Noch vor dem Sommer könnte die gemeinderätliche U-Kommission zur Causa Wien Energie beendet werden.
Zumindest hat die ÖVP am Dienstag entsprechende Gespräche mit den anderen Fraktionen angekündigt. Laut Plan würde das Gremium, das die Kreditvergaben an den Versorger prüft und das von ÖVP und FPÖ eingesetzt wurde, noch bis Dezember laufen. Da man zu wenige Unterlagen erhalte, mache das aber wenig Sinn, befanden VP-Chef Karl Mahrer und Klubobmann Markus Wölbitsch.
U-Kommission zur Causa Wien Energie könnte früher enden
Formal braucht es für eine Beendigung die Zustimmung einer Mehrheit in der Kommission. Zugleich kann sie aber auch nicht gegen den Willen jener Fraktionen, die sie eingesetzt haben, finalisiert werden. Die ÖVP sieht laut eigenen Angaben wenig Sinn in einer Fortsetzung im Herbst. Das tut auch die SPÖ nicht, wie sie am Montag klargemacht hat - allerdings weil sie der Ansicht ist, dass die Richtigkeit der Vorgangsweise in der Causa durch die bisherigen Befragungen bestätigt wurde und keine weiteren Zeugen nötig sind.
ÖVP behauptet SPÖ hätte die U-Kommission "zur Farce" gemacht
Die ÖVP wünscht hingegen ein Aus, weil
die SPÖ die Kommission "zur Farce" gemacht hat, wie man befindet.
Unterlagen würden einfach nicht geliefert, wird beklagt. Die Volkspartei
hatte unter anderem die Herausgabe von Handydaten des Bürgermeisters
Michael Ludwig (SPÖ) urgiert. Allerdings gibt es in Wien
anders als im Bund keinen Rechtsanspruch auf eine solche
Datenlieferung. Die ÖVP wünscht nun unter anderem eine entsprechende
Reform der U-Kommission.
Forderung nach einer Novellierung der Notkompetenz
Weiters wird eine Novellierung der
Notkompetenz verlangt. Über eine solche verfügen alle Bürgermeister -
nicht nur jener der Stadt Wien.
Hier, so empfiehlt die ÖVP, solle nun aber auch klar definiert werden,
dass der Stadtsenat binnen 24 Stunden über einen derartigen Akt
informiert werden muss. Dies könne auf Landesebene geregelt werden.
Sympathien für das vorzeitige Aus der U-Kommission von den Grünen
Die
Grünen stießen am Dienstag in dasselbe Horn. Klubchef David Ellensohn
ließ bei einem Medientermin Sympathien für ein vorzeitiges Aus der
Kommission erkennen. Denn die Stadt habe "einen Haufen Anträge" des
Gremiums, die dort einstimmig beschlossen worden seien, ignoriert. Laut
Ellensohn wäre es etwa nötig, Einblick in Kalendereinträge zu erhalten,
um abzuschätzen wann wer in der Stadt über das Thema Wien Energie gesprochen hat.
Vorgänge in der Wien Energie nicht unter die Lupe genommen
Ellensohn
forderte Bürgermeister Ludwig auf, mittels Weisung die Beischaffung der
Unterlagen zu ermöglichen. Sollte dies Geschehen, wäre eine Fortsetzung
der U-Kommission sinnvoll, sagte er. Wenn nicht, sei er ebenfalls für
eine Beendigung. Auch Ellensohn drängte auf eine Reform der
Kontrollinstanz. Ausgegliederte Unternehmen sollten ebenfalls geprüft
werden dürfen. Derzeit können etwa konkrete Vorgänge in der Wien Energie in der Kommission nicht unter die Lupe genommen werden, sondern nur die politischen Handlungen in diesem Zusammenhang.
Die
kommenden vier Sitzungen im Mai und im Juni könnten somit schon die
letzten der Ende vergangenen Jahres initiierten Kommission sein. Für
diese Termine wurden bereits großteils Zeugenladungen fixiert. Die ÖVP
kündigte heute Gespräche mit allen Fraktionen an, um über die weitere
Vorgangsweise zu beraten.
FPÖ äußerte sich in einer Reaktion bereits zurückhaltend
Die FPÖ äußerte sich in einer Reaktion
aber bereits zurückhaltend. FPÖ-Chef Dominik Nepp und FPÖ-Klubobmann
Maximilian Krauss betonten, dass jedenfalls noch wichtige Zeugen
vernommen werden müssten. Gewünscht wird etwa die Befragung aller
Stadträte - sowohl der amtsführende wie der nicht amtsführenden. Diese
sollten über ihre Wahrnehmungen die Notkompetenz betreffend befragt
werden. Beschlüsse bzw. Ladungen gibt es dazu aber noch nicht.
Auch wenn kaum Akten geliefert worden seien, gebe es noch einiges zu tun, um die Vorgänge rund um die Notkompetenz des Bürgermeisters in Sachen Wien Energie aufzuklären, zeigten sich die Freiheitlichen überzeugt.
Forderung nach früherem Ende für U-Kommision für NEOS "Ablenkungsmanöver"
Die NEOS äußerten am Nachmittag die Ansicht, dass sich die ÖVP mit
der Einsetzung der U-Kommission wohl verspekuliert habe. Die Forderung
nach einer Absetzung sei ein "Ablenkungsmanöver", vermuteten der pinke
Fraktionsführer in der U-Kommission, Stefan Gara, und sein
Stellvertreter Jörg Konrad. Man habe ausführliche Zeugenaussagen und
eine gute Vorsitzführung erlebt. Die ÖVP sei hingegen planlos und wisse
nicht einmal mehr, wen sie vorladen solle.
Zudem seien die Vorschläge der Volkspartei zur neuerlichen Reform der U-Kommission rechtlich gar nicht möglich, betonte man. Dass der Landesverwaltungsgerichtshof etwa als Schiedsinstanz bei Beweisanträgen fungiert, verbietet laut NEOS die Bundesverfassung.
SPÖ Wien greift Wiener ÖVP scharft an
"Mit
Einstellung der Untersuchungskommission will sich die ÖVP aus der Affäre
ziehen, die sie selbst erfunden hat", lautete die Schlussfolgerung von
SPÖ-Fraktionschef Thomas Reindl. Dies sei "unterste Schublade". Die ÖVP
habe einen Skandal ausgerufen und mit Unwahrheiten und Unterstellungen
agiert, ärgerte er sich in einer Aussendung.
Tatsächlich hätten
Stadt, Stadtwerke und Wien Energie sich "absolut korrekt verhalten", so
Reindl. Das "Abdrehen" der Kommission sei zudem Wunschdenken, denn die
ÖVP müsse sich zuerst mit der FPÖ einigen und einen Auflösungsantrag
einbringen. "Und seitens der FPÖ gibt es kein Signal die UK beenden zu
wollen, im Gegenteil", stellte Reindl fest.