Im Wiener AKH entsteht die größte Krankenhaus-Apotheke Europas. Die Kampagne "Auf Nummer sicher" der Apothekerkammer Österreich soll auf die Wichtigkeit von Anstaltsapotheken aufmerksam machen.
Derzeit entstehe im Wiener AKH eine der größten Apotheken
Europas, momentan sei sie größte in Österreich, erklärte ihre Leiterin Martina
Anditsch Dienstag vor Journalisten. Die größte Krankenhausapotheke Europas
umfasst nach ihrer Fertigstellung in drei Jahren rund 200 Mitarbeiterinnen,
8.000 Quadratmeter Fläche und davon 2.000 Quadratmeter Produktionsfläche. An
die 200.000 Arzneimittel-Packungen können dann gelagert werden. Im Jahr
bereitet die Anstaltsapotheke im Wiener AKH 1.700 Arzneimittel zu. Dann gibt es
noch eine Produktion von 80.000 Zytostatika-Produkten und 140.000 Infusionen
die hergestellt werden.
Europas größte Krankenhaus-Apotheke entsteht im Wiener AKH
„Auf Nummer sicher“ heißt der Slogan der neuen Kampagne der Apothekerkammer, die auf die Arbeit der Apotheker vor allem in den Krankenhausapotheken aufmerksam machen möchte. „Die hat Dinge ans Licht gebracht, die man zuvor wusste, aber nicht so beachtet hat. Wir haben in der Pandemie gelernt, dass eines wahnsinnig wichtig ist: Das ist Vertrauen und man braucht gesichertes Wissen“, betonte Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer bei einer Pressekonferenz im Wiener AKH am Dienstag.
Kampagne soll die wichtige Rolle der Apotheker betonen
Mit der neuen Kampagne wolle man vor allem auf die wichtige
Rolle der Apotheken in der Gesundheitsversorgung aufmerksam machen. Eine besondere
Rolle dabei würden die 41 Krankenhausapotheken beitragen. Vor allem die
Bereiche Beschaffung, Zubereitung und Herstellung von Arzneimitteln und der
klinischen Pharmazie als Schnittstelle zwischen Apotheker und Ärzten.
Anstaltsapotheke im Wiener AKH findet Alternativen bei Engpässen
Die Krankenhausapotheken würden nicht nur bei der
Beschaffung von Medikamenten und beim Finden für Alternativen bei
Lieferengpässen einen Vorteil bringen. Auch könne die Medikamenteneinnahme von
Patienten des Krankenhauses zwischen Ärzten und Apothekern abgestimmt werden,
welches die Schäden durch fehlerhafte Medikation entstehen können, verringern
würde, hieß es auf der Pressekonferenz. Ein Dritter Vorteil sei, dass auf den
Patienten individuell zugeschnitten Arzneimittel hergestellt werden könnten.
Spitals-Apotheken sollen Schäden durch Medikamente verringern
Über 450 hochspezialisierte Mitarbeiter seien in
Krankenhausapotheken in ganz Österreich tätig, erzählt Martina Jeske, Leiterin
der Anstaltsapotheke des Landeskrankenhauses Innsbruck. „Unser aller
gemeinsames Ziel, von all den Berufsgruppen die im Krankenhaus arbeiten, ist
eine sichere, wirksame und ökonomisch sinnvolle Arzneimitteltherapie für alle
unsere Patienten“, so Jeske. Durch die Zusammenarbeit im interdisziplinären
Dienst, könne man die Arzneimitteltherapie-Sicherheit vergrößern. "Dadurch
haben alle beteiligten Berufsgruppen aktuellen Einblick, was ein Patient als
Therapie und Medikation bekommt", erklärte Martina Jeske von der Anstaltsapotheke
des Landeskrankenhauses (LKH) Innsbruck. Auch mögliche Probleme und
Nebenwirkungen bei der Verabreichung mehrere Medikamente gleichzeitig könne man
damit leichter identifizieren. Dies wäre ganz im Sinne der Forderung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis 2030 die Zahl von arzneimittelbedingten
Schäden signifikant zu senken, und bestenfalls "Medikation ohne
Schaden" zu erreichen.
