Am Donnerstag hat die Tagung der OSZE in Wien begonnen. Die Anwesenheit der russichen Delegation sorgte für Kritik. Vor dem OSZE-Haupteingang am Wiener Heldenplatz fand eine Demonstration statt.
Die Wintertagung der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat am Donnerstag in Wien begonnen. Die Anwesenheit russischer Abgeordneter sorgt für viel Kritik. Unmittelbar vor dem OSZE-Haupteingang demonstrierten etwa 15 Vertreter der ukrainischen Diaspora. In seinen Eröffnungsworten sagte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP): "Wir stehen in ungeteilter Solidarität an der Seite der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volkes!"
Demo vor der OSZE-Tagung in Wien
Demonstration vor OSZE-Tagung in Wien mit russischer Delegation
Vor dem Veranstaltungsort am Wiener Heldenplatz verlief der Auftakt der Wintertagung vergleichsweise ruhig. Während sich Delegierte lange vor einem Container anstellten, um ihre Akkreditierungen abzuholen und es dadurch zu Verzögerungen kam, erfuhr die russische Delegation eine gesonderte Behandlung: Die vom Duma-Vizepräsidenten Pjotr Tolstoj angeführte Delegation wurde über einen Hintereingang in die Hofburg gelotst, bestätigten Behördenvertreter der APA.
Demonstrationen vor der OSZE-Tagung von ukrainischer Diaspora
Keinen Sichtkontakt zu den Russen gab es daher auch für Demonstranten. "Russische Verbrecher, die diesen Krieg propagieren, wurden zum Verhandlungstisch eingeladen", kritisierte Aktivistin Anna Pattermann gegenüber der APA. Zur Diaspora gesellten sich zudem Angehörige jener ukrainischen Parlamentarierdelegation, die die Tagung selbst boykottiert. Die Oppositionsabgeordnete Iryna Heraschtschenko nutzte die Szenerie für einen Liveeinstieg: Von diesem Balkon habe einst Hitler zum Annexion von Österreich gesprochen, nun passiere eine "Schande", erzählte sie einem ukrainischen Fernsehsender. "Zum Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine findet eine Tagung statt, zu der Vertreter Russlands und von Belarus eingeladen wurden: Alle diese Sluzkis und Tolstojs, die für die Annexion der Krim gestimmt haben", prangerte die Ukrainerin an. Leonid Sluzki ist der Leiter des Außenausschusses in der Duma und steht ebenso wie der russische Delegationsleiter Pjotr Tolstoj auf der EU-Sanktionsliste.
Gruppe sozialdemokratischer Aktivisten vor OSZE-Tagung
Etwas
abseits machte zudem eine kleine Gruppe sozialdemokratischer
Aktivistinnen und Aktivisten auf sich aufmerksam. Bewusst zum Auftakt
der OSZE-Parlamentarierversammlung wolle man auch die Bundesregierung
dazu aufzufordern, eine aktive Neutralitätspolitik zu betreiben, sagte
die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Katharina Kucharowits der APA.
Laut Sobotka sei es "Pflicht" fder OSZE-Mitglieder "die Tür der Diplomatie nicht zuszuschlagen"
Gleichzeitig
sei es die "Pflicht" der Mitglieder der OSZE und unserer
Parlamentarischen Versammlung "die Tür der Diplomatie nicht
zuzuschlagen", betonte Sobotka. Die Präsidentin der Parlamentarischen
Versammlung, Margareta Cederfelt, rief zu einer Schweigeminute für die
Opfer des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und des verheerenden
Erdbebens in der Türkei und Syrien auf. Sie kritisierte die russische
Aggression scharf. Moskau "verletzt jedes Prinzip des internationalen
Rechts", erklärte Cederfelt. Auch der amtierende OSZE-Vorsitzende, der
nordmazedonische Außenminister Bujar Osmani, verurteilte "den
unprovozierten Angriff" Russlands auf die Ukraine in einer
Videobotschaft.
Die OSZE wurde 1995 gegründet
Die 1995 gegründete OSZE ist die größte regionale
Sicherheitsorganisation der Welt. Der Parlamentarischen Versammlung (PV)
gehören 323 Parlamentarier aus 56 Staaten an. Die diesjährige
Wintertagung findet am Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die
Ukraine statt. Russland hat für die Versammlung neun
Delegationsmitglieder eingemeldet, davon stehen sechs Personen auf den
EU-Sanktionslisten. Die Ukraine und Litauen boykottieren deshalb das
Treffen.
US-Kongressabgeordnete kritisierten Visavergabe an Russen
Zwei US-Kongressabgeordnete - der Demokrat Steve Cohen und der Republikaner Joe Wilson - kritisierten gegenüber dem US-Auslandssender Radio Free Europe/Radio Liberty die Visavergabe an die russische Delegation durch Österreich.
Schreiben gegen die Teilnahme der russichen Delegation an OSZE-Treffen
81 Abgeordnete aus 20 Ländern hatten bereits Anfang
Februar Österreich aufgefordert, die Teilnahme der russischen Delegation
an der OSZE-Tagung in Wien
zu verhindern. Parlamentarier aus Polen, Litauen, Belgien, Kanada,
Tschechien, Dänemark, Estland, Frankreich, Georgien, Deutschland,
Island, Lettland, den Niederlanden, Norwegen, Rumänien, der Slowakei,
Slowenien, Schweden, der Ukraine und Großbritannien unterzeichneten das
Schreiben.
OSZE-Tagung in Wien dauert bis Freitag an
Die Tagung der parlamentarischen Versammlung der OSZE in Wien
dauert bis Freitag. Bei vorangegangenen OSZE-Treffen hatten die
Gastgeber Großbritannien und Polen keine Russen einreisen lassen.
Österreichs Außenministerium vertritt den Standpunkt, dass man als Land,
in dem die OSZE ihren Hauptsitz hat, zur Erteilung der Visa
verpflichtet sei. Auch die OSZE bestätigte das. "Die ausgestellten Visa
erlauben lediglich die Teilnahme an der OSZE-Versammlung. Bei Missbrauch
wird das Visum aufgehoben", erklärte ein Sprecher des Innenministeriums
gegenüber der APA. Der Besuch anderer Veranstaltungen, wie etwa des
freiheitlichen Akademikerballs am Freitag, wäre demnach nicht erlaubt.
Weitere Kritik an der OSZE-Tagung: Journalisten nicht zugelassen
Für
Kritik sorgte außerdem, dass die OSZE keine Journalisten zur
Veranstaltung in die Hofburg lässt. "Diese Entscheidung wurde aus
logistischen und sicherheitstechnischen Gründen getroffen", erklärte die
PV auf Anfrage. Das Treffen wird auf YouTube und Facebook übertragen.
Journalistenvereinigungen kritisierten den Ausschluss der Medien. Die
Vereinigung der Europajournalistinnen und -journalisten (AEJ) und der
Verband der Auslandspresse in Wien
warnten in einem Schreiben an die OSZE, die Entscheidung könne "die
Freiheit der unabhängigen Berichterstattung stark beeinträchtigen".