In der Wiener Ärztekammer wollen die verfeindeten Lager nun doch wieder einen gemeinsamen Weg finden.
In der Fraktion der "Vereinigung Österreichischer Ärzte" von Präsident Johannes Steinhart, in der es zuletzt heftige interne Auseinandersetzungen und Rücktrittsaufforderungen gegen Steinhart gab, wurde in einer Sitzung am Donnerstagabend ein Versuch der Befriedung gestartet. Ein Abwahlantrag gegen Steinhart als Fraktionsobmann wurde zurückgezogen.
Diesen Abwahlantrag hatte der Finanzreferent der Kammer, Frederic Tömböl, eingebracht. Er richtete sich sowohl gegen Steinhart als Obmann als auch gegen den Generalsekretär der Vereinigung, den früheren ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger. Tömböl wollte Steinhart als Fraktionsobmann ablösen. Dazu kam es aber nicht, der Antrag wurde zurückgezogen, wie Rasinger am Freitag im Gespräch mit der APA berichtete.
Stattdessen hat man sich auf eine Willensbekundung
verständigt. Mit dieser "Roadmap of peace" will man nun versuchen,
Frieden zwischen den beiden verfeindeten Lagern zu schaffen, erläuterte Rasinger. Am Ende der Sitzung habe man sich sogar wieder die Hände gereicht.
Ganz
ausgestanden dürfte die Angelegenheit aber noch nicht sein. Für
Mittwoch nächster Woche ist eine Vollversammlung der Wiener Ärztekammer
angesetzt, wo weitere Diskussionen um die Vorwürfe gegen die
Beschaffungsplattform Equip4Ordi, einer ausgelagerten
Tochtergesellschaft der Kurie niedergelassene Ärzte der Wiener Kammer, zu erwarten sind. Ein Abwahlantrag gegen Steinhart als Präsident steht dort aber nicht auf der Tagesordnung.
Auslöser der Querelen waren die Vorwürfe gegen die Beschaffungsplattform Equip4Ord. Bei
den mutmaßlichen Missständen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des
Verdachts der Untreue, Begünstigung und des schweren Betrugs. Die
Vorwürfe richten sich gegen die beiden Ex-Geschäftsführer der
Einkaufsplattform und einen Mitarbeiter der Wiener Kammer. Alle drei
Beschuldigten behaupten, sie hätten auf Weisung bzw. Genehmigung von
Steinhart gehandelt, was dieser zurückweist. An die Öffentlichkeit
gebracht hatte die Vorwürfe Erik Randall Huber, der Steinhart als Obmann
der Kurie der niedergelassenen Ärzte nachgefolgt ist. Ein
Misstrauensantrag der Vertrauten Steinharts gegen Huber hatte in einer
Kuriensitzung vor drei Wochen nicht die erforderliche
Zweidrittelmehrheit erreicht. Huber kündigte danach aber trotzdem an,
sich in einigen Monaten aus freien Stücken aus seiner Funktion
zurückzuziehen.
Unterdessen hat die Wiener Ärztekammer in einer Präsidiumssitzung eine andere personelle Weichenstellung und eine Umstrukturierung des Kammeramts vorgenommen. Als neue zweite Kammeramtsdirektorin wurde ab sofort Melody Buchegger-Golabi einstimmig installiert. Ihr wurde die Führung des Kammeramts inklusive der Personalverantwortung übertragen. Der bisherige Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber wird künftig die Wiener Ärztekammer gegenüber der Politik und Systempartnern nach außen vertreten sowie für Lobbying und die Beratung der Funktionärinnen und Funktionäre zur Verfügung stehen. Buchegger-Golabi wurde vom Präsidium damit beauftragt, unter anderem auch ein Konzept für die Neuorganisation der Ärztekammer zu erarbeiten.