Bei einer Drag-Queen-Lesung für Kinder am Sonntag in einem Szenelokal der LGBTIQ+-Community in Wien wird es kein Platzverbot geben.
Aktivistinnen und Aktivisten der Community, Grüne und SPÖ hatten eine solche Schutzzone gefordert, weil die FPÖ, die rechtsextremen Identitären und christliche Fundamentalisten für eine Demo direkt vor dem Veranstaltungsort in Wien mobilisieren. Über die Entscheidung der Polizei zeigten sich die Organisatoren am Freitag enttäuscht.
Drag-Queen-Lesung für Kinder in Wien
Rund um den Veranstaltungsort - die Türkis Rosa Lila
Villa in der Linken Wienzeile - wird lediglich ein sogenannter
Schutzbereich eingerichtet, hieß es am Freitag in einer Aussendung der
Landespolizeidirektion Wien. Bisher seien keine expliziten Aufrufe zu
Gewalt oder sonstigen Eskalationen bekannt.
Ein Schutzbereich ist
im Versammlungsgesetz vorgeschrieben, um zwischen mehreren Versammlungen
einen gewissen Mindestabstand zu garantieren. Insgesamt sind im Bereich
um das Lokal nämlich sieben Versammlungen angezeigt - darunter Demos
gegen die Lesung sowie als Reaktion darauf Solidaritätsdemos für die
LGBTIQ+-Community. Um ein Aufeinandertreffen zu verhindern, wird die
Schutzzone u.a. mit Tretgittern gesichert. Die Linke Wienzeile ist ab etwa sieben Uhr Früh gesperrt.
Kein Platzverbot bei Drag-Queen-Lesung in Wien
Denise
Van de Cruze vom Lesungs-Veranstaltungsort Villa Vida und dem
zivilgesellschaftlichen Bündnis "Wien ist queer. Drag is not a crime"
kritisierte die Entscheidung der Polizei gegen ein Platzverbot. Statt
einer großflächigen Schutzzone werde es nur eine Trennung der beiden
gleichzeitig stattfindenden Demos durch eine Sperre geben. "Es zeigt, wo
die Prioritäten bei der Polizei liegen: Nämlich die rechtsextreme Demo
zu schützen und nicht die Villa, die Lesung/Show für Kinder,
Regenbogenfamilien oder queeren Safespaces." Dabei habe die Polizei aus
ihrer Sicht einen besonderen Schutzauftrag gegenüber schutzbedürftigen
Gruppen wie etwa Kindern und Minderjährigen. "Für uns ist zudem nicht
nachvollziehbar, warum die Behörden die aufgehetzte Stimmung in den
rechtsextremen Telegram Kanälen nicht als Eskalationspotential und
Gefahr betrachtet."
Auch für die Grünen Andersrum kann der
Pufferbereich nicht sicherstellen, "dass Kinder und ihre Familien
ungestört und sicher zu und von dieser Lesung kommen können".
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Viktoria Spielmann warnte in einer
gemeinsamen Aussendung vor dem Gefährdungspotenzial und verwies dabei
auf Hetze gegenüber LGBTIQ+ Menschen in einschlägigen rechtsextremen
Telegram-Gruppen rund um die Veranstaltung. "Der Schutz der Türkis Rosa
Lila Villa und ihrer Bewohner:innen und der Drag Veranstaltung für
Kinder muss in der Regenbogenhaupstadt absolute Priorität haben",
forderte sie den zuständigen Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) auf,
"dieser rechtsextremen Hetze endlich klar entgegen zu treten".
Türkis Rosa Lila Villa in Wien war erst vor kurzem Angriffsziel
Die
Türkis Rosa Lila Villa war erst vor kurzem Angriffsziel, als
mutmaßliche Rechtsextreme in der Nacht auf den 29. März auf ein
Baugerüst kletterten, ein Plakat mit einer gegen die Community
gerichteten Parole befestigten und hunderte Flugblätter verteilten. Auch
Drag-Queen-Lesungen waren bereits im Visier von mutmaßlich
Rechtsextremen: Im Vorjahr wurde vor einer Lesung in einer Wiener
Bücherei im Rahmen des Pride-Monats der Eingang zugemauert.
Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp hat unterdessen per Aussendung eine Absage der Drag-Queen-Lesung gefordert. Bei dieser finde "eine inakzeptable Frühsexualisierung von Kleinkindern" statt, die dem Kinder- und Jugendschutz widerspreche. Anfang März hatte die FPÖ in einer Sondersitzung des Wiener Landtags ein generelles Verbot von Drag-Queen-Shows für Kinder gefordert.