Im Rahmen eines Forschungsprojekts sollen ein umgebautes Frachtschiff in Wien als sicherer Hafen für Donau-Störe dienen.
Insgesamt knapp zwölf Millionen Euro werden bis Ende 2029 in die Erhaltung von vier gefährdeten Stör-Arten in der Donau in Wien investiert. Als Geburten- und Aufzuchtstation wird ab 2025 ein speziell umgebautes Frachtschiff fungieren, das in der Donau in Wien vor Anker liegen wird, erklärte Projektleiter Thomas Friedrich der APA. Zusammen mit Partnern aus vielen Donau-Anrainerländern will man insgesamt 1,6 Mio. Jungtiere züchten und auswildern.
Mit der Aufzucht des entlang des Stromes rar gewordenen Sterlets in Wien, der kleinsten der einst sechs Donaustör-Arten, hat das Team um Wissenschafter der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien im Rahmen des heuer abgeschlossenen Projekts "LIFE-Sterlet" in den vergangenen Jahren Erfahrungen gesammelt. In einem Container auf der Wiener Donauinsel wurden bisher insgesamt 240.000 Jungtiere gezüchtet und in der Donau ausgesetzt. So wurde die stark gefährdete Population dieser letzten noch natürlich hierzulande vorkommenden Stör-Art unterstützt, heißt es am Mittwoch in einer Aussendung.
Nun wird der Ansatz
entscheidend erweitert. Dazu wird mit den zu zwei Dritteln von der
EU-Umweltförderschiene "LIFE" kommenden Mitteln nun ein ausrangiertes
Frachtschiff des Projektpartners viadonau in Krems (NÖ) für die Zwecke
der Forscher und Züchter unter dem Namen "LIFE-Boat 4 Sturgeons"
umgebaut. Damit soll dem "Homeing"-Verhalten der Fische Rechnung
getragen werden, denn die Tiere "wollen die Eier dort ablegen, wo sie
selbst geschlüpft sind", sagte Friedrich. Sie prägen sich die
Zusammensetzung des Wasser an ihrem Geburtsort ein. Daher sollte die
Aufzucht in dem Wasser des Flusses erfolgen, wo sich die Population
wieder etablieren soll.
Neben dem Sterlet konzentriert man sich
auch auf drei weitere Stör-Arten, die einst in der Donau zahlreich
waren. Der Waxdick, der Sternhausen und der Hausen sind heute nur noch
in der unteren Donau heimisch, allerdings sind auch dort die Bestände
stark unter Druck, betonte Friedrich: "Wir müssen wie bei den Nashörnern
schauen, dass wir die genetische Vielfalt, die es noch gibt, auch in
Gefangenschaft erhalten, um die Arten zu retten." Auf dem Schiff in Wien wird man Muttertiere in speziellen Becken halten, der Fischnachwuchs wird dann in Außenbecken in Donauwasser aufgezogen.
Im Rahmen des vom Landwirtschaftsministerium und der viadonau mit je einer Million und von der Stadt Wien mit 500.000 Euro kofinanzierten Vorhabens züchten auch Forscher in Ungarn und an der Mur in Slowenien. Damit soll verhindert werden, dass im Falle von Problemen alle Fische auf einen Schlag abhanden kommen, so der Forscher vom Institut für Hydrobiologie & Gewässermanagement der Boku. Ausgewildert sollen die 1,6 Mio. Jungtiere dann in unterschiedlichen Abschnitten der Donau werden. Dazu ist ein Monitoringprogramm der Tierbestände und der genetischen Vielfalt sowie umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit zum Erhalt der stark gefährdeten Tiere, die auf möglichst naturbelassene Flussabschnitte angewiesen sind, geplant.