Krankenhausapotheker fordern von der Regierung einen Aktionsplan
Daher fordern Österreichs Krankenhausapothekerinnen vom
Gesundheitsministerium einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit
in den Spitälern. In Deutschland gäbe es schon den 5. Aktionsplan, den ersten
hätte es 2007 gegeben, betont Jeske. Sie kritisierten, dass es hierzulande
derzeit keine ausreichenden rechtlichen Kriterien für Arzneimitteltherapiesicherheit
gibt, und es den Pharmazeuten dadurch an juridischer Rückendeckung fehlt.
Roboter "Bernado" lagert am Tag rund 3.000 Medikamente aus
Einen wichtigen Mitarbeiter stellte Martina Anditsch, Leiterin der Anstaltsapotheke des AKH Wien vor: Roboter „Bernado“ lagert 3.000 Packungen am Tag von rund 750.000 im chaotischen System gelagerten Medikamenten aus. Das heißt: Diese Packungen gelangen zu Patientinnen und Patienten auf den Krankenhausstationen. Insgesamt liefert die Krankenhausapotheke rund 10.000 Packungen Arzneimittel, Ernährungsprodukten und Verbandsstoff auf Stationen und Ambulanzen im AKH Wien und dem St. Anna-Kinderspital, teilte Anditsch mit. Knapp 70.000 Krebstherapien und 40.000 Infusionstherapien werden jährlich patientenindividuell in der Krankenhausapotheke hergestellt.
Anditsch: "Wir sind Experten was Lieferengpässe betrifft"
„Wir sind in den letzten Jahren zu Experten was Lieferengpässe betrifft geworden. Wir managen das hervorragend. Wir haben hier eine Lagerkapazität die zwei bis drei, für kritische Medikamente sogar vier Wochen umfasst“, so Anditsch. Somit sollen auch in Krisenzeiten alle notwendigen Medikamente für die Spitalspatienten zur Verfügung stehen. Weiteres produziere die Krankenhausapotheke im Wiener AKH für den Patienten individuelle Arzneimittel her. Als zum Beispiel zu Beginn der Pandemie von heute auf morgen keine Desinfektionsmittel mehr erhältlich waren, hat die Apotheke sofort selbst welche produziert", sagte Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien: "Außerdem waren rasch Tests für alle Mitarbeiter und Patienten verfügbar".
Krankenhausapotheke bereitet Infusionen für Frühchen her
Vor allem auf der Neonatologie, also der Geburtenstation,
profitiert man von der Krankenhausapotheke. So würde ein Frühchen zum Beispiel
bis zu 18 Infusionen brauchen, deren Vorbereitung die Krankenhausapotheke
übernommen habe. 2020 habe die Krankenhausapotheke bis zu 22.000 Arzneimittel
für drei Stationen der Neonatologie mit rund 20 Betten im Wiener AKH
zubereitet. 2022 habe man schon 42.000 Arzneimittel für Patienten des AKHs
hergestellt.
AKH Wien habe auch eine Arzneimittel-Interaktionsambulanz
Im AKH habe man jetzt auch eine
Arzneimittel-Interaktionsambulanz bzw. Arzneimittel-Nebenwirkungsambulanz,
betont Anditsch. Patienten oder niedergelassene Ärzte können sich dort eine
Zweitmeinung zu Medikation einholen. Das wäre vor allem bei einer
Polymedikation, also der Einnahme von mehr als fünf Medikamenten, besonders
wichtig.
Krankenhausapothekerinnen seien unverzichtbar geworden
„Aufgrund der zunehmenden Komplexität von Medikamenten sind die Krankenhausapothekerinnen und –apotheker unverzichtbar im klinischen Betrieb und aus den multiprofessionellen Behandlungsteams nicht mehr wegzudenken“, ist Dr. Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien, überzeugt.