Am Freitag müssen sich in Deutschland zehntausende Flugpassagiere aufgrund eines Warnstreiks auf Verspätungen und Ausfälle gefasst machen. Ob Verbindungen nach Wien betroffen sind, ist vorerst noch unklar.
Die Gewerkschaft Verdi kündigte in der Nacht auf Mittwoch an, dann die Airports in München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart, Dortmund, Hannover und Bremen ganztägig lahmlegen zu wollen - und weitet damit den Tarifstreit im Öffentlichen Dienst auf Flughäfen aus. Die Beschäftigten der Betreibergesellschaften werden häufig nach den Tarifverträgen der Kommunen bezahlt.
Warnstreik an deutschen Flughäfen: Beginn am Freitag
Der Warnstreik soll am Freitag in der Früh
beginnen und in der Nacht auf Samstag enden. Hilfslieferungen zu den
Erdbebenopfern in die Türkei und nach Syrien sollen vom Streik
ausgenommen sein.
Mit den fortgesetzten Warnstreiks in
Deutschland wollen die Beschäftigten ihren Forderungen im laufenden
Tarifstreit des öffentlichen Diensts von
Bund und Kommunen Nachdruck verleihen. Bis zur zweiten Runde der
Tarifverhandlungen am 22. und 23. Februar sind weitere Warnstreiks unter
anderem in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
angekündigt.
Betroffenheit von Wien-Verbindungen noch unklar
Ob davon Verbindungen von und nach Wien betroffen sind, stehe derzeit noch nicht fest und hänge von
der konkreten Ausgestaltung der Streikmaßnahmen ab, hieß es seitens des
Flughafen Wien auf APA-Anfrage. "Wir empfehlen Reisenden, sich bei
den Fluglinien bezüglich des Status ihrer gebuchten Flüge zu
erkundigen, einen Überblick über den aktuellen Flugplan bietet auch die
Homepage des Flughafen Wien."
In den laufenden Tarifverhandlungen fordern Verdi und
der Beamtenbund dbb 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500
Euro mehr für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst von Bund und
Kommunen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate
betragen. Die Arbeitgeber haben die Forderungen bisher zurückgewiesen.
Gleich
drei Tarifkonflikte werden am Freitag an den Flughäfen ausgetragen.
Neben dem öffentlichen Dienst sind es örtliche Verhandlungen für die
Bodenverkehrsdienste sowie eine Tarifrunde für die Luftsicherheit, in
der deutschlandweit verhandelt wird.
Katastrophaler Arbeitskräftemangel bei Beschäftigten
Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle sagte, bei
den Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste herrsche nach wie vor ein
katastrophaler Arbeitskräftemangel. Um diese Situation zu ändern, müsse
für sie eine attraktive Lohnerhöhung erfolgen. Die Beschäftigten der
Luftsicherheit hätten Anspruch auf eine Erhöhung der Zuschläge in den
Manteltarifverträgen. Im "Handelsblatt" (Mittwoch) warnte sie: "Wir
brauchen dringend bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im
Luftverkehr, sonst droht der nächste Chaossommer."
"Inflation,
hohe Energie- und Lebensmittelpreise treiben die meisten Beschäftigten
in eine unsichere Situation", sagte Behle laut Verdi-Mitteilung und
fügte hinzu: "Viele wissen nicht mehr, wie sie ihre Mieten bezahlen und
den Kühlschrank füllen sollen. Sie brauchen deutlich mehr Geld, um ihren
Lebensunterhalt zu bestreiten." Das müssten die Arbeitgeber einsehen
und dementsprechend reagieren.
Streik an Flughäfen: Auswirkungen im innerdeutschen Flugverkehr
Wegen des Streiks ist der Gewerkschaft zufolge mit starken Auswirkungen vor allem im innerdeutschen Flugverkehr zu rechnen - von
Verspätungen, über Ausfälle bis hin zum teilweisen Erliegen des
Luftverkehrs. Behle wies darauf hin, Hilfslieferungen für die
Erdbebenopfer in die Türkei und nach Syrien würden nicht bestreikt.
Viele Hilfslieferungen würden zudem über das Zentrum für
Auslandslogistik des THW in Mainz erfolgen.
Der
Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel,
kritisierte den angekündigten Warnstreik scharf. Wenige Tage vor der
zweiten Runde der Tarifverhandlungen setze Verdi den deutschen
Luftverkehr einer beispiellosen Eskalation aus, sagte er. Wenn am
Freitag sieben der größten zehn deutschen Flughäfen ganztägig bestreikt
würden, habe dies nichts mehr mit einem Warnstreik zu tun. "In
unzumutbarer Weise soll ein ganzes Land vom internationalen Luftverkehr
abgeschnitten werden." Die Leidtragenden seien hunderttausende Passagiere, Privat- wie Geschäftsreisende, zusätzlich Teile der Luftfracht und Warenlogistik.
Verdi streikte bereits in zwei anderen Tarifkonflikten im Jänner
Verdi
hatte im Jänner bereits in zwei anderen Tarifkonflikten die Flughäfen
in Berlin und Düsseldorf bestreikt. In der NRW-Hauptstadt ging es um
einen neuen Abschluss beim Bodenabfertiger Aviapartner, in Berlin
streikten die Beschäftigten der Betreibergesellschaft, der
Bodenverkehrsdienste sowie die Luftsicherheitskontrolleure. In Berlin
wurde nach dem Warnstreik eine Einigung erzielt.
Der Luftverkehr
ist wegen der zersplitterten Dienstleister extrem streikanfällig, weil
viele kleine, sicherheitsrelevante Gruppen streikmächtig genug sind, den
Betrieb lahmzulegen. Im Grunde reicht der Streik der
Flughafenfeuerwehr, um den gesamten Betrieb stillzulegen.
Letzter großer Warnstreik liegt einige Jahre zurück
In der
Vergangenheit haben beispielsweise die Kräfte an der Passagierkontrolle,
die Piloten, Techniker, Flugbegleiter, Vorfeldlotsen oder das
Bodenpersonal gestreikt. Sie werden teilweise von
Spartengewerkschaften vertreten. Verdi hat unter anderem über den hier
im Streit stehenden Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes, nach dem
viele Beschäftigte der Flughafengesellschaften bezahlt werden, Zugriff
auf die Fluginfrastruktur.
Der bisher letzte große Warnstreik mit ähnlichen Folgen liegt bereits einige Jahre zurück: Im April 2018 mussten deutschlandweit hunderte Flüge annulliert werden, weil die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes nicht vorankamen. In acht Bundesländern legten daher bei einem Warnstreik zehntausende Beschäftigte die Arbeit nieder. Neben Flughäfen waren vielerorts auch der städtische Nahverkehr, Kitas, Kliniken, Verwaltungen und Hallenbäder betroffen.