassenen Bereich inklusive Ambulanzen, um Kassenstellen für Ärzte attraktiver zu machen. Auch Bundeskurien-Obmann Edgar Wutscher will attraktivere Kassenverträge.
Rauch kann sich Deckel bei der Verrechnung vorstellen
Rauch kann sich etwa vorstellen, einen Deckel bei der Verrechnung einzuziehen oder die Wahlärzte zu verpflichten, den Kassenanteil der Behandlung elektronisch abzurechnen. Auch die Pflicht zur Verwendung der elektronischen Gesundheitsakte ELGA und einer Diagnosecodierung schwebt dem Minister vor, wie er in der Diskussion "im Klartext" am Mittwochabend erklärte.
Huber findet es hingegen "absurd", wenn
man glaube, man könne die Kassenärzte attraktiver machen indem man die
Wahlärzte weniger attraktiv macht. Das würde nur den Patienten schaden,
meint der Kurien-Obmann am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Er
schlägt stattdessen einen einheitlichen Leistungskatalog vor, der für
alle niedergelassenen Ärzte inklusive Ambulanzen und Tageskliniken
gelten sollte. Mit einem lukrativeren, einheitlichen Leistungskatalog
könnten seiner Meinung nach mehr Wahlärzte motiviert werden, eine
Kassenstelle zu übernehmen. Außerdem würden damit die Ambulanzen
entlastet und die Spitäler könnten sich auf die Behandlung ihrer
stationären Patienten konzentrieren. Dieser einheitliche
Leistungskatalog sollte dann auch regelmäßig adaptiert werden.
Wiener Ärztekammer: Kassenärzte sollen attraktiver werden
Den
Vorwurf, dass es den Ärzten dabei nur ums Geld gehe, wies Huber zurück.
Ihnen gehe es um eine Behandlung der Patienten "state of the art". Mit
dem derzeitigen Leistungskatalog könnten die Ärzte nur etwa die Hälfte
von dem, was sie gelernt haben, über die Kassen abrechnen. Für viele
Untersuchungen bzw. Behandlungen müsse er den Patienten extra etwas
verrechnen. "Das ist unerträglich." Wie viel ein solcher neuer
Leistungskatalog kosten würde, konnte Huber nicht abschätzen. Das hänge
von den Verhandlungen ab, für die die Ärztekammer bereit sei und auch
schon einen Vorschlag vorgelegt habe. Auf der anderen Seite könnten aber
durch eine Verlagerung in den niedergelassenen Bereich auch die
Spitäler entlastet werden.
Huber schlägt wesentliche Vereinfachung vor
Für die derzeitigen Verhandlungen zur
Finanzierung des Gesundheitswesens im Rahmen des Finanzausgleichs
schlägt der Kurienobmann eine wesentlich Vereinfachung vor. Seiner
Auffassung nach sollte es nur zwei Leistungszahler bzw. Töpfe geben:
Einen für die stationäre Behandlung im Spital und einen zweiten für den
niedergelassenen Bereich inklusive Ambulanzen. Wer dann welchen Bereich
finanziert, dass sollte in den Verhandlungen geklärt werden. Klar ist
für Huber jedenfalls, dass die derzeitige Querfinanzierung "das größte
Übel" sei, weil es nicht gut sei, wenn die Sozialversicherungen zwar
inzwischen der größte Zahler für die Spitäler sind, dort aber kein
Mitspracherecht haben.
Auch der Obmann der Bundeskurie der
niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer, Edgar
Wutscher, sprach sich im Ö1-"Mittagsjournal" dafür aus, die Angebote für
zukünftige Kassenärzte attraktiver zu machen. Dabei gehe es nicht nur
um die Bezahlung, sondern die Kassenverträge müssten großzügiger werden,
etwa auch indem Gemeinschaftspraxen entbürokratisiert werden. Notwendig
wären mehr Kassenstellen und dafür sei auch frisches Geld nötig, meinte
Wutscher.
Mehr Kassenstellen befürwortet auch der aktuelle Kassen-Vizeobmann Andreas Huss. Im Gegensatz zur Ärztekammer unterstützt Huss aber auch die Pläne des Gesundheitsministers, die Wahlärzte weniger attraktiv zu machen.