Die Rekordinflation hat der Caritas-Winternothilfe traurige Rekorde gebracht. Das Kältetelefon der Hilfsorganisation verzeichnete mehr als 9.000 Anrufe.
In den Wärmestuben wurden über 17.500 Besuche registriert. Mehr als 1.000 Freiwillige waren im Einsatz. "Unser Ziel war von Beginn an klar: Kein Mensch soll auf Wiens Straßen erfrieren müssen", sagte Klaus Schwertner, Caritas-Direktor der Wiener Erzdiözese, am Mittwoch. Dieses Ziel sei erreicht worden.
Rekordwinter für Wiener Caritas-Nothilfe durch die hohe Inflation
Seit Anfang November ist die Winternothilfe der Caritas der Erzdiözese Wien aktiv. "Die kalte Jahreszeit ist für obdachlose Menschen besonders hart, Aufenthalte im Freien sind bei Minusgraden absolut lebensgefährlich", betonte Schwertner in einer Aussendung. "Die Wintersaison 2022/23 wird ein absoluter Rekordwinter sein." Die gute Nachricht laute: "Obwohl die Temperaturen vergleichsweise moderat geblieben sind, hat nicht nur die Not zugenommen, sondern auch die Hilfe hat rekordverdächtige Ausmaße erreicht."
525 Menschen konnten einen Schlafplatz der Caritas nutzen
Insgesamt konnten 525
Menschen in den vergangenen Monaten einen Schlafplatz in Notquartieren
der Caritas nutzen, der im Rahmen der städtischen Winternothilfe
gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien
zur Verfügung gestellt wurde. Trotz der bereitgestellten
Notquartiersbetten sind nach Schätzungen der Caritas allerdings einige
hundert Menschen in Wien
aus unterschiedlichen Gründen akut obdachlos. Mobile Angebote wie das
mobile Ärztinnen- und Ärzteteam vom Louisebus und den Suppenbussen und
vor allem die Streetwork-Teams der Caritas sind für diese Menschen
essenziell. Damit die Hilfe in Form von winterfesten Schlafsäcken,
Winterkleidung und warmen Decken zu den betroffenen Menschen kommt, ist
die Caritas auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen, hieß es.
85 Kältetelefon-Freiwillige betreuten über 9.000 Anrufer
Schwertner:
"Durch die Unterstützung von 85 Kältetelefon-Freiwilligen und über
9.000 Anruferinnen und Anrufer konnten wir in diesem Winter 380 akut
obdachlose Menschen in ein warmes Notquartier bringen oder vermitteln."
Bis Ende April ist das Caritas Kältetelefon in Wien
unter 01/480 45 53 noch erreichbar und mehrere Streetwork-Teams der
Caritas sind weiterhin täglich unterwegs, um den Anrufen nachzugehen und
obdachlose Menschen zu versorgen.
Nachfrage in den Wärmestuben der Caritas so groß wie noch nie
In den 39 Wärmestuben der
Caritas war die Nachfrage so groß wie noch nie: An 355 Öffnungstagen
wurden mehr als 17.500 Besuche gezählt - beinahe 7.000 mehr als im
Vorjahr. Stark nachgefragt werden auch die vier erstmals angebotenen
Frauenwärmestuben. Besucht werden die Wärmestuben von wohnungslosen
Menschen genauso wie von Menschen, die zwar eine Wohnung, aber keine
finanziellen Mittel mehr haben, diese ausreichend zu heizen.
34.400 Mahlzeiten wurden vom Canisibus ausgegeben
Ein
ähnliches Bild zeigte sich beim Canisibus, dem Suppenbus der Caritas.
Hierher kommen immer mehr armutsbetroffene Menschen, die noch ein Dach
über dem Kopf haben. Rund 34.400 Mahlzeiten wurden in den vergangenen
Monaten von freiwilligen Helferinnen und Helfern zubereitet und an
unterschiedlichen öffentlichen Plätzen ausgegeben. Auch in der
Obdachloseneinrichtung "Gruft" wurden seit Anfang November 32.806
Mahlzeiten ausgegeben, 5.702 Mal fanden obdachlose Menschen dort während
der letzten Monate ein warmes Bett. Ebenso wurde das medizinische
Angebot des Louisebus gut genutzt: 990 Menschen konnten in den
Wintermonaten von freiwillig tätigen Ärztinnen und Ärzten medizinisch
versorgt werden, insgesamt wurden 2.644 Behandlungen durchgeführt.
Steigende Miet- und Energiepreise machen Thema Wohnungslosigkeit aktueller den je
Die
Caritas machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass das Thema
Wohnungslosigkeit in Zeiten steigender Miet- und Energiepreise von
besonderer Aktualität ist. Für immer mehr Menschen sind die Kosten kaum
noch zu bewältigen. "Wir sehen es in unserer täglichen Arbeit: Immer
mehr Menschen bangen darum, ihre Wohnkosten stemmen zu können", sagte
Schwertner. "Bereits im vergangenen Jahr sind die Delogierungen um 20
Prozent gestiegen. Um Menschen vor Obdachlosigkeit zu schützen braucht
es dringend langfristige strukturelle Entlastungen wie eine grundlegende
Reform der Sozialhilfe Neu oder eine langfristige Unterstützung im
Bereich immer stärker steigender Mieten."
Caritas Spendenkonto: IBAN: AT16 3100 0004 0405 0050; BIC: RZBAATWW; BLZ 31000; Kennwort: "Gruft Winterpaket"; Online-Spenden: www.gruft.at