Am Donnerstag wurde im Wiener Gemeinderat ein Einsetzungsantrag zu einer U-Kommission zur Wien Energie eingebracht.
Eine formelle Abstimmung ist nicht mehr nötig. Das Gremium, in dem alle Rathausfraktionen vertreten sein werden, wurde von ÖVP und FPÖ initiiert. Die erste Sitzung findet am 2. Dezember statt. Die Causa hatte im August für gehöriges Aufsehen gesorgt, denn der Energieversorger benötigte Milliardenkredite für Sicherheitsleistungen.
Die U-Kommission zur Wien Energie ist in Vorbereitung
Die zum Stadtwerke-Konzern gehörende Wien Energie musste - wie andere Versorger in Europa auch - für den Börsenhandel mit Strom und Gas infolge der Preissprünge hohe Sicherheitsleistungen hinterlegen und konnte diese ab dem Sommer nicht mehr aus eigener Kraft stemmen. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte deshalb ab Juli per Notkompetenz insgesamt 1,4 Mrd. Euro bereitgestellt. Der Liquiditätsengpass und die Notkredite des Bürgermeisters wurden Ende August publik, als auch die Mittel knapp wurden.
Bund gewährte Wien Energie weiter zwei Milliarden Euro
In der Folge gewährte der Bund über die
Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) weitere 2 Mrd. Euro. Diese wurden
bisher nicht ausgeschöpft. Auch das Wiener Darlehen wurde zumindest zum Teil wieder retourniert.
Hintergründe der Causa Wien Energie in U-Kommission geklärt
Die
Hintergründe der Causa sollen nun im Rahmen einer gemeinderätlichen
U-Kommission geklärt werden. Man will dabei mutmaßliche "Missstände bei
der Wahrnehmung der Eigentümerrechte" durchleuchten, wie es im Antrag
heißt. Sprich: Es geht um die politische Verantwortung. Die internen
Abläufe im Unternehmen selbst dürfen im Rahmen der Kommission nicht
geprüft werden, denn ausgegliederte Bereiche sind von der Befugnis hier
nicht umfasst.
Einschränkungen bei der U-Kommission erwartet
Und noch eine Einschränkung wird es geben, wie
Gemeinderatsvorsitzender Thomas Reindl (SPÖ) zu Beginn heute im Plenum
erläuterte. Formal dürfen in einer U-Kommission im Prinzip nur Themen
geprüft werden, die die Gemeinde betreffen. Ein Untersuchungsgremium des
Landes bzw. des Landtags gibt es zwar auch, es würde sich dabei um
einen Untersuchungsausschuss handeln. Beantragt wurde jedoch eine
U-Kommission, da der Großteil der Geschehnisse - also etwa die
Kreditvergabe der Stadt an die Wien Energie - die Gemeinde betrifft.
Kreditvergabe druchd en Bund ist rein formal gesehen Landessache
Die
Kreditvergabe durch den Bund ist jedoch - rein formal gesehen -
Landessache. Denn die OeBFA wickelt ihre Finanzierungen mit den Ländern
ab. Folglich wurden die Verträge mit dem Land Wien
geschlossen. Ob die Kreditvergabe durch den Bund in der U-Kommission
zumindest in irgendeiner Form Thema sein wird, ist damit offen. Die
entsprechenden Punkte im Einsetzungsantrag werden laut einem aktuellen
Gutachten jedenfalls als unzulässig betrachtet, wie Reindl ausführte.
Start der U-Kommission zur Wien Energie am 2. Dezember 2022
Der
Start des Gremiums ist bereits fixiert. Am 2. Dezember findet im
Rathaus die konstituierende Sitzung statt. Ab dann ist ein Jahr Zeit,
die Vorgänge zu untersuchen. Eine Verlängerung um drei Monate ist
theoretisch denkbar.
Einsetzung einer U-Komission in Wien seit 2001 möglich
Die Einsetzung einer U-Kommission ist in der
Hauptstadt seit 2001 möglich. Damals wurde die Stadtverfassung
entsprechend geändert. Üblicherweise ist dies ein Schritt der
Opposition, da es sich um ein Minderheitsrecht handelt. Lediglich beim
Thema KH Nord haben erstmals auch die Regierungsparteien die Einsetzung
einer U-Kommission veranlasst.
Konkret braucht es dafür die
Unterschrift von 25 Mandatarinnen bzw. Mandataren. Gültig ist diese
Grenze nach einer Reform des Gremiums, die im Vorjahr besiegelt wurde.
Zuvor mussten 30 Unterschriften geleistet werden.