Derzeit stellt sich die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, welche seit 1998 tätig ist, neu auf.
Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie war 2021 Anlaufstelle für 6.494 Menschen, die von Gewalt in der Familie und/oder Stalking betroffen sind. Die bisherige Geschäftsführerin und Mitbegründerin hat die Leitungsfunktion zurückgelegt und geht in Pension. Der Posten werde im Frühjahr 2023 ausgeschrieben, berichtete der "Standard".
Rosa Logar ist Expertin in Gewaltschutz und Frauenrechten
Rosa Logar sei eine Expertin in Sachen Gewaltschutz und Frauenrechte, "die so viel auf den Weg gebracht hat und immer eine Stimme
für die Betroffenen war und ist", sagte Maria Rösslhumer,
Geschäftsführerin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF), im
APA-Gespräch. Logar habe "das erste Frauenhaus mitbegründet, maßgeblich
am Gewaltschutzgesetz mitgearbeitet" und vieles mehr. Sie habe sich
"auch immer kritisch geäußert, wenn sie der Ansicht war, dass
Entwicklungen falsch laufen könnten, und das muss man ihr hoch
anrechnen. Auch wenn Kritik nicht immer angenehm ist".
Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt stellt sich neu auf
Der "Standard" berichtete am Donnerstag online über "Turbulenzen" in der als Verein organisierten Interventionsstelle in Wien. Die Rede ist von mangelnder Kooperationsbereitschaft gegenüber anderen Stellen im Gewaltschutzbereich, aber auch zuletzt hoher Personalfluktuation. So hätten seit Beginn der Corona-Pandemie "rund 20" der in etwa 50 Mitarbeiterinnen gekündigt.
Rosa Logar habe oft darauf hingewiesen, wie sehr die Interventionsstelle in Wien und die dort Beschäftigten "gefordert waren". Angesichts von weit über 6.000 Klientinnen pro Jahr - laut Tätigkeitsbericht erreichte die Anzahl der beratenen Personen 2021 einen Höchststand seit der Gründung - seien sie "Feuerlöscherinnen", so Rösslhumer. Logar selbst hatte immer betont: Jede Beraterin betreue in der Interventionsstelle mehr als 300 Fälle, ein Bewährungshelfer dürfe maximal 35 Schützlinge haben. Dazu komme die schwierige Situation durch Covid und die seither dazugekommenen Krisen, gab Rösslhumer zu bedenken. "Es ist unmöglich, dass sich diese Entwicklungen nicht auch auf die Teams auswirken. In allen Institutionen, auch in der Pflege und im übrigen Gesundheitsbereich, herrschen Personalnot und Unzufriedenheit." Die Kritik habe sie jedenfalls "völlig überrascht".
Leitung der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt ist Barbara Ille
Die Leitung
der Wiener Interventionsstelle hat bereits seit Oktober interimistisch
die bisherige stellvertretende Geschäftsführerin, Barbara Ille, inne.
Sie sieht die Einrichtung weder in Turbulenzen noch geschwächt, sondern
gut mit anderen Stakeholdern vernetzt. Die Zahl der Mitarbeiterinnen -
wie zuletzt immer in etwa 50 - werde noch ausgebaut. Es habe keine rund
20 Kündigungen gegeben, mehrere dieser Mitarbeiterinnen seien in
Babykarenz. "Ob die Fluktuation - die es gegeben hat - höher als in
anderen Einrichtungen war, kann ich nicht beurteilen. Sie hat sicher
etwas mit der hohen Arbeitsbelastung zu tun", hielt Ille fest. Rosa
Logar bezeichnete sie als "Pionierin", die "für Opferschutz in
Österreich unendlich viel geleistet hat".
(S E R V I C E - Interventionsstelle https://www.interventionsstelle-wien.at/ - AÖF www.aoef.at - Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555, rund um die Uhr, anonym, kostenlos und mehrsprachig: www.frauenhelpline.at - Onlineberatung für Mädchen und Frauen im HelpChat, täglich 18-22 Uhr und jeden Freitag von 9-11 Uhr, mehrsprachig: www.haltdergewalt.at - Infowebsite für Kinder und Jugendliche: www.gewalt-ist-nie-ok.at - StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt: https://stop-partnergewalt.at/ )