Rund um den Missbrauchsfall um einen Sportlehrer an einer Wiener Schule gibt es neue Vorwürfe gegen die Direktion der Mittelschule.
Es war ein Wiener Sportlehrer, der bis zu seinem Suizid im Mai 2019 an einer Wiener Mittelschule etliche Buben im Alter von neun bis 14 Jahren missbraucht haben dürfte. Nun gibt es in diesem Fall neue Vorwürfe. Diese richten sich auch gegen den früheren und den derzeitigen Direktor der betroffenen Schule und wurden seitens der Opfer-Anwältin Herta Bauer, die mehrere ehemalige Schüler vertritt, in einer weiteren Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht.
Missbrauchsfall an Wiener Schule: Weitere Vorwürfe gegen Direktion
Eine erste Sachverhaltsdarstellung, die Bauer Ende September gegen zwei mögliche Mittäter des Pädagogen wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses eingebracht hatte, war von der Anklagebehörde nicht aufgegriffen worden. Die Staatsanwaltschaft kam nach kurzer Prüfung zum Schluss, dass die aktuelle Verdachtslage nicht für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren reiche. Die zwei langjährigen Bekannten des Sportlehrers - ein ehemaliger Schüler des Pädagogen sowie ein früherer Lehrer an einer anderen Schule und Basketball-Trainer - wären von diesem bei einem Sportverein "eingeschleust" worden und hätten sich dort gegenüber Kindern und Jugendlichen übergriffig verhalten, hatte die in der Anzeige geäußerte Verdachtslage gelautet.
Weitere Zeugen meldeten sich bei der Opfer-Vertreterin
Zwischenzeitlich
haben sich nun weitere Zeuginnen und Zeugen bei der Opfer-Vertreterin
gemeldet und Aussagen getätigt, die vor allem den schulischen Bereich
betreffen und sich gegen die Schulleitung richten. Der mutmaßlich über
viele Jahre hinweg übergriffige Sportlehrer war im Frühjahr 2019 von
einem früheren Schüler angezeigt worden. Nachdem bei dem Pädagogen eine
Hausdurchsuchung stattgefunden hatte, soll der Direktor in Kenntnis der
angelaufenen Ermittlungen diesen ungeachtet dessen nicht unverzüglich
außer Dienst gestellt haben. Der Lehrer konnte daher noch bis zum 24.
Mai 2019 unterrichten, wobei die letzten Tage vor seinem Suizid
Zeugenangaben zufolge von "besonders aggressivem Verhalten gegenüber
seinen minderjährigen Schülern", wie in der Anzeige dargelegt wird,
geprägt waren. Von sportlichen Schindereien bei Hitze im Turnunterricht
und verbalen Ausfällen ist in diesem Zusammenhang die Rede, einen
Schüler soll der Lehrer am Ohr gezogen haben.
Angaben von ehemaligen Schülern erhärten Verdachtsmomente
Jüngste Angaben von
ehemaligen Schülern erhärten auch Verdachtsmomente, dass nach dem Suizid
des Sportlehrers in der Schule möglicherweise Beweismaterial beiseite
geschafft wurde, das im Rahmen der beim Pädagogen durchgeführten
Hausdurchsuchung von der Polizei nicht beachtet worden war. Die
Hausdurchsuchung hatte sich auf die Wohnung des Lehrers beschränkt.
Dabei hatte dieser in der Schule einen eigenen Laptop, eine eigene
Kamera und Daten- und Speicherträger gelagert. Der enge Bekannte und
Ex-Schüler des Lehrers soll nach dessen Ableben mehrfach mit dessen Auto
zur Schule gekommen sein und den Spind des Lehrers sowie die so
genannte Chill-Out-Zone leer geräumt haben, in der es zu
Missbrauchshandlungen gekommen sein dürfte. Der Bekannte sei "die ganze
Woche da" gewesen und habe "die Sachen geholt", wird in einer Aussage
behauptet. Der Direktor soll ihn erst danach mit einem Hausverbot belegt
haben.
Sportlehrer und andere Personen sollen Schüler "betatscht" haben
Am Unterricht des Sportlehrers sollen sogar schulfremde
Personen - offenbar für Assistenzdienste beim Geräteturnen - beteiligt
gewesen sein und dabei Schüler "betatscht" haben. Ein ehemaliger Schüler
berichtet von einem "alten Mann mit grauen Haaren", der "sehr
unangenehm" gewesen sei und "uns immer überall angefasst" habe.
Bildungsdirektion Wien setzte eine U-Kommission zur Causa ein
Die Bildungsdirektion Wien,
die die Staatsanwaltschaft mit einer eigenen Sachverhaltsdarstellung
befasst hatte, hatte zur Klärung der Vorgänge an der bzw. um die Schule
eine eigene Untersuchungskommission eingesetzt. Deren Bericht ist
mittlerweile überfällig. Er war zunächst für Mitte, später für Ende
November avisiert worden. Eine an die Bildungsdirektion gerichtete Bitte
der APA um Stellungnahme stand Freitagmittag aus.